Was würde Google tun? Wie man von den Erfolgsstrategien des Internet-Giganten profitiert

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Was würde Google tun? Wie man von den Erfolgsstrategien des Internet-Giganten profitiert
Autor(en): Jeff Jarvis
Herausgeber:
Erscheinungsort: München
Verlag: Heyne Verlag
Serie:
Erscheinungsjahr: 2009
Seitenanzahl: 416 Seiten
Originaltitel: -
Originalsprache: Deutsch
ISBN-10: 3453155378
ISBN-13/

EAN-Code:

978-3453155374
Schlagwörter: Google,
Sachgebiete: Sachbuch
Rezensionen

Jeff Jarvis stellt in seinem Buch in einem 1. Teil die Erfolgsstrategien von Google als sogenannte "Google-Regeln" vor, die seiner Meinung nach zum kometenhaften Aufstieg des Suchmaschinengiganten beigetragen haben. Daraus leitet Jrvis die 9 Gebote für eine erfolgreiche Unternehmensführung ab. In einem 2. Teil fragt sich Jarvis wie die Welt denn aussehen würde, wenn sich viele Unternehmen und Branchen so wie Google verhalten würden.

Zunächst hebt Jarvis die "neuen Beziehungen" hervor, die erfolgreiche Internetunternehmen mit ihren Kunden haben. Der Kunde wird als Ratgeber betrachtet. Zugleich erwirken diese neue Beziehungen aber auch "neue Strukturen". In diesen können durch die Offenheit der Unternehmen ihren Kunden gegenüber schnell und einfach Skalen- und Netzwerkeffekte eintreten, aber es muss auch nicht mehr der Massenmarkt im Fokus stehen, sondern es reicht vollkommen aus, Nischenmärkte zu bedienen, das aber richtig. Jarvis empfiehlt hier Unternehmen das zu tun, was sie am besten können (50) und macht klar, dass Google auf diese vor allem durch die Digitalisierung sich ändernden Bedingungen in Reinform richtig reagiert hat. Google habe sich zunächst genau auf das konzentriert, was es am besten beherrscht, nämlich die Suche, habe dann in Kunden und nicht in Geld investiert und durch die Werbung an den Suchtreffern in einem offenen System von den Skaleneffekten profitiert. Jarvis sieht in diesen neuen Unternehmenskulturen, wozu er auch Facebook und Craigslist hinzuzählt, durchaus eine "neue Weltordnung" (95) heraufziehen, in der eine neue Gesellschaft entsteht, in der es keine Zentralisierung mehr gibt, die Massenmärkte den Nischen weichen müssen und die Vermittler wie Makler, Autoverkäufer und "Bürokraten im Auftrag der Regierung" (130) dank der Technik immer weniger zu tun haben.

Die 9 Gebote (186 ff) von Jarvis fassen schließlich seine Empfehlungen noch einnmal zusammen. Unternehmen sollen einfache Produkte und Lösungen anbieten, die sich nicht über die Marke, sondern über ihre Nützlichkeit auszeichnen, so wie es Google mit seiner Suche gemacht hat. Nach Jarvis ist "Google Weltanschauung" (201) vor allem die Nützlichkeit, seine Suchmaschine die leistungsstärkste Einzelanwendung der Welt. (197)

Wenn sich die Medien (208 ff) an die Google-Regeln halten würde, würden sie nicht mehr Content, sondern Links verkaufen und zudem ihre Druckmaschinen endlich abschalten, weil Materie Ballast (212) ist, den die Digitalität nicht benötigt. Außerdem sollen die Medien die Kontrolle über die Produktion der Medien abgeben, indem sie mit ihren Nutzern kooperieren (216), da die Masse weise ist. Das Internet werde, so Jarvis, vor allem auch bei den Zeitungen aufräumen und die dort herrschende Ineffizienz beseitigen, dort würden Inhalte einfach zu ineffizient entstehen (218). Auch das Fernsehen könne heutzutage auch "zu Hause" (224) produziert werden. An dieser Stelle redet Jarvis einer Entprofessionalisierung das Wort. Auch an der Buchbranche hat Jarvis viel zu kritisieren, er sieht hier vor allem die Buchbranche als ein "kultureller Türsteher", eine Rolle, die die Buchbranche nicht halten wird. Jarvis empfiehlt auch der Buchbranche den Weg der Digitalisierung und mit Kevin Kelly der digitalen Verknüpfung (233) und der Finanzierung durch Werbung. (238)

Jarvis glaubt darüber hinaus, dass man die Google-Regeln in fast jeder Branche (außer der PR-Branche und bei den Juristen, da es hier keine Transparenz geben kann) einsetzen kann. So könnte man so sogar ein Restaurant oder einen Weinladen führen. Nutzer würden alles kommentieren können, würden sehen, was wie oft gegessen und gekauft wurde und könnten sich in Communities rund um die Produkte organisieren, um sie zu diskutieren und zu verbessern. Jarvis glaubt sogar, dass wir am Ende durch eine Googlesierung der Medizin mehr gewinnen als verlieren. Zwar ist es oft nicht gut, seine Krankheiten offen ins Internet zu stellen, aber so könnte doch am Ende auch schnell Hilfe und Beistand gefunden werden.

Jarvis lässt nur eine wirklich erfolgreiche Ausnahme im Gegensatz zu Google zu: Apple. Apple sei geradezu durch die gegenteilige Strategie erfolgreich geworden, weil Apple eben Kult sei und sich das erlauben dürfe. (380)

Bewertung: Jarvis kommt das Verdienst zu, versucht zu haben, den Erfolg von Google zu beschreiben. Insofern ist sein Buch wichtig und lesenswert. Das Buch strotzt jedoch nur so von einem kritiklosen Umgang mit Google. Die Behauptung, man könne nur durch radikale Digitalisierungsstrategie, Kooperation und Offenheit erfolgreich sein, bleibt unbewiesen. Richtig ergärlich wird es gar dort, wo Jarvis alle anderen Unternehmen und Organisationen, die so nicht arbeiten wollen oder können, geradezu lächerlich macht, Jarvis schreibt: "Wo Gore Steuern und Gesetze fordert, setzt das Google-Team auf Erfindungsgeist und Innovation." (274) So einfach kann und darf man es sich nicht machen. Ein Gegenargument sollte man Jarvis auch einmal klar machen, denn wenn sich alle Unternehmen plötzlich so verhalten würden wie Google, wären diese Strategien genau nicht mehr erfolgreich, um sich von seinen Konkurrenten positiv abheben zu können. Und dass dadurch gleich eine neue Gesellschaftsordnung entsteht, ist eine enorme Behauptung, für die Jarvis jeglichen Beweis schuldig bleibt.

Denis Diderot 00:37, 21. Mär 2010 (CET)

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