Smarte neue Welt. Digitale Technik und die Freiheit des Menschen

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Smarte neue Welt. Digitale Technik und die Freiheit des Menschen
Autor(en): Evgeny Morozov
Herausgeber:
Erscheinungsort: München
Verlag: Karl Blessing Verlag
Serie:
Erscheinungsjahr: 2013
Seitenanzahl: 656 Seiten
Originaltitel: To Save Everything, Click Here
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3896674765
ISBN-13/

EAN-Code:

978-3896674760
Schlagwörter: Digitale Technik, Kulturkritik
Sachgebiete: Kulturkritik
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Evgeny Morozov beschreibt in seinem Buch Smarte neue Welt die aus seiner Sicht immer stärker vorherrschenden neuen Ideologien, die sich aus einer technikgläubigen Grundhaltung der Digitalisierung ergeben haben. So sieht er zum einen einen Solutionismus als vorherrschenden Lösungsansatz am Werk, wenn es darum geht, eine Lösung für eine Aufgabe oder ein Problem zu finden, der zudem immer häufiger durch einen Internetzentrismus noch verstärkt werde.

Der Begriff des Solutionismus kommt eigentlich aus der Architekturdebatte und beschreibt dabei eine ungesunde Fixierung auf Lösungen, ohne die eigentlichen Ursachen für ein Problem zu kennen oder zu analysieren. Morozov glaubt, dass unsere Gesellschaft gerade in einer solchen Phase der ungesunden Fixierung auf digitale Lösungen sei. Gebe es ein Problem mit der Bildung', so verfiele unsere Gesellschaft sogleich darauf, Bildung durch das Internet oder über eine Digitalisierung im besten Fall verbessern zu wollen, im schlechtesten Fall jedoch ersetzen zu wollen. Morozov erinnert jedoch an das Diktum der Philosophieprofessorin Pamela Hieronymi, dass es bei Bildung nicht darum ginge, Informationen bzw. Fakten weiterzugeben, was man vielleicht über das Internet tatsächlich effizienter tun könne, sondern die Fähigkeit zu vermitteln, Informationen und Fakten nutzen zu können. (30)

Außerdem warnt Morozov davor, das Internet als gottgegeben zu begreifen. Morozov glaubt sogar, dass viele Menschen das Internet mittlerweile als Religion betrachten würde. (52) Funktioniert etwas im Internet gut (z.B. Kickstarter im Bereich der Kunst, S. 57) würden die Vertreter der neuen digitale Religion sogleich glauben, dass alle etablierten Mechanismen zur Finanzierung von Kunst abgeschafft gehörten. Dass es jedoch auch Sinn macht, Kunst und Kultur über etablierte Kunst- und Kulturförderungen zu finanzieren, gehe in den Debatten dabei unter. Eine dezentrale Kunstförderung habe durchaus die Tendenz z.B. populäre gegenüber weniger populären Themen zu bevorzugen. Offenheit und Beteiligung sei nicht für jeden Bereich von Vorteil und die Wikipedia, die als Blaupause für diese Art von Solutionismus herhalten müsse, sei keinesfalls von weniger Bürokratie geprägt. (61 ff.)

Gegen die Theorien etwa von Weinberger glaubt Morozov , dass das Internet nicht die Art und Weise verändert habe, wie Wissen produziert werde, sondern Morozov sieht das Internet als Ergebnis von vernetztem Wissen, nicht als dessen Ursache. Für Morozov ist eine solche Denkweise eine Art von Vulgär-McLuhanismus (74 ff). Auch die Ansicht, das Internet würde Rebellionen und Widerstand etwa im sogenannten Arabischen Frühling hervorbringen, spricht sicht Morozov vehemt aus, denn schließlich könne nicht nur die Opposition das Internet nützen. Das Internet sei genauso gut von den herrschenden Klassen, egal in welchen Land, nutzbar. Für Morozov ist dieses Erklärungsmuster, das Internet würde Offenheit, Freiheit und Demokratie befördern, der Kern des Problems des internetzentristischen Solutionismus. (84) So kämen die Verfechter des Internetzentrismus schließlich sogar auf die pseudoreligiöse Einsicht, das Internet sei eine Art Höhepunkt der Geschichte (85) und Morozov weist darauf hin, dass es ähnlich utopistische Denkweisen durch die Einführung der Elektrizität im 19. Jahrhundert gegeben habe. Am Ende stehe hinter diesen historischen Denkweisen immer wieder der Glaube, dass die Technik nicht das Ergebnis einer geschichtlichen Entwicklung sei, sondern der Auslöser wie etwa auch in Eisensteins Theorie zur Erfindung des Buchdrucks, die der Vorläufer für diese Art der Technik-Theorie sei. (100)

Morozov plädiert daher dafür, den Mythos des Internets wie den des vermeintlichen Telegrafen-, Radio-, Plastik-, Nuklear- oder Fernsehzeitalters zu entlarven (589) und in ein Post-Internetzeitalter einzutreten, in dem nicht die Lösung im Vordergrund stehe, sondern die Analyse des Problems.


Denis Diderot 13:29, 2. Feb 2014 (CET)

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