Everything Is Miscellaneous. The Power of the New Digital Disorder

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Das Ende der Schublade: Die Macht der neuen digitalen Unordnung
Autor(en): David Weinberger
Herausgeber:
Erscheinungsort: New York
Verlag: Henry Holt
Serie:
Erscheinungsjahr: 2007
Seitenanzahl: 288 Seiten
Originaltitel: Everything Is Miscellaneous. The Power of the New Digital Disorder
Originalsprache: Deutsch
ISBN-10: 0805080430
ISBN-13/

EAN-Code:

978-0805080438
Schlagwörter: Informationswissenschaft, Folksonomie, Sacherschließung, Ordnung
Sachgebiete: Sachbuch
Rezensionen

David Weinberger analysiert in seinem Buch Everything Is Miscellaneous. The Power of the New Digital Disorder (auf deutsch: Das Ende der Schublade: Die Macht der neuen digitalen Unordnung), wie sich durch die Digitalisierung unsere Strategien zur Ordnung der Dinge verändert haben. Dabei vertritt Weinberger die These, dass die neue digitale Ordnung nicht nur mächtiger ist als vorangegangene Strategien, sonden auch organischer, da die Ordnungen, die wir den Dingen immer schon gegeben haben, sozial konstruiert waren und sind und die digitale Vernetzungen diese weichen Beziehungen besser abbilden. (32)

Weinberger erkennt drei grundsätzliche Herangehensweisen zur Ordnung der Dinge. Zum ersten sieht Weinberger den klassischen Zettelkasten bzw. die Schublade, in die wir für uns gleiche Dinge hereinsortieren. (18 ff.) Dann erkennt Weinberger eine zweite Methode zur Ordnung, die wir auch bereits aus der analogen Welt her kennen: die Verschlagwortung. Die Verschlagwortung wird meist von professionellen Verschlagwortern vorgenommen und findet sich in Bibliotheken und großen Sammlungen. Am besten könnte man hierzu vielleicht auch Etikettierung sagen. Die dritte, neue Ordnung erkennt Weinberger nun in der Digitalisierung der Daten, die uns einen ganz neuen Zugriff auf die Dinge erlaubt. (20)

Die Digitalisierung der Daten ist nach Weinberger vor allem durch zwei grundlegend neue Methoden gekennzeichnet. Zum einen durch die lose Verknüpfung zweier Elemente durch Links (Kapitel 6) und zum anderen durch die nutzerzentrierte Verknüpfung dieser Beziehungen (Kapitel 7), weshalb Weinberger hier auch von einem Ende oder einem Aussterben der Experten ausgeht, die bisher professionelle Verknüpfungen vorgenommen haben und dadurch Kontrolle ausgeübt haben. (102, 192) Überhaupt sieht Weinberger in den sogenannten Folksonomys eine ungeheure Kraft wirken, da sie ausdrücken, was von den Dingen selbst nicht gesagt wurde. (165) Darin sieht Weinberger auch eine Demokratisierung der Zugänge zum Wissen wie sie etwa die Wikipedia hervorgebracht hat.

Interessant sind auch die Erkenntnisse Weinbergers über Metadaten. So sind Spaces, also Zwischenräume zwischen Wörtern als Metadaten zu betrachten. (150) Auch interessiert sich Weinberger für den Unterschied zwischen impliziten und expliziten Darstellungen von Wissen. Das Zeichen "No Traffic Signs" etwa warnt davor, dass es keine Schilder in dem Gebiet gibt, implizite und explizite Darstellungen sagen also auch viel über die Erwartung der Benutzer aus. Auch wichtig für Darstellungen und Ordnungen ist die bekannte Erkenntnis, dass Karten im Maßstab 1:1 keine Hilfe mehr darstellen, da sie die Wirklichkeit nur abbilden, aber nicht strukturieren. (156) Überhaupt, so Weinberger, sind wir nicht auf der Suche nach Wissen, sondern mehr nach Verständnis, denn das Verstehen ist Meta-Wissen. (215) Und für dieses Verständnis sind die neuen digitalen Strukturen grundsätzlich besser geeignet als die bisher analogen.

Bewertung: Weinberger hat in bemerkenswert einfachen Worten (dafür sind englische Autoren ja bekannt), ein sehr schwieriges Thema aufbereitet und kommt etwa zu ähnlichen Ergebnisse wie das ungleich bekanntere Werk Faucaults über Die Ordnung der Dinge. Gleichwohl beurteilt Weinberger die neue digitale Ordnung der Dinge viel zu optimisch und unkritisch (auch dafür sind englische Autoren bekannt). So betont Weinberger zwar mehrfach die Begrenzungen des Papiers und die Nachteile für eine organische Ordnung, sieht aber nicht, dass die digitale Ordnung ebenso Probleme verursacht, wenn z.B. Suchmaschinen durch ihre Algorithmen darüber entscheiden, was unser Aufmerksamkeit erregt und was nicht. Und auch das Argument gegen das Papier, es würde ja Begrenzungen in der Darstellung auferlegen, ist auf der anderen Seite genau das Problem der Digitalisierung, dass sie keinen Anfang und kein Ende besitzt und die Dinge breittreten anstatt sie auf den Punkt zu bringen. Denn schon Goethe wusste: Getretener Quark wird breit, nicht stark.

Denis Diderot 15:29, 20. Mär 2010 (CET)

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