Da Vincis Vermächtnis oder Wie Leonardo die Welt neu erfand

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Da Vincis Vermächtnis oder Wie Leonardo die Welt neu erfand
Autor(en): Stefan Klein
Herausgeber:
Erscheinungsort: Frankfurt
Verlag: S. Fischer
Serie:
Erscheinungsjahr: 2008
Seitenanzahl: 336 Seiten
Originaltitel: -
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 310039612X
ISBN-13/

EAN-Code:

978-3100396129
Schlagwörter: Renaissance, Wissenschaftsgeschichte, Geschichte, Leonardo da Vinci
Sachgebiete: Wissenschaftsgeschichte
Rezensionen

Stefan Kleins Sachbuch über Leonardo da Vinci versucht dem Universalgenie nicht über den biografischen Ansatz gerecht zu werden, sondern über die vielfältigen Begabungen, die Leonardo ausgemacht haben. Denn Leonardos Interesse galt so vielen und unterschiedlichen Themen, die er gedanklich zusammenbringen konnte, dass in seinem Werk nach Kleins Ansicht eine Einheit von Kunst, Technik und Wissenschaft (85) zum Ausdruck kommt, die heute noch ihresgleichen sucht, da unsere standardisierte Schulbildung ein so assoziatives Werk vielleicht gar nicht mehr zuließe, so Klein. (257) Die Kapitel des Sachbuches richten sich dann auch an den großen Themen aus, die auch Leonardo da Vinci zeitlebens umtrieb. Zum ersten ist hier der „Blick“ zu nennen, den Leonardo lange Zeit als geometrische Aufgabe verstehend untersuchte und am Ende dadurch die Mona Lisa schaffen konnte, die ihre Besucher im Louvre so naturgetreu anblicken kann. Überhaupt scheint die Malerei der Ausgangspunkt des Genies Leonardo zu sein. Zum zweiten beschäftigte sich Leonardo auch für seine Arbeitgeber viel mit „Wasser“, seiner Kraft und seiner Beherrschung. Er musste Schleusen bauen und Konzepte zur Umleitung von Flüssen erstellen. Seine Skizzen waren aber nicht nur Konzept, sondern auch immer Welterklärung, so erfasste er darüber etwa das „Kontinuitätsgesetz“. Für seine unterschiedlichen „Herren“ an den Höfen von Florenz und Mailand musste Leonardo, obwohl seine pazifistische Haltung bezeugt zu sein scheint, schließlich drittens Kriegsgeräte aller Art herstellen und planen. So sind überdimensionale Riesenarmbrüste ebenso verbürgt wie automatische Sensen für das Schlechtfeld. Zum vierten war für Leonardo das Fliegen ein großes Thema. Es ist zwar nicht bezeugt, dass Leonardo tatsächlich Fluggeräte hergestellt hat, aber seine enorme Beobachtungsgabe konnte ihn zumindest Fluggeräte zeichnen lassen, die in heutiger Zeit nachgebaut worden sind. Ebenso existieren heute Nachbauten seiner „Roboter-“ bzw. Automatenzeichnungen. In zeitgenössischen Quellen sind auch mechanische Löwen zur Belustigung von Königen bezeugt. Zum fünften erforschte Leonardo trotz des kirchlichen Verbots den Menschen an sich, er sezierte Menschen und beschäftigte sich eingehend mit der Struktur des Auges oder des Herzens, das er künstlich nachbauen wollte. Leonardos Theorien über den Aufbau des Herzens konnten erst in unserer Zeit mit modernsten technischen Mitteln bewiesen werden. Das trifft im übrigen auch auf seine Beobachtung des Libellenfluges zu, der erst mit Kameras untersucht werden konnte, die viele Bilder in der Sekunde schießen können. Am Ende hinterließ Leonardo über 10.000 Seiten Manuskripte mit ca. 100.000 Zeichnungen, die dank seines Talentes eine außerordentliche Fülle an Themen abbildete und eher heutigen Infografiken (167) als den zeitgenössischen Darstellungen erinnern. Jedoch konnte Leonardo außer einem Buch über Malerei zu seinen Lebzeiten keine eigenständigen Werke veröffentlichen, obwohl mit seinen anatomischen Zeichnungen etwa die moderne Anatomie hätte entstehen können. Leonardos Wissen und Darstellungen sind heute umso höher einzuschätzen, wenn man bedenkt, dass viele der Erkenntnisse Leonardos zur damaligen Zeit Häresien darstellten. Die Anatomie eines Menschen durfte regulär kaum untersucht werden und für die Entstehung der Welt galt die biblische Schöpfungsgeschichte, die Leonardo nicht gelten lassen wollte, da seine Fossilienfunde, mit denen er sich ausgiebig beschäftigte genauso eine andere Sprache sprachen wie die Formationen der Gesteine, die nach Leonardos Analyse viel älter sein mussten als die in der Bibel beschriebene Sintflut. So war er sechstens eher ein Anhänger Aristoteles, der mit seiner Theorie des unbewegten Bewegers die „letzte Frage“ zu beantworten suchte, wie sich die Naturgesetze denn initial „angestoßen“ werden konnten, ohne selbst anzustoßen. (233)

Denis Diderot 21:42, 18. Mär 2009 (CET)

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