Ralf Dahrendorf (1929–2009), in Hamburg geboren, deutsch-britischer Soziologe und Liberaler, hat gefragt, was der Demokratie in Deutschland im Weg stand. Gesellschaft und Demokratie in Deutschland von 1965 wurde Zeitdiagnose und Zumutung für die junge Bundesrepublik: Konflikt als Chance, nicht als Zerfall.
Leben
Der Sohn des SPD-Abgeordneten Gustav Dahrendorf, der 1933 gegen das Ermächtigungsgesetz stimmte, schrieb als Vierzehnjähriger Flugblätter; nach der Verhaftung des Vaters 1944 kam der Junge ins Arbeitserziehungslager bei Schwetig. Philosophie in Hamburg, Soziologie an der London School of Economics bei Karl Popper, Lehrstühle in Hamburg, Tübingen, Konstanz. Der Umweg ist 1965: Wer den Nationalsozialismus als unbeabsichtigte Modernisierung las, wurde zum liberalen Lehrer der Republik, dann zum Abgeordneten der FDP, Kommissar in Brüssel, Direktor der London School of Economics und Mitglied des britischen Oberhauses. Er starb in Köln.
Wirkung
Dahrendorf hat Streit nicht für Krankheit gehalten, sondern für die Bedingung der Freiheit. Vier Maße – Bürgerrechte, geregelter Konflikt, eine in sich differenzierte Führungsschicht, öffentliche Tugenden vor bloß privaten – erklären, warum Deutschland quasifeudal blieb und der Nationalsozialismus Bindungen zerbrach, die Weimar nicht gelöst hatte. Die These von der Modernität wider Willen bleibt anstößig; neuere Forschung hat die soziale Umwälzung durch den Terror geringer veranschlagt, als er tat.
Kanonisiert wurde der Liberale, der mit Rudi Dutschke stritt und Bildung als Bürgerrecht ausgab. Wer ihn nur als Parteimann liest, unterschlägt das Buch, das die Sozialgeschichte der sechziger Jahre fütterte. Wer nur die Soziologie rettet, unterschlägt, dass er den Streit in die Partei und nach Brüssel trug. Jürgen Habermas schrieb 1965, Dahrendorf hege keine Illusionen und nähre keine.
Werke
In Auswahl außerdem: Homo Sociologicus, Bildung ist Bürgerrecht, Der moderne soziale Konflikt.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.