Am Beispiel meines Bruders
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Am Beispiel meines Bruders |
| Autor(en): | Uwe Timm |
| Originaltitel: | Am Beispiel meines Bruders |
| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 2003 |
| Schlagwörter: | Bruder, Waffen-SS, Familie, Erinnerung |
| Sachgebiete: | Erzählung |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | dtv
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| Umfang dieser Ausgabe: | 160 Seiten |
| ISBN: | 9783423133166 |
| Verweise | |
Am Beispiel meines Bruders ist die Erzählung von Uwe Timm, 2003 bei Kiepenheuer & Witsch erschienen, 2005 als Taschenbuch bei dtv. Timm, Jahrgang 1940, der Nachkömmling, schreibt über Karl-Heinz Timm, geboren 1924 in Hamburg, 1943 in einem Lazarett in der Ukraine gestorben, freiwillig in der Waffen-SS. Der Tote war in der Kindheit des Jüngeren anwesend durch die Trauer der Mutter, die Zweifel des Vaters, Fotos, kleine Geschichten, die ihn als mutig und anständig auswiesen, und durch Vergleiche, die den Nachgeborenen einbezogen. Timm hat das Tagebuch des Bruders, Briefe, die Sprache des Elternhauses und die eigene Erinnerung gegeneinandergehalten. Der schmale Band ist keine Anklage als Abrechnung und keine Ehrenrettung. Er ist der Versuch, an einem Beispiel zu verstehen, welche Haltungen den Nationalsozialismus und den Krieg möglich machten.
Inhalt
Karl-Heinz meldet sich freiwillig, nicht als Verführter ohne Willen und nicht als Ungeheuer. Das Tagebuch, das Timm zitiert, spricht von Kameradschaft, vom Osten, von Kälte, von Sätzen, in denen Töten vorkommt, ohne dass das Gewissen den Satz anhält. Der ältere Bruder schreibt, wie man in jener Truppe schreiben durfte: knapp, soldatisch, manchmal stolz, manchmal leer. Timm setzt dagegen, was die historische Kenntnis der Waffen-SS verlangt, und lässt die Spannung stehen. Er fragt, welche Optionen ein Hamburger Jüngling 1942 hatte, welche geschlossen waren, wo das Gewissen hätte sitzen können. Die Eltern, die ihn überlebten, behielten die Formel vom anständigen Jungen; der Vater, selbst im Krieg gewesen, verglich den Jüngeren mit dem Toten, als wäre Mut eine Erbschaft.
Timm erzählt die Wohnung, das Klavier, die Nachkriegsjahre, in denen vom Bruder die Rede war und nicht vom Vernichtungskrieg. Er erzählt sich selbst als Kind, das den Abwesenden als Maß nahm, ohne ihn gekannt zu haben. Die Mutter weint, der Vater schweigt oder redet in Anekdoten, die Familie bleibt anständig in einem Sinn, der die Mitgliedschaft in der Waffen-SS nicht ausschloss. Timm wird Schriftsteller, wird politisch anders, und das Buch ist auch die Geschichte dieser Abweichung: nicht als Bekehrung, sondern als Arbeit am Material, das die Familie hinterlassen hat. Er fährt an Orte, liest Akten, hört, was Kameraden und Historiker sagen, und kehrt zum Heft des Bruders zurück, das hartnäckig gewöhnlich bleibt.
Der Ort der Schuld wird nicht auf den Toten allein gelegt und nicht auf die Eltern allein. Timm beschreibt, wie Sprache beschönigt, wie „gefallen“ den Tod im Angriffskrieg zudeckt, wie das Beispiel des Bruders im Haus weiterwirkte, ohne dass jemand die Truppe beim Namen der Verbrechen nannte. Die Erzählung endet ohne Urteilsspruch. Sie endet mit einem Mann, der den Bruder nicht mehr zum Helden und nicht mehr zur bloßen Nummer machen kann. Der Nachkömmling hat das Beispiel angenommen, indem er es zerlegt. Karl-Heinz bleibt tot in der Ukraine; das Heft bleibt; die Fragen an die Eltern bleiben, auch wo die Eltern nicht mehr antworten.
Einordnung
Timm hat die Familiengeschichte der Täterkinder geschrieben, ohne den Ton der Selbstentschuldung und ohne den Ton der reinen Distanz. Gegenüber den großen Väterbüchern der siebziger und achtziger Jahre ist Am Beispiel meines Bruders später, knapper, genauer in den Zitaten des Tagebuchs. Es steht neben Büchern, in denen Söhne und Töchter die Wehrmacht der Väter befragen; es verschärft die Frage, weil die Waffen-SS keine Truppe war, hinter der man die allgemeine Pflicht vermuten durfte. Die Aufnahme war breit, schulisch, dankbar; die Gefahr solcher Dankbarkeit ist, das Buch zur Lektion über Erinnerungskultur zu machen. Timm hat eine Familie geschrieben, kein Curriculum.
Wer den Band nur als Dokument der SS liest, verfehlt den Nachkömmling, der im Vergleich erstickt wäre. Wer ihn nur als Autobiographie liest, verfehlt das Heft, in dem ein Einundzwanzigjähriger den Krieg als Alltag notiert. Die Erzählung bleibt, neben Timms Hamburg-Romanen, das schmale Buch, in dem die deutsche Familie am Tisch sitzt und der Tote mitisst, anständig, abwesend, ungefragt.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.
