Alexandrinische Patriarchengeschichte
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Alexandrinische Patriarchengeschichte |
| Autor(en): | Mawhūb ibn Mansūr ibn Mufarrij |
| Herausgeber: | Christian Friedrich Seybold |
| Originaltitel: | Taʾrīḫ baṭārikat al-kanīsa al-miṣriyya |
| Originalsprache: | arabisch |
| Erstveröffentlichung: | 1080 |
| Schlagwörter: | Patriarchat, Kopten, Alexandria, Heiligenleben |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Geschichte |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Peeters |
| Serie: | Corpus Scriptorum Christianorum Orientalium |
| Umfang dieser Ausgabe: | 256 Seiten |
| ISBN: | 9789042900943 |
| Verweise | |
Die Alexandrinische Patriarchengeschichte ist das Papstbuch des koptischen Patriarchats von Alexandria, eine fortlaufende Reihe von Lebensbeschreibungen der Nachfolger des Markus. Die älteste arabische Fassung hat im elften Jahrhundert der alexandrinische Laienchrist Mawhūb ibn Mansūr ibn Mufarrij zusammengestellt, nicht, wie lange angenommen, der Bischof Sawirus ibn al-Muqaffaʿ. Für die ersten fünfundsechzig Pontifikate benutzte Mawhūb koptische Geschichts- und Heiligenstoffe, darunter das am Ende des siebten Jahrhunderts im kirchlichen Auftrag entstandene Werk eines Archidiakons Georgios über die Jahre 450 bis 700. Eigenes sind seine Lebensbilder der Patriarchen Christodoulos und Kyrillos II. Nachfolger führten die Geschichte bis in die Neuzeit weiter. Die Infobox nennt die Peeters-Ausgabe der von Christian Friedrich Seybold besorgten CSCO-Reihe; Seybold hatte 1912 in Hamburg bereits die älteste Handschrift von 1266 vorgelegt.
Inhalt
Das Werk ist gegen das Vergessen einer Kirche geschrieben, die unter islamischer Herrschaft ihre Sprache wechselte und ihre Vorsteher als Kette der Legitimität brauchte. Jeder Patriarch erhält eine Vita: Herkunft, Wahl, Wunder, Streit mit Kaisern, Kalifen und innerkirchlichen Gegnern, Tod und Grab. Heiligkeit und Amtsführung liegen ineinander; das Wunder bestätigt den Stuhl, der Stuhl heiligt die Lebensführung. Die frühen Jahrhunderte sind hagiographisch dicht, die späteren, die Mawhūb selbst erlebte, politischer: Steuern, Klöster, die Beziehung zur Fatimidenmacht, die Sorge um die Einheit gegen Spaltungen. Es ist Kirchengeschichte als Amtsfolge, nicht als Dogmengeschichte der Konzilien.
Die Quellenarbeit ist Schichtung. Koptische Vorlagen werden ins Arabische gehoben, das im elften Jahrhundert die Sprache der gebildeten koptischen Laien war. Georgios’ amtliche Darstellung der Jahre nach Chalcedon liefert den Kern für die Epoche, in der sich die koptische Kirche gegen die Reichskirche behauptete. Mawhūb fügt, kürzt, übersetzt und schreibt die ihm zeitgenössischen Patriarchate neu. Die Hamburger Handschrift von 1266 ist der älteste greifbare arabische Stand; Evetts, Seybold und später Atiya haben verschiedene Rezensionen zugänglich gemacht. Die Geschichte ist parteiisch im Sinne des alexandrinischen Stuhls: Häretiker sind die anderen, Rechtgläubigkeit ist die Linie Markus–Alexandria. Wunder, Visionen und Strafgerichte gehören zum Erzählton wie in westlichen Papstbüchern.
Unsicher ist die Grenze zwischen Übernahme und Redaktion, zwischen Heiligenlegende und Ereignis. Johannes den Heijer hat Mawhūbs Autorschaft gegen die ältere Zuschreibung an Sawirus gesichert; Perrine Pilette hat die Vielfalt der Rezensionen neu geordnet. Der Ton wechselt mit den Vorlagen: trocken, wo Listen und Daten herrschen, märchenhaft, wo der Heilige den Kalifen zurechtweist. Eine Gegenposition innerhalb des Textes gibt es kaum; Widerspruch erscheint als Abfall. Für den Historiker ist das Buch Quelle und Tendenz zugleich. Es will die Kontinuität des Stuhls, nicht die Kritik am Amt.
Einordnung
Im koptischen Gedächtnis hat die Patriarchengeschichte denselben Rang wie der Liber Pontificalis in Rom: Sie macht aus einer bedrängten Minderheitenkirche eine ungebrochene Nachfolge. Die westliche Orientalistik hat sie lange unter dem falschen Verfassernamen Sawirus benutzt; die Korrektur zu Mawhūb verändert den Blick auf das elfte Jahrhundert als Laienredaktion, nicht als Bischofsautobiographie. Nachbarschaft hat sie zu den koptischen Synaxarien und zu den arabischen Christenchroniken Ägyptens. Das Missverständnis der älteren Forschung war, einen einzelnen Kirchenvater als Autor einer Jahrtausendgeschichte zu nehmen.
Geblieben ist das Standardwerk zur Geschichte des alexandrinischen Patriarchats, an dem jede Darstellung der koptischen Kirche vorbeimusste. Wer über christliches Ägypten unter islamischer Herrschaft, über Übersetzung ins Arabische und über Heiligenamt spricht, spricht aus diesem Buch oder gegen seine Wunder. Seybolds Hamburger Text hat den arabischen Wortlaut der alten Handschrift festgehalten; die Fortsetzungen bis in die Neuzeit zeigen, dass die Gattung nicht mit Mawhūb endete. Es ist Geschichtsschreibung als Treue zum Stuhl.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
