Die Strippenzieher: Manager, Minister, Medien - wie Deutschland regiert wird

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Die Strippenzieher: Manager, Minister, Medien - wie Deutschland regiert wird
Autor(en): Cerstin Gammelin, Götz Hamann
Herausgeber:
Erscheinungsort: Göttingen
Verlag: Ullstein
Serie:
Erscheinungsjahr: 2005
Seitenanzahl: 320 Seiten
Originaltitel: -
Originalsprache: Deutsch
ISBN-10: 3548368964
ISBN-13/

EAN-Code:

978-3548368962
Schlagwörter: Lobbyismus, Berliner Republik, Berlin Mitte, Politkberatung
Sachgebiete: Sachbuch
Rezensionen

Wie sehr sich Berlin, vor allem die Berliner Mitte seit der Wiedervereinigung und dann nach dem Umzug der Regierung von Bonn nach Berlin gewandelt hat, ist jedem Betrachter eines einfachen Stadtplanes schnell klar. Dass aber von der Berliner Mitte aus auch kräftig regiert wird, zeigt das Buch Die Strippenzieher: Manager, Minister, Medien - wie Deutschland regiert wird, in dem die Journalisten Cerstin Gammelin und Götz Hamann aufzeigen, dass rund um den Bundestag nicht nur das offizielle Regierungsprogramm gespielt wird, sondern auch subaltern in den Restaurants und Etablissments der Hauptstadt regiert wird und zwar, so die These der Autoren, vor allem auch durch Strippenzieher der Wirtschaft und von Verbänden Einfluss auf die Politiker ausgeübt wird.

Denn in der Berliner Mitte stehen rund 5.000 Lobbyisten 600 Bundestagsabgeordneten gegenüber (29) und die Lobbyliste des Deutschen Bundestages zählt 2005 sogar 1.886 Einträge von Verbänden. Dazu kommt, dass der zur Bundespressekonferenz zugelassene Personenkreis sogar bereits auf über 900 Personen angewachsen ist und damit den Kreis zu Bonner Zeiten um Längen überschreitet, wobei es eigentlich immer weniger echte Pressevertreter als mehr PR-Agenten gebe. (34) Überhaupt habe sich mit dem Umzug der Regierung von Bonn nach Berlin nicht nur die Stadt, sondern geradezu der Charakter der Lobbyarbeit gewandelt. Während Bonn geradezug "informelle Gewaltenteilung" (43) gewesen sei, wird die Berliner Mitte geradezu von Strippenziehern und Einflüsterern belagert (45 ff). Dabei machen die Autoren an einer im Buch abgedruckten Karte deutlich, wie sich in der berliner Mitte nahezu alle großen Konzerne mit repräsentativen Vertretungen positioniert haben. Dazu zählen neben den großen Energieversorgern (E.on, RWE, EnBW, Vattenfall) auch vor allem die Automobilindustrie (VW, BMW) und die Banken (Deutsche Bank, Degussa), aber auch Chemiekonzerne, Versicherungen und Interessensverbände wie Gewerkschaften, der BDI und er der BDI. Dabei, so die Autoren fänden abends bis zu 12 Abendveranstaltungen (27) statt, auf denen Lobbyisten ihre Regierungsvertreter gehörig bearbeiten würden, es sei geradezu ein "Kaffeehaus-Lobbyismus" rund um den Reichstag entstanden.

Das Fatale an dieser Einflussnahme, so die Autoren, sei dabei nicht nur die Einflussnahme selbst, sondern auch die gegenseitige Abhängigkeit der Strippenzieher und der Regierungsvertreter. Weil die Politiker nach ihrem Karriereende in der Politik bei günstiger Führung auf eine Fortsetzung ihrer Karriere in der Wirtschaft hoffen könnten, sei dadurch ein schicksalhaftes Netz entstanden, das die Interessen der Wirtschaft mit denen der Gesellschaft gleichsetzen würde. (16)

Fazit: Der Befund der Autoren, dass es zunehmend mehr interessegeleitete Berichterstattung und Lobbyarbeit von Verbänden und Wirtschaftsvertretern gibt, scheint zutreffend zu sein. Der Alarmismus jedoch, mit den die Autoren dieses Phänomen beschreiben, scheint übertrieben. Anstatt die Einflussnahmen anzuprangern oder sich ihrer zu ergeben, ist jedoch der kreative Umgang mit dieser Form der Politkberatung geboten. Der Politikerkreis würde gut daran tun, ihre Entscheidungs- und Beratungsprozesse mit größerer Transparenz zu versehen. Ein Internetportal, in dem die durch die Lobbyarbeit zur Verfügung gestellten Argumente gegenüber gestellt würden, könnte hier z.B. helfen.

Denis Diderot 23:33, 20. Mär 2010 (CET)

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