Tief im Hirn

Aus Bookpedia

Wechseln zu: Navigation, Suche
Daten zum Buch
Deutscher Titel: Tief im Hirn
Autor(en): Dubiel, Helmut
Herausgeber: {{{HERAUS}}}
Erscheinungsort: München
Verlag: Kunstmann
Serie: Serie
Erscheinungsjahr: Erscheinungsjahr
Seitenanzahl: Seitenanzahl Seiten
Originaltitel: {{{OT}}}
Originalsprache: Originalsprache
ISBN-10: 3-88897-451-8
ISBN-13/

EAN-Code:

{{{ISBN13}}}
Schlagwörter: Parkinson-Krankheit, Lebenskrise, Erlebnisbericht
Sachgebiete: {{{SACH}}}
Rezensionen
  • URLs zu vorliegenden Rezensionen

Der Soziologe Helmut Dubiel schildert in seinem sehr präzise geschilderten Erlebnisbericht das eigene Erkennen, Erleben und den Umgang mit der Krankheit Parkinson, an der Dubiel seit Anfang der 90er Jahre leidet. Zudem beschreibt Dubiel in aller Einzelheit den an ihm vorgenommenen medizinischen Eingriff der tiefen Hirnstimulation, der ihn zu einem Skeptizismus über den technisch-medizinischen Fortschritt führt.

Dubiel schildert zunächst die inneren Widerstände, die er als Geisteswissenschaftler hatte, sich die eigene Krankheit des Kopfes einzugestehen. Aber auch die Probleme, die selbst eingestandene Krankheit anderen Menschen zu offenbaren, ist ein großes Thema seines Erlebnisberichts. Erst im Versagen vor der großen Aufgabe, sich als Direktor des Frankfurter Institut für Sozialforschung mit einer glänzenden Rede zu bewerben, erlebt Dubiel letztendlich die Befreiung, die ihn die Krankheit akzeptieren lässt. Vor allem in Amerika findet Dubiel seine Befreiung als "kranker Professor", da er hier zwar in einem Klima der Offenheit gegenüber Behinderung seine Krankheit zugeben kann, von ihm aber trotzdem 100%-ige Leistung erwartet wird.

Dann schildert Dubiel den an ihm vorgenommenen medizinischen Eingriff der tiefen Hirnstimulation, bei dem eine Sonde in den Kopf eingeführt wird, um die äußeren Merkmale einer Parkinson-Krankheit zu unterbinden. Dubiel kann zwar in der Folge des Eingriffs wieder gut gehen und seine motorischen Fähigkeiten scheinen wieder hergestellt, der Eingriff hat bei ihm jedoch zu erheblichen depressiven Veränderungen des Wesens geführt und die Sonde beeinträchtigt sein Sprach- und somit sein Denkvermögen. Dubiel begreift, dass er die Cholera mit der Pest getauscht hat, was er jedoch den Ärzten nicht klar machen kann, die ihn für undankbar halten. Erst mit Hilfe einer Neurologin beginnt er an den Einstellungen der Sonde zu experimentieren und findet 2 "Einstellungen" der Sonde, mit der einen Einstellung kann Dubiel gut reden und denken, mit der anderen kann er sich gut bewegen. Dubiel lässt sich einen Schalter einbauen, um zwischen den beiden Zuständen selbstständig wechseln zu können.

Aus dieser Erfahrung eines sehr weitgehenden technisch-medizinischen Eingriffs "tief ins Hirn" leitet Dubiel einige philosophische Erkenntnisse ab. Vor allem entwickelt er aus seinen Erfahrungen heraus einen tiefgreifenden Skeptizismus gegenüber der medizinischen Beherrschbarkeit von Krankheiten und betont, dass die Komplexität der Gerätemedizin im Prinzip gar nicht absehbar ist. Zudem erkennt Dubiel in der prinzipiellen Manipulationsfähigkeit des Hirns auch eine noch viel weitergehende Gefahr, weil in ihr der Kern totaler sozialer und menschlicher Kontrolle steckt, die den Protagonisten dieser medizinischen Entwicklungen nicht auch nur im Ansatz bewusst sind.

Dieser Eintrag wurde erstellt von: Denis Diderot 22:22, 15. Nov 2006 (CET)

Persönliche Werkzeuge