Abhandlung über die Wissenschaften und die Künste
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Abhandlung über die Wissenschaften und die Künste |
| Autor(en): | Jean-Jacques Rousseau |
| Originaltitel: | Discours sur les sciences et les arts |
| Originalsprache: | französisch |
| Erstveröffentlichung: | 1750 |
| Schlagwörter: | Sitten, Wissenschaft, Natur, Aufklärung |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Philosophie |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Reclam |
| Serie: | Reclams Universal-Bibliothek |
| Umfang dieser Ausgabe: | 216 Seiten |
| ISBN: | 9783150020470 |
| Verweise | |
Abhandlung über die Wissenschaften und die Künste (französisch Discours sur les sciences et les arts) ist die 1750 preisgekrönte Schrift von Jean-Jacques Rousseau auf die Frage der Akademie von Dijon, ob die Wiederherstellung der Wissenschaften und Künste zur Veredelung der Sitten beigetragen habe. Rousseau antwortete nein und wurde mit diesem Nein zum Schriftsteller. Die Frage las er auf dem Weg zu Diderot nach Vincennes und sah, wie er später sagte, eine andere Welt. Vierzehn Beiträge gingen ein; der seine trug ein Horazzitat auf dem Umschlag und gewann dreihundert Livres. Die Schrift zählt als erster Schlag gegen die Selbstgewissheit der Aufklärung, aus der Rousseau kommt und die er nicht verlässt.
Inhalt
Rousseau schreibt gegen den Stolz seines Jahrhunderts, das Renaissance, Akademien und höfische Verfeinerung für sittlichen Fortschritt hielt. Auf dem Weg zu Diderot nach Vincennes las er die Preisfrage und sah, wie er später sagte, eine andere Welt. Wissenschaften und Künste, die schönen wie die mechanischen, sind nicht die Natur, sondern deren Bearbeitung; sie haben den Menschen mit Höflichkeit überzogen, unter der Argwohn, Kälte, Hass und Verrat wohnen. Der gleichförmige Deckmantel der Umgangsformen täuscht Bewohner eines fernen Landstrichs über Europa. Athen glänzte in Rede und Marmor, Sparta hinterließ Taten; Rousseau fragt, welche Denkmäler man höher schätzen solle. Die Natur habe das Wissen verborgen wie eine Mutter eine gefährliche Waffe: Die Mühe, gelehrt zu werden, sei eine ihrer Wohltaten.
Der zweite Teil wird polemisch. Müßiggang und Luxus nähren die Talente; Tugend braucht sie nicht. Astronomie entspringe dem Aberglauben, Beredsamkeit dem Ehrgeiz, Physik der eitlen Neugier. Rousseau spart die Ausnahmen nicht ganz aus: Er kennt den Nutzen der Gesetze und den Glanz einzelner Geister, und er schreibt selbst eine gelehrte Abhandlung gegen die Gelehrsamkeit. Genau dieser Widerspruch ist eingebaut. Das Motto aus Horaz – wir werden durch den Anschein des Rechten getäuscht – und Ovids Satz, hier sei er ein Barbar, weil man ihn nicht verstehe, sichern den Text gegen den Vorwurf, er predige Unwissenheit als Programm. Er predige Unschuld, die das Wissen verloren habe.
Unsicher bleibt, ob Rousseau den Fortschritt verwirft oder nur seine sittliche Selbstfeier. Er gewann den Preis, Diderot ließ drucken, der unbekannte Autor wurde berühmt. Die Akademie krönte eine Anklage gegen das, wovon sie lebte. Der Ton ist rhetorisch, historisch springend, von einer Erregung, die Rousseau später als Verirrung und als Ursprung seines Werkes zugleich beschrieben hat. Die Abhandlung liefert Exempla statt einer Kulturgeschichte und eine Behauptung statt einer Moral: Verfeinerung und Verderbnis seien dasselbe Gewächs.
Einordnung
Rousseau hat die Abhandlung später mit dem Diskurs über die Ungleichheit und dem Émile oder Über die Erziehung zu einem untrennbaren Ganzen erklärt: drei Schläge gegen die Selbstgewissheit der Aufklärung, aus der er kommt. Vom Gesellschaftsvertrag wird die Freiheit politisch wenden, die hier sittlich verloren geht. Voltaire antwortete mit Spott und später mit Candide oder Der Optimismus auf eine andere Heilslehre; die Spannung zwischen beiden – Fortschritt der Künste gegen Verdacht gegen die Künste – ist die Spannung der Epoche. Kant soll den Émile nicht unterbrochen haben; die Akademie von Dijon hatte den ersten Satz schon prämiert.
Die Kritik ist so alt wie der Preis: undankbar gegen die Wissenschaften, die ihn lesbar machen; nostalgisch nach einer Natur, die es so nicht gab; gefährlich, wo sie Unwissenheit adelt. Geblieben ist die Unruhe, ob Verfeinerung der Sitten ihre Veredelung sei. Wer nach 1750 über Aufklärung spricht, ohne diesen Einspruch zu hören, hört nur die eine Hälfte des Jahrhunderts. Denis Diderot blieb Freund und Gegner; die Encyclopédie, an der Rousseau mitgearbeitet hatte, ist der Glanz, den die Abhandlung verdächtigt.
Ideen
Dieses Buch hängt an diesen Zetteln.
Wissenschaft (wichtig)
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
