Technolution. Wie unsere Zukunft sich entwickelt

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Technolution. Wie unsere Zukunft sich entwickelt
Autor(en): Matthias Horx
Herausgeber:
Erscheinungsort: Frankfurt, New York
Verlag: Campus
Serie:
Erscheinungsjahr: 2008
Seitenanzahl: 278 Seiten
Originaltitel: -
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3593385554
ISBN-13/

EAN-Code:

978-3593385556
Schlagwörter: Technik, Technikgeschichte, Zukunftsforschung
Sachgebiete: Zukunftsforschung
Rezensionen

Das journalistisch verfasste Buch des bekannten Zukunftsforschers Matthias Horx Technolution ist ein Beitrag zur Zukunftsforschung der Technik und der Versuch, die Zukunft der Technik im Rahmen der menschlichen Entwicklung zu fassen. Grundthese des Buches ist es, dass sich Technik nicht aus sich selbst heraus entwickelt, sondern nur im Rahmen einer allgemeinen kulturellen und sozialen Entwicklung der Menschheit verständnlich wird, sich Technik also genauso wie der Mensch "evolutioniert". Das Buch gliedert sich in 4 Teile.

Teil 1 beschäftigt sich mit den vielfältig mißglückten Vorhersagen über technische Weiterentwicklungen und mit den in Folge dieser falschen Vorhersagen gescheiterten Innovationen. So hielt man etwa um 1900 das Luftschiff (den Zeppelin) für die Zukunft des Fliegens, obwohl sich das wesentlich unflexiblere Flugzeug durchsetze. Auch das Bildtelefon oder das Telelearning konnte sich nicht durchsetzen, weil, so Horx, diese Innovationen die biologische Bedürfnisse des Menschen nicht genügend berücksichtigten.

Denn Mensch und Maschine ko-evolutionieren nach Horx und daher beschreibt Horx im 2. Teil diese von ihm "Technolution" getaufte Entwicklung. Bestes Beispiel ist für Horx China im 15. Jahrhundert, das seinen überlegenen Schiffbau einstellte, damit die meritokratische Beamtenkaste weiter ohne einen Einfluss von außen weiterregieren konnte (104). Auch die Beharrungskraft alter Technologien greift häufig in den evolutionären Prozess ein und verhindert so die Durchsetzung neuer, an sich überlegener Weiterentwicklungen wie das Druckluftauto, die Eiskonservierungstechnologie zur Einsparung von Primärenergien oder neuer, aerodynamischer Flugkörper. Horx macht diese Technolution u.a. am Auto und seiner immer breiter werdenden Bereifung deutlich. Breite Bereifung ist das Resultat immer höherer PS-Zahlen, die wiederum als Ausdruck von Männlichkeit wahrgenommen werden. Das Auto und seine Reifen sind als Statussymbole. Auch unsere Wahrnehmung, dass sich die technische Entwicklungen immer schneller weiterentwickeln ist nach Horx so nicht richtig. Einen ersten Hinweis auf diese irrtümliche Annahme bietet ein Blick in die Geschichte, da die Wahrnehmung "rasender technischer" Entwicklung keineswegs neu ist und es geradezu schon eine Geschichte der Technikeuphorien (128) gibt, wobei sich als Dauerbrenner die Verbrüderung der Menschheit durch Technologie (130) und die vermeintliche Halbwertszeit des Wissens sowie die Verdopplung von Wissen in immer kürzerer Zeit herausstellt. (127) Auch lässt Horx die modernen Mythen des Internets nicht gelten, das sich nicht selten als schnellstes Medium überhaupt verstanden wissen will. Aber z.B. gegen das Radio hat sich das Internet relativ langsam erst durchgesetzt und bedarf einer viel höheren Medienkompetenz als das Radio. (132). Horx konstatiert schließlich eine Idealkurve des technisch-sozialen Zyklus (150), das nach einer Einführungsphase, eine Elite-Nutzung kennt, aud die eine Adaptionskrise folgt, um sich dann im Massenmarkt erst etablieren zu können.

Im 3. Teil des Buches versucht Horx die kurzfristigen Entwicklungen der technologischen Zukunft aufzuzeiogen. So sieht Horx z.B. für die Resilient Tech eine große Zukunft. Unter Resilient Tech versteht man haltbarere Technik, die auch das Ursprungsversprechen von Technik nach Autonomie einlöst (190). Als Beispiel führt Horx durch eine Handkurbel aufladbare Taschenlampen und Radios an. Auch in der Bionik-Tech sieht Horx eine große Zukunft, da sie biologische Vorbilder versucht technisch nachzuahmen, etwa einen Wahl für den Beluga-Zeppelin. Horx glaubt, dass sich Technik am besten in einer geführten Evolution weiterentwickeln wird.

In einem letzten 4. Teil wagt Horx den Blick in die ferne Zukunft von Technik und Menschheit. Auf der Grundlage heute schon verfügbarer Technik (Nano, Bio, Info und Cogno) sieht Horx zwei sich entfaltende Stränge von molekularer Beeinflussung der Wirklichkeit (Moleculeering) und Geistesbeinflussung und -veränderung des Menschen (Mind-Engeneering). Daraus erwächst nach Horx ggf. der neue gemorphte Mensch, der den Aufbruch ins All vornehmen kann oder sich in virtuelle Realitäten aufmachen wird und praktisch nur noch darin existiert. Am Ende dieser "logischen Pyramider der Zukunfstechnologien" (232) steht nach Horx die Omega-Tech mit einer Quanten-Transzendenz, also einer möglichen Auflösung von Materie in reinen Geist. Gott liegt mit Teilhard de Chardin gesprochen (235) damit am Ende der Schöpfungsgeschichte und nicht an deren Anfang. Horx glaubt dabei, dass die technologische Entwicklung jedoch immer menschlich bleiben wird, sich also quasi gegen der ihr immanenten kalten Form entgegensetzen wird und zu einem "sanften Sozialismus" 241) führen könnte, einer Technostase. Auch glaubt Horx, dass Technik letzten Endes nicht zu einer Entfremdung führen wird, weil sie grundsätzlich an die Entwicklung des Menschen evolutionär gebunden bleibt. (245)


Denis Diderot 10:19, 1. Nov 2008 (CET)

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