Generation Internet. Die Digital Natives. Wie sie leben - Was sie denken - Wie sie arbeiten

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Generation Internet. Die Digital Natives. Wie sie leben - Was sie denken - Wie sie arbeiten
Autor(en): John Palfrey, Urs Gasser
Herausgeber:
Erscheinungsort: München
Verlag: Hanser Wirtschaft
Serie:
Erscheinungsjahr: 2008
Seitenanzahl: 448 Seiten
Originaltitel: -
Originalsprache: Deutsch
ISBN-10: 3446414843
ISBN-13/

EAN-Code:

978-3446414846
Schlagwörter: Generation Internet, Digital Natives, Digitale Revolution
Sachgebiete: Sachbuch
Rezensionen

Die beiden Rechtswissenschaftler John Palfrey und Urs Gasser beschäftigen sich in ihrem Buch mit den Digital Natives, also jener weltumspannenden Generation von Jugendlichen, die nach 1980 geboren worden sind, und die ein Leben ohne digitale Helfer wie Suchmaschinen und ohne digitale Vernetzung über Communities gar nicht kennen. Dabei kommt es den beiden Autoren darauf an zu zeigen, welche Chancen und welche Risiken die Digitalisierung für diese Generation beinhaltet und wie diese Revolution schließlich unsere gesamte Kultur verändert, auch die der Digital Immigrants. (4) Schließlich wollen die Autoren mit ihrem Buch auch aufklären und für diese neue Generation Verständnis erzeugen, da gerade sie als Juristen das Risiko erkennen, dass die neue Kreativität, die die Digitalisierung mit sich bring, z.B. durch restriktive jurisitische Schranken bekämpft wird. Denn das Recht, so betonen die beiden Autoren, ist immer nur die letzte Instanz, mit der man auf so grundlegende Probleme wie im Bereich des Urhbeberrechts reagieren sollte.

Zunächst widmen sich die beiden Autoren dem Problem der Indentität im Zeitalter der Digitalisierug. Hier ergibt sich ein paradoxes Bild, da in digitalen Welten auf der einen Seite Identitätswechsel so einfach sind wie nie, etwa indem man sich unter falschen Namen bei einer Gemeinschaft anmeldet, zugleich besteht jedoch das Problem, dass man, wenn man einmal einen digitalen Fingerabdruck erzeugt hat, auch durch einen Ortswechsel kein neues Leben mehr beginnen kann. (19 ff.) Häufig, so die Wissenschaftler, tauschen Digital Natives die Sicherheit der Anonymität gegen den Konfort ein, in sozialen Netzwerken den Kontakt mit den Freunden zu behalten. (45)

Danach beschäftigen sich die Beiden mit einem Phänomen des Internets, das dem geltenden Urheberrecht zuwiderläuft, aber nichtsdestotrotz eine enorme Kreativität bei den Digital Natives auslöst. Denn mithilfe moderner Technologie lassen sich die als digitale Daten vorhandenen Kulturgüter leicht tauschen, mischen und wiederveröffentlichen. Dadurch, so die Autoren, sei ein neues Kulturverständnis (161) entstanden, das sich weniger auf passive Rezeption einlasse als vielmehr auf aktive Gestaltung der vorhandene Inhalte. Die Lösung der juristischen Probleme dieser Remixgesellschaft sehen die Wissenschaftler weniger in restriktiven Rechtsvorschriften als in einem freien Markt, der die Kundenbedürfnisse befriedigt. (185)

Neben der gestiegenen Kreativität der Digital Natives erkennen die Autoren jedoch auch drei grundlegende Problemfelder an, die durch die Digitalisierung entstehen. Zum einen das der Qualität, das der Information Overload und das der Aggression. Das Qualitätsproblem hängt eng mit dem Information Overload zusammmen, denn es gibt nicht mehr wie in der Vergangenheit das Problem der Informationsknappheit, sondern das der qualitativen Auswahl. (196) Wichtig sei hier vor allem die Erlernung der richtigen Strategie zur Qualitätsprüfung (204). Dazu ließen sich klassische Methoden wie etwa Literaturangaben heranziehen, aber es sei in Zukunft auf an ein Reputationssystem zu denken, das diese Aufgabe im Internet übernehmen wird (209). Beim Information Overload sehen die Autoren mehrere Entwicklungen, die dieses Problem lösen könnte, etwa verbesserte Filter- und Suchmethoden, das Semantic Web oder sogenannte Folksonomys (237 ff.). Für das Thema der Agression durch neue Medien haben die Autoren jedoch nur eher allgemeine pädagogische Ratschläge zur Hand, vor allem dürfe man sich jedoch nicht vor dem Thema drücken oder es durch ein Verbot versuchen in den Griff zu bekommen.

Anhand des Themas Innovation machen die Autoren zudem noch einmal deutlich, in welch historisch einmaliger Zeit wir leben. (269 ff). Die Autoren glauben gar an Beispielen wie Mark Zuckerberg, den Erfinder von Facebook ein "Ende der Gerontokratie" (271) zu erkennen. Jedenfalls sehen sie durch die niedrigen Zugangsschwellen zu den Innovationen im Internet auch eine neue Kultur des Aktivismus herausziehen, was ihrer Meinung nach eine große Chance darstellt (309 ff.).

Berwertung: Die Studie der beiden Rechtswissenschaftler zur neuen Kultur des Internets und ihrer Bewohner ist von einem großen Detailreichtum gekennzeichnet und viele Quellen wurden ausgewertet. Auch wurden die großen Themen dieser kulturellen Revolution einmal umfassend beleuchtet. Dem Ratschlag der Autoren, den Keim dieser durchaus hoffungsvollen Entwicklung nicht durch Rechtsvorschriften zu begegnen ist überdies zuzustimmen, dennoch bleibt ein schaler Nachgeschmack haften, denn wirkliche Lösungen haben die beiden Autoren für die umfassenden Probleme der Digitalisierung auch nicht zu bieten. Vermutlich haben sie aber dennoch damit Recht, dass es besser ist, sich diesen Problemem so offen und so früh wie möglich zu stellen.

Admin 18:50, 20. Mär 2010 (CET)

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