Das vernünftige Ungeheuer: Diderot, d'Alembert, de Jaucourt und die Große Enzyklopädie

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Das vernünftige Ungeheuer: Diderot, d'Alembert, de Jaucourt und die Große Enzyklopädie
Autor(en): Philipp Blom
Herausgeber:
Erscheinungsort: Frankfurt
Verlag: Eichborn
Serie:
Erscheinungsjahr: 2005
Seitenanzahl: 465 Seiten
Originaltitel: -
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3821845538
ISBN-13/

EAN-Code:

978-3821845531
Schlagwörter: Enzyklopädie, Enzyklpädisten, Aufklärung
Sachgebiete: Literaturwissenschaft, Geschichtsschreibung
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Der Autor Philip Blom zeichnet in seinem Buch die bewegende Geschichte eines der berühmtesten und einflussreichsten Werke der Weltgeschichte nach, der Encyclopédie, ou dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers. Die Encyclopédie, die zunächst nur als Übersetzung geplant war, erschien zwischen 1751‒80 in 28 Bänden (davon 11 Tafelbänden) und enthielt 72.998 Artikel mit mehr als 20 Millionen Büchern (13). Das Werk gilt als Schlüsselwerk der Aufklärung und die Gruppe der Autoren des Werkes werden teilweise noch heute als "Enzyklopädisten" verehrt. Bloms Geschichte dieses Werkes zeichnet nicht nur die Geschichte der Werkentstehung nach, sondern beschreibt vor allem auch die Widerstände, die dieses Werk aus Kirche und Staat am Vorabend der französischen Revolution erfahren hat. Nicht zu kurz kommt dabei auch eine Beschreibung der Epoche der Aufklärung mit seinen intellektuellen Salons in Paris und den persönlichen Auseinandersetzungen der Enzyklopädisten untereinander, unter denen so klangvolle Namen wie Diderot, Rousseau oder Voltaire waren.

Im äußerst anregenden Milieau der Pariser Salons lernten sich bereits vor der eigentlichen Projektaufnahme die zentralen Protagonisten kennen, unter ihnen vor allem Denis Diderot, Jean-Jacques Rousseau und d'Alembert. (47 ff.) Das Projekt selbst wurde von dem Verleger André-François Le Breton gestartet und sollte eigentlich zunächst eine Übersetzung der englischen Cyclopædia (2 Bände von 1728) von Chambers sein. Nach zwei erfolglosen Übersetzungsversuchen, ging die Projektleitung schließlich auf Diderot und d'Alembert über, die aus der Übersetzung ein eigenes Werk machten und begannen, Autoren zu gewinnen (81).

Von der Anlage her war das Werk bereits von Anfang an aufklärerisch.

  • So übernahm man von Chambers die alphabetische Ordnung, um eine im Sinne der Aufklärung zweifelhafte Gewichtung von Themen zu vermeiden (84). Erst ein Nachdruck Panckouckes ordnete die Enzyklopädie später tatsächlich wieder thematisch. (406 ff.)
  • Es wurde konsequent auf biographische Artikel verzichtet, erst nachdem de Jaucourt im Stillen die Hauptlast der Herausgeberschaft nach dem Verbot des weiteren Erscheinens übernommen hatte, wurden biographische Artikel in den Stadtartikeln platziert. (388)
  • Eine echte Innovation war die Konzentration der Darstellung auf das praktische Wissen in Form des Handwerks (86), sowie
  • die Darstellung des Wissens in Farbtafeln, so gibt es z.B. 42 Tafeln zum Uhrmacherwesen, 51 für das Schreinerwesen, 46 für die Herstellung von Spiegeln und 81 Tafeln für die Verhüttung von Erzen. (353)

Diderot schuf insgesamt 2.000 Artikel (85), der vollkommen zu Unrecht fast vergessene Chevalier de Jaucourt schrieb dagegen 17.266 Artikel ohne einen finanziellen Ausgleich dafür erhalten zu haben (325). Für den Verleger Le Breton dagegen war die Encyclopedie ein wirtschaftlicher Glückgriff. Er erwirtschaftete mit dem Werk 3,7 Mio. livres (ca. 45 Millionen Euro nach heutigem Maßstab). Diderot hatte in den 25 Jahren seiner Herausgeberschaft zwischen 60.000 und 80.000 livres (zwischen 720.000 und 960.000 Euro) bekommen, was einem Jahresverdient von 2.800 livres entsprach. (410)

Diderot selbst betrachtete die Encyclopedie am Ende seines Lebens, sichtlich von geistiger Verfolgung gekennzeichnet, nach dem Bekanntwerden von geheimen Selbstzensurmaßnahme des Verlegers Le Breton als gescheitert an, wobei man heute weiß, dass die Zensurmaßnahmen Le Bretons in den letzten 10 Bänden weit weniger umfangreicher war als man lange Zeit angenommen hatte.

Denis Diderot 22:40, 3. Jun 2008 (CEST)

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