Wer bin ich - und wenn ja wie viele? Eine philosophische Reise

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Wer bin ich - und wenn ja wie viele? Eine philosophische Reise
Autor(en): Richard David Precht
Herausgeber:
Erscheinungsort: München
Verlag: Goldmann
Serie:
Erscheinungsjahr: 2008
Seitenanzahl: 397 Seiten
Originaltitel: -
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3442311438
ISBN-13/

EAN-Code:

978-3442311439
Schlagwörter: Philosophiegeschichte
Sachgebiete: Philosophiegeschichte
Rezensionen

Richard David Prechts Buch Wer bin ich - und wenn ja wie viele? Eine philosophische Reise ist eine journalistisch verfasste Philosophiegeschichte mit teils biographischem Zugang, der an Wilhelm Weichschedels Philosophische Hintertreppe erinnert. Der studierte Philosoph und Journalist Precht hat dabei den Versuch unternommen, Philosophiegeschichte in einem verständlichen Ton zu verfassen und mit den neuesten Erkenntnissen der Hirnforschung, die nach Prechts Meinung in der Universitätsphilosophie zu kurz kommen, zu verbinden.

Die Aufteilung des Buches orientiert sich dabei an Kants großen Fragen der Menschheit: "Was kann ich wissen?", "Was soll ich tun?", "Was darf ich hoffen?" und "Was ist der Mensch?". (15) Der letzen Frage hat Precht keinen eigenen Abschnitt gewidmet, da Precht mit den ersten drei Fragen eigentlich die letzte Frage beantwortet sieht.

Im 1. Abschnitt "Was kann ich wissen?" stellt Precht die modernen Erkenntnisse der "naturwissenschaftlichen" Hirnforschung den philosophiegeschichtlichen Antworten von Nietzsche, Descartes, Freund und Wittgenstein gegenüber. Die vorurteilsfreie Hirnforschung ersetzt nach Precht die auf die Methode der Selbstbeobachtung gestützte Philosophie und erkennt dabei, dass sich Denken und Fühlen jeweils eindeutigen Gehirnregionen zuordnen lässt, in denen das "Ich" sitzt. (59) Zudem glaubt Precht, dass die Hirnforschung heute beweisen kann, wo das Unbewusste im Gehirn sitzt, das uns beherrscht. (91) Die Sprache, die zu einem wesentlichen Teil das Erinnern und damit unser Menschsein konstituiert, sieht Precht gegen Wittgenstein eben gerade nicht als formale Logik an, sondern als eine ungenaue, formbare Verständigungsmöglichkeit von Menschen. Letztlich vertritt Precht die These, dass man sich von der Vorstellung verabschieden müsse, mit Hilfe von Denken und Sprache die Wirklichkeit des Menschen verstehen zu können. (119)

Im 2. Abschnitt "Was soll ich tun?" wechselt Precht zur praktischen Philsophie, in der Precht zunächst gegen Rousseau argumentiert, dass der Mensch sowohl notwendigerweise ein soziales Wesen sei und seine Mitmenschen braucht. Auch glaubt Precht in der Evolution ablesen zu können, dass Gut-Sein ein Selektionsvorteil für den einzelnen Menschen bedeute. Nach einer Einführung in den Utilitarismus, behandelt Precht schließlich die Fragen, ob man unter extremen Bedinungen Menschen töte dürfe, ob Abtreibung moralisch oder unmoralisch sei, ob man Sterbehilfe leisten dürfe, ob man aus moralischen Gründen Vegetarier werden müsse und ob das Klonen von Menschen richtig sei. Precht vertritt hier in praktisch allen Fragen eine liberale Haltung, die er aus einem aubgewogenen Utilitarismus begründet, der freilich seine Grenzen haben müsse.

Im 3. und letzten Abschnitt "Was darf ich hoffen?" führt Precht zu nächst in die Tradition der Gottesbeweise ein, die Precht aber für den menschlichen Geist eigentlich für nicht beantwortbar hält. Die Frage danach, ob wir in einer Darwinschen Evolution uns fortentwickelt haben oder Gottes Geschöpf im Zuge des Intelligent Design entstanden ist. Zwar lässt Precht hier auch keine reine Ursache-Wirkung als Erklärung zu und sieht stattdessen Selbstorganisation als Erklärungsmodell, verweist jedoch die Vorstellung, dass unsere Welt durch eine mächtige, große Hand wohlgeordnet sei, in das Reich der Legenden.


Denis Diderot 21:36, 1. Okt 2008 (CEST)

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