Dein kompetentes Kind. Auf dem Weg zu einer neuen Wertgrundlage für die ganze Familie

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Dein kompetentes Kind. Auf dem Weg zu einer neuen Wertgrundlage für die ganze Familie
Autor(en): Jesper Juul, Knut Krüger (Übersetzer)
Herausgeber:
Erscheinungsort: Reinbek
Verlag: Rowohlt Verlag
Serie:
Erscheinungsjahr: 2009
Seitenanzahl: 288 Seiten
Originaltitel: -
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3499625334
ISBN-13/

EAN-Code:

978-3499625336
Schlagwörter: Ratgeber, Erziehung, Pubertät
Sachgebiete: Ratgeber
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Jesper Juul vertritt in seinem Buch Dein kompetentes Kind die These, dass alle Pädagogik und Erziehungswissenschaft bis heute von der Prämisse ausgegegangen ist, dass es bei der Erziehung von Kindern und Jugendlichen darum gehe, ein im Prinzip asoziales Wesen, das Kind, erwachsen zu machen, also zu einem Erwachsenen zu erziehen. Dieses Ziel haben sowohl die autoritäre wie die antiautoritäre Erziehung verfolgt, wobei Erziehung von beiden Richtungen immer als Machtfrage interpretiert worden sei. In den augen Jesper Juuls geht es bei der Erziehung aber genau nicht um Macht, sondern um Gleichwertigkeit. Kinder, so Juul, sollten vor allen dingen als gleichwertige Menschen ernst genommen werden. So hält Jesper Juul dem Erwachsenen immer wieder den Spiegel vor und fragt bei vielen Sprüchen und Erziehungsmethoden den Erwachsenen immer wieder, wie er es denn finden würde, von einem anderen genau so behandelt zu werden. Man würde, nach Juul, vollkommen zu Recht, nie wieder mit einer Person, die einen permanent demütigt und nicht für voll nicht, einfach nicht mehr sprechen.

Juul argumentiert so vor allem gegen eine Erziehungsmethode, die "wirken" wolle, also besser als eine andere sein wolle, weil es darum gar nicht gehen würde. Vielmehr geht es aus seiner Sicht darum, die Persönlichkeit von Kindern ernst zu nehmen. So bringt Juul etwa das Beispiel einer Vierjährigen, die genau weiß, was sie im Restaurant zu essen haben möchte, ihre Eltern gestehen ihr das jedoch nicht zu, weil sie glauben, sie möge es nicht. Die Eltern glauben also die Wünsche des Kindes besser zu kennen. Erst als der Kellner über die Eltern hinweg, dem Mädchen das bringt, von dem sie selbst weiß, das sie es haben möchte, kehrt Ruhe in den Urlaub der Familie ein. Kinder sind nach Juul eben kompetent darin zu sagen, was ihre Bedürfnisse sind und Eltern sollten es einfach nicht besser wissen wollen. Eltern sollten vielmehr das Kind als Menschen respektieren. Dann würde man nach Juul auch sehen, dass Kinder nicht nur kompetent für ihr eigenes Leben seien, sondern in den allermeisten Fällen auch vollkommen kooperationswillig, eine Eigenschaft, die durch falsche Erziehung häufig ins Negative gewendet werde.

Einen wichtigen Punkt sieht Juul in der Unterscheidung zwischen Selbstvertrauen und Selbstgefühl. Aus Juuls Sicht reicht es nicht aus, seine kinder bloß zu loben, sondern es geht darum, das Selbstgefühl des Kindes als solchem zu stärken. (110) Ein lob, also eine Leistungsbewertung kann sogar in manchen Fällen geradezu kontraproduktiv sein, weil es nach Juul eben nicht das Dasein, mithin die Existenz des Kindes als solches stärkt, sondern nur die Leistung belohnt. Kinder kooperieren durch Loben nur hinsichtlich ihrer Leistung und lernen so, dass es nicht auf ihren Selbstwert ankommt, sondern nur auf das Ergebnis, das sie produzieren. So werden nach Juul fremdbestimmte Individuen herangezogen, deren "existentielles Immunsystem" nicht aufgebaut worden ist. Doch auch das pädagogische Erziehungssystem, das vom 18. Jahrhundert bis ca. 1950 auf Kritik als Erziehungsideal setzte, sieht Juul erst recht nicht in der Lage, dem modernen Menschen eine Grundlage für sein Leben heute mitzugeben.

Kritik: Jesper Juuls Pädagogik ist von der Vorstellung geprägt, dass der Mensch bzw. das Kind an sich gut sei und penetrante, nörgelnde und gar brutale Kinder grundsätzlich durch ihre Eltern und ihre Erzieher schlecht geworden sind. Dem ist nicht zuzustimmen, weil es auch einfach aus sich selbst heraus schlechte Menschen gibt. Dennoch ist die Argumentation und Darstellung Juuls sehr bereichernd. Juul hält vielen Eltern vollkommen zu Recht den Spiegel vor, weil sie einfach aus den verschiedensten Motiven heraus, mit ihren Kindern umgehen, als seien diese keine vollwertigen Menschen, sondern Wesen, die man nach seinen eigenen Vorstellungen formen kann. Diese viel verbreitete Sichtweise deutlich herausgearbeit zu haben, ist das Verdienst Jesper Juuls. Kinder sind mit allen Vorstellungen, Wünschen und Sichtweisen als vollwertige Menschen zu akzeptieren, was nicht bedeutet, dass man seinen Kindern alles gestatten muss oder sich von ihnen auf der Nase herumtanzen lassen muss.


Denis Diderot 21:23, 22. Jul 2010 (CEST)

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