Perlmanns Schweigen

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Perlmanns Schweigen
Autor(en): Pascal Mercier
Herausgeber:
Erscheinungsort: München
Verlag: btb Verlag
Serie:
Erscheinungsjahr: 1997
Seitenanzahl: 638 Seiten
Originaltitel: -
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3442721350
ISBN-13/

EAN-Code:

978-3442721351
Schlagwörter: Gelehrtenroman, Campusroman
Sachgebiete: Gelehrtenroman, Campusroman
Rezensionen
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Perlmanns Schweigen von Pascal Mercier steht sowohl in der Tradition klassischer Gelehrten- und Campusromane als auch in der Tradition psychologischer Romane, die das Scheitern ihrer Protagonisten bis ins Einzelne hinein beleuchten.

Inhalt

Perlmann, ein angesehender Sprachwissenschaftler und Linguist der Frankfurter Universität enthält von Olivetti die Einladung, ein 5-wöchiges Seminar in Italien mit anderen Größen seines Faches abhalten zu dürfen. Eigentlich ein Traum für einen Wissenschaftler seinen Fotrschungen unabhängig vom Alltag nachgehen zu können, gerät das Seminar jedoch immer weiter zum Albtraum Perlmanns, da Perlmann aus seiner eigenen Sicht eigentlich nichts zu sagen hat, diese Einstellung jedoch als Leiter des Seminars nicht zum Ausdruck bringen darf. Obwohl Perlmann sein angekündigtes Referat schon auf das Ende des Seminars gelegt hat, beschäftigt sich Perlmann jedoch nicht mit wissenschaftlicher Tätigkeit, sondern hängt seinen Erinnerungen mit Hilfe einer populärwissenschaftlichen Chronik des Jahrhunderts nach. Zudem übersetzt Perlmann nebenher eher zu seinem Vergnügen den russischen Text des Kollegen Leskov aus Petersburg, der nicht zum Seminar hatte ausreisen dürfen. Als sein Vortrag immer näher rückt, gibt er der Hotelangestellten Morelli, die mit Sekretariatsaufgaben betraut ist, den Auftrag, die bereits von ihr abgeschriebene Übersetzung des Leskovschen Textes zu verteilen. Perlmann möchte damit den Text Leskovs als seinen eigenen ausgeben, obwohl für ihn persönlich dieses Plagiat bereits eine Art Selbstmord darstellt. Las sich dann unvoirhergesehen Leskov doch noch ankündigt, glaubt Perlmann seine soziale und wissenschaftlichen Rufschädigung nur noch durch einen Mord an Leskov aufhalten zu können. Er plant diesen Mord zwar, kann ich aus Gewissensgründen jedoch nicht ausführen. Nach einem darauf folgenden Selbstmordversuch, den Perlmann jedoch überlebt, erfährt Perlmann, dass durch ein Missverständnis Frau Morelli gar nicht die Übersetzung des Leskovschen Textes verteilt hat, sondern seinen eigenen, den er noch kurz zuvor abgegeben hatte. Dadurch erkennt Perlmann, dass er Leskov zu Unrecht hätte ermordet, da er ja gar kein Plagiat begangen hatte. Doch Perlmanns Martyrium beginnt nun erst recht, da er vor dem Mordversuch an Leskov seinen russischen Orginaltext aus seinem Koffer vernichtet hatte, indem er ihn einfach auf eine stark befahrenen Landstrasseverteilt hatte. Da die Karriere Leskovs von diesem Text abhängt, sammelt Perlmann den Text wieder ein, setzt ihn soweit als möglich wieder zusammen und schickt diesen anonym Leskov nach Sankt Petersburg. Perlmann, der die 5 Wochen Seminarzeit im malerischen Italien damit nur knapp überlebt hat, möchte seine Professur in Frankfurt niederlegen und ein Leben als einfacher Übersetzer in Italien weiterführen, kann sich am Ende jedoch nicht dazu durchringen. Das Buch endet mit der lakonischen Feststellung, dass nichts geschehen war, als Perlmann zum Schluss seine Universität wieder betritt.

Bewertung

Obgleich Mercier sich ein interessantes Genre für seinen Roman ausgesucht hat und durchaus auch über die nötige sprachliche Mächtigkeit verfügt, um diesen psychologisierenden und kriminalisierenden Gelehrtenroman nicht langweilig werden zu lassen, mangelt es dem Roman jedoch an der notwendigen Spannung und dem notwendigen Einfallsreichtum. Das persönliche Scheitern eines Gelehrten, der nichts mehr zu sagen hat, ist durchaus noch nachvollziehbar, aber Mercier hat es hier nicht geschafft, dieses Scheitern glaubhaft zu machen. Die Psychologisierungen wirken oft einfach fade, die gelehrten Teile des Romans wirken aufgesetzt. Der Versuch, einen Zauberberg der Morderne zu schreiben, ist Mercier gründlich missglückt.