Soziologie ist ein Kampfsport. Pierre Bourdieu im Portrait (OmU)

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Soziologie ist ein Kampfsport. Pierre Bourdieu im Portrait (OmU)
Autor(en): Pierre Carles
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: absolut Medien GmbH und Suhrkamp Verlag
Serie:
Erscheinungsjahr: 2008/ 2009
Seitenanzahl: 140 min. Seiten
Originaltitel: -
Originalsprache: Französisch (Mono)
ISBN-10: 3898488837
ISBN-13/

EAN-Code:

Schlagwörter: Soziologie
Sachgebiete: Film
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Der Filmer Pierre Carles, der bisher mit provokanten Filmen wie Pas vu Pas ris bekannt geworden war, zeigt in seinem Filmporträt von 2001, das erst 2008 und 2009 in Deutschland verlegt worden ist, den Kultursoziologen Pierre Bourdieu, der vor allem mit seinem Konzept vom Habitus und seinem Buch Die feinen Unterschiede berühmt geworden ist, aber auch als Mitbegründer von attac eine enrome Medienpräsenz entfaltet hatte.

In dem Film wird Pierre Bourdieu vor allem in rastloser Ausübung seines Berufes als Soziologe gezeigt. Man sieht und hört Bourdieu in Vorlesungen, auf Kongressen, in Fernsehinterviews und einfach unterwegs z.B. auf Demonstrationen. Dabei erläutert Bourdieu auf sehr anschauliche Weise sein soziologisches Konzept, das verborgene Strukturen und Kräfte, vornehmlich der Herrschaft aufzeigen kann und will und auch gerade unser Verhalten im Alltag aufzeigt, das von habituellen Gesten und Selbstverständlichkeiten geprägt ist. Höhepunkt ist dabei sicherlich sein Auftritt im Kulturzentrum des Problemviertels Val Fourré, in dem er von den vornehmlich migrantischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen als Vertreter des Establishments angegriffen wird, der nur reden würde. Pierre Bourdieu versucht in aller Ruhe und mit vielen Beispielen seinen Zuhörern klarzumachen, dass ihr Antiintellektualismus, den sie aus Protest zur Schau stellen, genau jene Herrschaftsformen festschreiben, die ihnen so zu schaffen machen. Am Ende hat man ein sehr gutes Bild davon gewonnen, was Bourdieu damit meinte, als er die Soziologie am Anfang des Filmes als Kampfsport beschrieb. Denn die Form von Aufklärung, die Bourdieu versucht hatte, zu betreiben, war in der Tat voller kämpferischer Mühen und Anstrengungen.

Fazit: Der Film ist ein intellektueller Hochgenuss und der Zuschauer hat das Gefühl, Bourdieu hautnah in Ausübung seiner Berufung als Soziologe zu begleiten und ganz nebenbei sein Theoriegebäude in Ansätzen zu verstehen. Absolut empfehlenswert!

Denis Diderot 21:23, 30. Mär 2010 (CEST)

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