Republik der Wichtigtuer

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Republik der Wichtigtuer
Autor(en): Tissy Bruns
Herausgeber:
Erscheinungsort: Freiburg
Verlag: Herder
Serie:
Erscheinungsjahr: 2007
Seitenanzahl: 224 Seiten
Originaltitel: -
Originalsprache: Deutsch
ISBN-10: 3451287153
ISBN-13/

EAN-Code:

978-3451287152
Schlagwörter: Medien, Journalismus, Berliner Republik
Sachgebiete: Sachbuch
Rezensionen

Tissy Bruns, von 1999 bis 2003 Vorsitzende der Bundespressekonferenz und Leiterin des Parlamentsbüros des Tagesspiegels, analysiert in ihrem Sachbuch Republik der Wichtigtuer, wie sich die Medienberichterstattung der Presse und des Rundfunks seit dem Umzug der Regierung von Bonn nach Berlin gewandelt hat. Tissy Bruns attestiert dabei, dass sich die Medienberichterstattung in „Berlin Mitte“ zunehmend nur noch um sich selbst dreht und dass dort gar eine „Manege der Eitelkeiten“ (56) entstanden sei, der die Distanz der Regierenden von den Regierten deutlich vergrößert habe, obwohl doch alle Beteiligten mit dem Umzug der Regierung nach Berlin geglaubt hatten, hier eher noch als in Bonn eine Koppelung mit den sozialen Wirklichkeiten in diesem Land herzustellen.

Dass das Getöse der Medienberichterstattung auch immer lauter geworden sei, macht Bruns etwa alleine an der Anzahl der zur Bundespressekonferenz zugelassenen Journalisten fest. Gab es 1990 lediglich 19 Mitglieder mit einem Durchschnittsalter von 49 Jahren, so gab es im Jahr 2000 bereits 134 Mitglieder mit einem Durchschnittsalter von 39 Jahren. (14) Dies habe laut Bruns auch zu einem Statusverlust der Journalisten geführt, die nun noch besser durch die Nähe zur Macht zu kontrollieren seien. Bruns widmet daher dem „Hintergrundgespräch“ gleich ein eigens Kapitel, wobei sie den Einfluss der „Strippenzieher und Hintermänner“ allerdings nicht so ausgeprägt sieht wie es die gleichnamige NDR-Dokumentation von 2006 glauben lassen möchte. (41ff)

Bruns sieht in der neuen Medienrepublik Berlin auch noch eine weitere Macht wirken, namentlich die der Berater. (50ff) Die Berater haben aus Ihrer Sicht vor allem einen neuen, in sich abgeschlossenen Machtklüngel erschaffen; kritisch sieht sie auch die Personalisierung der Politik, die vor allem auch durch die Wahlkampfkampagne der SPD im Jahr 2002 perfektioniert worden sei. Nicht umsonst gelte Schröder als der erste Medienkanzler.

Auch im Onlinebereich sieht Bruns letztlich keine neue Kraft wirken, die Branche sei zu sehr mit sich selbst beschäftigt und habe gar einen neuen „Digi-Sprech“ (99) entwickelt, wie er etwa auf den RE:Publica-Konferenzen ablesbar sei. Dort polemisiere man zwar gegen die „Holzmedien“ (99), womit die Printmedeien gemeint seien, wirklich neue Impulse setze man dort aber nicht, während die Medienkrise, also der Verlust von Zeitungs- und Zeitschriftenabonnenten munter weiter gehe. Tissy Bruns sieht das auch als eine Folge davon, dass die Berichterstattung über Politik in unzähligen Talk-Shows und auf unzähligen Kanälen und Formaten zum reinen Konsumgut verkommen sei. (119)

Bruns hat am Ende auch kein Patentrezept um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, plädiert jedoch für „Demut“ und dem Eingeständnis der Begrenztheit der öffentliche Rolle der Journalisten (213), die zwar immer mehr Kanäle zur Verfügung hätten, um etwas zu sagen, aber immer weniger wirklich Wichtiges tatsächlich sagen würden.

Bewertung: Tissy Bruns' Versuch, eine fundierte Kritik der Medienbranche zu schreiben, ist nicht wirklich geglückt. Zwar ist das Buch an den Stellen spannend, wo Frau Bruns aus dem inneren Kreis der Medienberichterstattung zu erzählen weiß, aber Ihre Kritikpunkte bleiben letztendlich doch sehr vage, ihr Ratschläge, was sich ändern sollte oder muss, sind nur schemenhaft zu erkennen. Frau Bruns hätte sich mit der Beschreibung des inneren Zustandes der Medienbranche in Berlin-Mitte zufrieden geben sollen.

Denis Diderot 15:09, 22. Apr 2009 (CEST)

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