Payback. Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Payback. Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen
Autor(en): Frank Schirrmacher
Herausgeber:
Erscheinungsort: München
Verlag: Karl Blessing Verlag
Serie:
Erscheinungsjahr: 2009
Seitenanzahl: 240 Seiten
Originaltitel: -
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 389667336X
ISBN-13/

EAN-Code:

978-3896673367
Schlagwörter: Informationszeitalter, Kulturkritik
Sachgebiete: Sachbuch
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Schirrmacher, Mitherausgeber der FAZ, beschreibt in seiner kulturkritischen Analyse Payback die Veränderungen, die durch das Informationszeitalter in unserem Leben und unserer Kultur virulent werden. Die These Schirrmachers dabei ist, dass die bisherige Kulturkritik dem Phänomen der Digitalisierung nicht gerecht wird (37), sondern dass das Informationszeitalter ein qualitativer Sprung in der Geschichte der Menscheit darstellen würde, der auch mit physikalischen Veränderungen im Gehirn der Menschen und zugleich einer intellektuelle Regression (schwindendes Textverständnis, S. 35) sowie einer latenten Überforderung der Menschen einhergehen würde. (50) Dabei sei durchaus nicht klar, ob nur seine Generation überfordert sei oder ob wir uns mitten in einem Gezeitenwechsel befinden würden.

In einem 1. Teil beschäftigt sich Schirrmacher zunächst mit dem Thema Multitasking. In Multitasking sieht Schirrmacher eher den Kontrollverlust und die Degenrierung der Menschen, weil der Mensch durch das Multitasking ständig vergessen würde, was er eigentlich gerade tun wollte. Sein Verhalten sei nicht mehr linear. Multitasking ist für Schirrmacher eine vom Computer aufgezwungene Verhaltensweise und ist gar als Körperverletzung zu betrachten. (69ff) Schirrmachers these zu Multitasking ist, dass Multitasking die Menchen am Ende ineffizienter macht, weil sie immer weniger zwischen wichtigem und falschem unterscheiden können. Dabei stützt sich schirrmacher auf Clifford Nass, der in einer Untersuchung von 2009 herausfand, dass man den Umgang mit Multitasking dabei gar nicht erlernen könne. Multitasking sei, so Schirrmacher, der zum Scheitern verurteilte Versuch des Menschen selbst zum Computer zu werden. (73)

Schirrmacher macht am Beispiel des Taschenrechners zudem klar, warum er glaubt, dass der Computer zu einer Amputation menschlichen Denkens führt. Denn genauso wie der Mensch durch den Taschenrechner seine Rechentricks aus der Schule verloren hat, genauso verliere der Mensch durch den Computer die Möglichkeit zu gewichten und abzuwägen. (80) Mit Neil Postman glaubt Schirrmacher, dass am Ende nicht Orwells Antiutopie der neuen Digitalität am nähesten komme, sondern Huxleys Schöne neue Welt, in der es keine Bücher mehr braucht, weil die Menschen ihre Abhängigkeit lieben. (93)

In einem 2. Teil beschäftigt sich Schirrmacher damit, welche Strategien der heutige Mensch gegen die Überhand bzw. den Über-Geist aus der Maschine entwickeln kann, um sich zu behaupten. Zum einen sieht Schirrmacher in dem linear aufgebauten Buch eine Festung gegen den Digitalisierungswahn, der durch die sozialen Netze noch einmal mehr forciert wird. (222) Zum anderen fordert Schirrmacher die Menschen dazu auf, die Kontrolle über die eigene Aufmerksamkeit zu bewahren, anstelle weiterhin nur Wissen zu akkumulieren lieber die richtigen Fragen zu stellen und mit Hilfe des Perspektivenwechsels die Oberhand zu bewahren.

Bewertung: Auch wenn die Kritik Schirrmachers ebenso wie die Postmans zum Fernsehzeitalter sicher an einigen Stellen übertrieben scheint, so ist das Buch dennoch sehr lesenswert und füllt genau die Lücke, die trotz der Bücher von Clifford Stoll und jüngst von Jaron Lanier gefhelt hat. In der Tat merken immer mehr Menschen, dass der Computer mit seiner Macht auch ein Gegengewicht benötigt, um seine volle Kraft zu entfalten. Der Computer will am Ende beherrscht sein und sollte den Menschen nicht beherrschen. Die Ratschläge Schirrmachers können dazu eine wichtige Anregung sein.

Denis Diderot 22:04, 28. Aug 2010 (CEST)

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