Ego. Das Spiel des Lebens

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Ego. Das Spiel des Lebens
Autor(en): Frank Schirrmacher
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Blessing
Serie:
Erscheinungsjahr: 2013
Seitenanzahl: 352 Seiten
Originaltitel: '
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3896674277
ISBN-13/

EAN-Code:

978-3896674272
Schlagwörter: Spieltheorie, Wirtschaftswissenschaften
Sachgebiete: Sachbuch
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Frank Schirrmacher beschreibt in seinem Buch Ego. Das Spiel des Lebens, wie sich seiner Überzeugung nach die Spieltheorie des Kalten Krieges in einen modernen, digitalen Neoliberalismus verwandelt habe, der nicht nur die Menschen, sondern auch ganze Ökonomien und Staaten fest in seinem Bann hält, wonach sich menschliches Handeln immer streng an den Vorteilen des Einzelnen ausrichtet. Schirrmacher beschreibt dabei die moderne Wirtschaft unserer Gesellschaft als eine durch Computer gesteuerte, nicht mehr beherrschbare Maschine, die durch die gleichen Algorithmen programmiert wurde, wie sie gegen die Sowjetunion im Kalten Krieg redacht worden sind.

Schirrmacher legt dabei dar, wie die Spieltheorie des John Nash zunächst für die Radarüberwachung des RAND entwickelt wurde (35ff, 61). Geschaffen werden sollte ein rationaler, berechenbarer und ermüdungsfreier "Agent" bzw. Kontrolleur für die Radarschirme, der auch selbständig agieren und entscheiden könne. Nach dem Untergang der Sowjetunion seien jedoch diejenigen Mathematiker und Physiker, die nicht mehr für den Kalten Krieg gebraucht wurden, in die Finanzwelt, zur Wall Street gegangen. (83) Dort hätten sie jene Programme entwickelt, die heute unsere Börsen nach den gleichen Algorithmen steuern. Diese Algorithmen seien jedoch so sehr außer Kontrolle geraten, dass sie zu der Finanzkrise geführt haben, wie wir sie heute allerorten erleben. Das Nash-Equilibrium sei der neue "rationale Gesellschaftsvertrag" (91) und die Mathematik bestimme heute die Sicht auf die Wirtschaft. Noch in den 50er Jahren seien, so Schirrmacher, nur 2% aller wirtschaftswissenschaftlichen Artikel mit Formeln versehen gewesen. (97)

Schirrmacher macht dabei klar, dass die Kritik an dieser modernen, digitalen Ökonomie keine Maschinenstürmerei sei (100), denn die Kritik an Technologien und ihrem Einsatz sei immer auch eine soziale Kritik. (123) Schirrmacher sieht in den neoliberalen Wirtschaftsmodellen Ökonomie und Darwinismus miteinander verschmolzen (142), darüber hinaus sogar demokratische Staaten in einen neuen Kalten ökonomischen Krieg eingetreten. (170) Staaten von heute, so Schirrmacher, würden nur noch über spieltheoretische Spielzüge miteinander kommunizieren, nicht aber mehr über Argumente. So sei es dann auch nicht verwunderlich, dass Angela Merkel eine "marktkonforme Demokratie" gefordert habe. (172) Letztlich seien wir in der Informationsökonomie angekommen, in der jede Interaktion berechenbar und geldwert sei.

Bewertung

Frank Schirrmacher kommt das Verdienst zu gezeigt zu haben, dass viele der Protagonisten des Neoliberalismus aus der Nomenklatura des Kalten Krieges stammen. Das Buch ist auch reich an ideen- und geistengeschichtlichem Know-How über Technikgeschichte, von daher ist es jede Zeile wert, die geschrieben wurde. Dennoch begibt sich Schirrmacher mit seinem Buch sehr in die Nähe von Verschwörungstheorien. Denn nur weil eine personelle Kontinuität zwischen der geistigen Elite der amerikanischen Kalten Krieger und der Etablierung des datengestützten Neoliberalismus der späten 80er und 90er Jahre ist, heißt das noch lange nicht, dass hier auch ein programmatischer Zusammenhang besteht. Die heutige Informationsökonomie hätte sich vermutlich auch ohne diese Elite und spieltheoretischen Gedanken entwickelt; es gilt sie dennoch zu kontrollieren.

Denis Diderot 15:51, 18. Jul 2013 (CEST)

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