Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen |
| Autor(en): | Jean-Jacques Rousseau |
| Originaltitel: | Discours sur l'origine et les fondements de l'inégalité parmi les hommes |
| Originalsprache: | französisch |
| Erstveröffentlichung: | 1755 |
| Schlagwörter: | Naturzustand, Eigentum, Ungleichheit, Zivilisation |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Philosophie |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Reclam |
| Serie: | Reclams Universal-Bibliothek |
| Umfang dieser Ausgabe: | 224 Seiten |
| ISBN: | 9783150017708 |
| Verweise | |
Die Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen ist die 1755 in Amsterdam bei Marc-Michel Rey erschienene Schrift von Jean-Jacques Rousseau, Bürger von Genf. Sie antwortet auf die Preisfrage der Akademie von Dijon, welches der Ursprung der Ungleichheit sei und ob das natürliche Gesetz sie rechtfertige. Den Preis erhielt Abbé Talbert; Rousseau hatte, wie Denis Diderot ahnte, das Thema in einer Monarchie zu kühn behandelt. Der Text heißt der zweite Diskurs, nach der Abhandlung über die Wissenschaften und die Künste. Moses Mendelssohn übersetzte ihn 1756 ins Deutsche. Er gehört zu den Gründungstexten der modernen Gesellschaftskritik.
Inhalt
Rousseau unterscheidet zwei Ungleichheiten: die natürliche oder physische – Alter, Gesundheit, Kräfte, Eigenschaften des Geistes – und die gesellschaftliche oder politische, die auf Übereinkunft beruht und in Privilegien besteht. Was naturgemäß sei, müsse man an dem ablesen, das sich normal verhält, nicht an dem Verdorbene, sagt das Motto aus Aristoteles’ Politik. Deshalb legt Rousseau die wissenschaftlichen Bücher beiseite, die den Menschen nur so zeigen, wie er sich selbst geschaffen hat, und sucht zwei der Vernunft vorausliegende Prinzipien: die Sorge um Selbsterhaltung und den natürlichen Widerwillen, ein fühlendes Wesen leiden zu sehen. Der Mensch im Naturzustand ist selten krank, unabhängig, weder gut noch böse, weil er keine moralischen Beziehungen kennt. Vom Tier unterscheidet ihn nicht zuerst der Verstand, sondern die Freiheit der Willenswahl und die Perfektibilität, die Fähigkeit, sich selbst zu befähigen. Voltaire spottete, noch nie sei so viel Geist aufgeboten worden, uns wieder zu Tieren zu machen.
Im zweiten Teil wird die Gesellschaftsgeschichte erzählt. Der erste, der ein Stück Land einzäunte und sagte, dies ist mein, und Leute fand, die ihm glaubten, war der wahre Gründer der bürgerlichen Gesellschaft. Wie viele Verbrechen und wie viel Elend hätte erspart, wer die Pfähle herausgerissen und zugerufen hätte, die Früchte gehören allen und die Erde niemandem. Eigentum, Metallbearbeitung, Ackerbau, öffentliche Achtung – wer am besten singt oder tanzt – sind die ersten Schritte zur Ungleichheit und zum Laster. Rousseau widerspricht Thomas Hobbes: Der Mensch ist von Natur nicht böse; nichts ist so sanft wie er in seinem ursprünglichen Zustand, durch Mitgefühl zurückgehalten, Schaden zuzufügen. Der Wilde lebt in sich selbst; der gesellschaftliche Mensch weiß nur, in der Meinung der anderen zu leben. Recht entsteht erst mit der politischen Gesellschaft; ein vorstaatliches Naturgesetz, das Herrschaft rechtfertigte, gibt es nicht.
Rousseau verneint die Frage, ob man die Gesellschaften zerstören und zu den Bären zurückkehren solle. Zurück zur Natur können wir nicht, weil Freiheit nur in der Gesellschaft wirklich wird; Eigentum und Herrschaft müssen durch Vertrag und Gesetze begrenzt werden. Hier zeigen sich die Umrisse des sieben Jahre späteren Vom Gesellschaftsvertrag. Am Ende steht die Antwort an die Akademie: Die Ungleichheit, im Naturzustand fast gleich null, wächst mit den Fähigkeiten und dem Geist und wird durch Eigentum und Gesetze dauerhaft. Gesellschaftliche Ungleichheit, die allein durch positives Recht legitimiert ist, steht jedes Mal im Gegensatz zum natürlichen Recht, wenn sie mit der physischen Ungleichheit nicht übereinstimmt. Der Ton ist hypothetisch, reich an Anmerkungen über Reiseberichte und Orang-Utans, und von einer Rhetorik, die den Zaun um das Land zum Sündenfall der Geschichte macht.
Einordnung
Viele Ideen des Diskurses hat die Französische Revolution in Rechte übersetzt: Der erste Artikel der Erklärung von 1789, dass die Menschen frei und an Rechten gleich geboren sind, klingt an Rousseau, näher noch an den ersten Satz des Gesellschaftsvertrags. John Rawls hat Rousseau den ersten bedeutenden Autor über die Übel sozialer Ungleichheit genannt. Die Formel vom guten Wilden greift zu kurz: Rousseau beschreibt Unabhängigkeit und Mitgefühl, nicht ein Paradies, und die Perfektibilität ist der Grund des Verderbens so gut wie der Freiheit. Hobbes’ Krieg aller gegen alle wird hier nicht durch den Leviathan beendet, sondern als Folge der Gesellschaft entlarvt, die ihn erst erzeugt.
Neben Vom Gesellschaftsvertrag und Karl Marx’ Kritik des Eigentums in den frühen Schriften steht der zweite Diskurs als Erzählung des Sündenfalls ohne Theologie. Wer Rousseau als Feind der Zivilisation liest, verfehlt die Weigerung, in die Wälder zurückzukehren. Wer ihn als bloßen Vorläufer des Vertrags liest, verfehlt die Landnahme, ohne die der Vertrag die Ungleichheit nur besiegelt. Die Abhandlung bleibt der Text, an dem sich zeigt, dass Gleichheit nicht der Natur abgeschaut, sondern gegen die Geschichte der Zäune behauptet werden muss.
Ideen
Dieses Buch hängt an diesen Zetteln.
Eigentum (wichtig) · Gleichheit (wichtig) · Natur (wichtig) · Zivilisation (wichtig)
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
