Die große Zukunft des Buches. Gespräche mit Jean-Philippe de Tonnac

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Die große Zukunft des Buches. Gespräche mit Jean-Philippe de Tonnac
Autor(en): Umberto Eco, Jean-Claude Carrière, Barbara Kleiner (Übersetzer)
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Carl Hanser Verlag
Serie:
Erscheinungsjahr: 2010
Seitenanzahl: 288 Seiten
Originaltitel: {{{OT}}}
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3446235779
ISBN-13/

EAN-Code:

978-3446235779
Schlagwörter: Bibliothek, Bibliophilie
Sachgebiete: Bibliothekswissenschaft
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Das hier vorliegende Buch ist die Mitschrift eines Gespräches zwischen den den beiden Bücherliebhabern Umberto Eco und Jean-Claude Carrière, das Jean-Philippe de Tonnac durchführte. In sehr unterhaltsamer Art und Weise plaudern der Bologner Professor für Semiotik und Autor zahlreicher sehr erfolgreicher Sachbücher und Romane Eco und der Drehbuchautor und Schrifttsteller Carrière über die Geschichte des Buches und der Kunst, Kunst- und Religionsgeschichte, Malerei, über Filme und das, was eigentlich Kultur überhaupt ausmacht. Dabei vertritt insbesondere Eco die These, dass man eine perfekte Erfindung wie das Buch gar nicht mehr verbessern könne und dass es ewig erhalten bleibe wie das Rad, das man nicht mehr durch eine gänzlich neue Erfindung verdrängen könne. (46 und 112) Dabei geht Eco auch insbesondere auf die Errungenschaften des Internets ein, das uns zwar alles Wissen der Welt im Rohzustand bereitstelle, das aber in diesem Sinne kulturlos sei, weil Kultur der Prozess der Auswahl sei (61) und das Internet ohne einen kulturellen Speicher der Auswahl am Ende nur sechs Milliarden Enzyklopädien hervorbringen könne, so viele, wie es Menschen auf der Welt geben würde (74). Das Internet sei ein "unendlicher Schwindel", so Eco. (267) Eco und Carrière sprechen damit dem Buch als Überträger unserer Kultur eine Zukunft aus, die nicht vorbei sei. Ganz nebenbei erfährt der Leser noch eine ganze Reihe weiterer Einschätzungen und Geschichten der beiden Autoren. So verweist etwa Carrière auf den kuriosen Umstand hin, dass der Buddhismus gemeinhin nicht als Buchreligion gilt, wobei die Worte Buddhas sehr viel unmittelbarer durch seinen Schüler Ananda erhalten geblieben seien als die Worte Jesu, der lediglich ein Prediger des Wortes gewesen sei und die frühesten Überlieferungen erst mehrere Generationen nach seinem Tod überliefert wurde. Ein Urevangelium kenne man bis heute nicht (33 f.). Oder Umberto Eco weist anhand mehrerer Beispiele darauf hin, dass etwa das Postwesen im 16. Jahrhundert sehr viel besser gewesen sei als heute, wir uns aber daran gewöhnt hätten, die Geschichte immer nur als eine Geschichte der technologischen Verbesserung zu sehen. (49) Auch sieht Eco etwa den Fotokopierer als den Anfang vom Ende an. (260) Mit ihm habe man das Buch aus der Bibliothek zwar mit heimgebracht, aber nicht mehr kopiert.

Interessant sind auch die Beobachtungen Carrières, auf die er selbst keine Antwort weiß, nämlich danach, warum es manche Epochen in der Kunstgeschichte gebe, die besondere Stilrichtungen und Regionen zusammenführte. So etwa die Malerie und Architektur der Renaissance, die Lyrik im England des 16. Jahrhunderts, das Theater in Frankreich des 17. Jahrhunderts oder den Roman in Frankreich und Russland des 19. Jahrhunderts. (88)

Neben den Ansichten der beiden Autoren erfährt der Leser in dem Buch auch einiges über die privaten Sammelleidenschaften der beiden Diskutanten. So erfahren wir von Eco etwa, dass er 50.000 Bühcer zu Haus habe, davon 1.200 alte und Carrière habe, so sagt er, 30 bis 40.000 Bänder, davon 2.000 bibliophil alte. (274 ff.) Eco sammelt dabei vor allem Bücher mir kuriosen Ideen oder Häresien (174) und Carrière hat eine Sammlung von Gründungsmythen aller Länder der Erde.

Denis Diderot 22:49, 9. Jan 2013 (CET)

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