Anti Freud
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Anti Freud |
| Autor(en): | Michel Onfray |
| Originaltitel: | Le crépuscule d'une idole. L'affabulation freudienne |
| Originalsprache: | französisch |
| Erstveröffentlichung: | 2010 |
| Schlagwörter: | Freud, Psychoanalyse, Idol, Entzauberung |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Philosophie |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | btb
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| Umfang dieser Ausgabe: | 544 Seiten |
| ISBN: | 9783442743537 |
| Verweise | |
Anti Freud. Die Psychoanalyse wird entzaubert (französisch Le crépuscule d'une idole. L'affabulation freudienne) ist das 2010 erschienene, biographisch gestützte Sachbuch des französischen Philosophen Michel Onfray gegen Sigmund Freud. Die Hauptthese lautet, Freud sei kein Wissenschaftler gewesen, sondern Philosoph, und die Psychoanalyse eine Fabel. Im deutschen Sprachraum erschien das Werk 2011 zuerst bei Knaus, 2013 als Taschenbuch bei btb. In Frankreich löste es eine breite öffentliche Debatte aus. Onfray hatte als Kind im Waisenhaus der Salesianer Misshandlung erlebt; geholfen hätten ihm das Kommunistische Manifest, Nietzsches Antichrist und Freuds Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie. Später las er Freud vollständig und, nach Nietzsche, war Freud für ihn entzaubert.
Inhalt
Onfray schreibt gegen das Idol Freud und gegen die Behauptung, die Psychoanalyse sei eine Wissenschaft von der Seele. Der erste Teil, Symptomatologie, gilt Freuds philosophischen Anschauungen und dem Vorwurf geistigen Diebstahls an Friedrich Nietzsche. Die Lehre von den Kränkungen der Menschheit stuft Onfray geringer ein als Kopernikus und Darwin. Der zweite Teil, Genealogie, holt die Familiengeschichte als Faktor der Theorien vom Ödipuskomplex und Vatermord heran, namentlich die Bindung an Mutter und Tochter. Der dritte Teil, Methodologie, folgt medizinischen Irrwegen: Kokain, Elektrotherapie, das Verlangen nach Anerkennung. Freud erscheint als Mann, der eine für alle gültige Methode wollte – außer für sich selbst, ein Paradox, das Gudrun Mangold im Tagesspiegel als Pointe notierte.
Die Behauptung spitzt sich in den letzten Teilen zu. Unter der Überschrift Thaumaturgie, Wunderheilung, spricht Onfray Freud die Erfindung der Psychoanalyse ab und gibt sie dem Sophisten Antiphon von Athen. Der Schlussteil, Ideologie, behandelt Beziehungen zu Diktatoren der Zeit, darunter Mussolini, ferner Frauenfeindlichkeit, Feindschaft gegen Homosexuelle und den Blick auf die Onanie. Onfray belegt, so Mangold, Aussage für Aussage mit Briefen und Schriften; die Schlüsse seien kühn, müssten deshalb nicht falsch sein, und die Zuspitzung bringe zum Lachen. Die Entzauberung ist polemisch und materialreich: kein Denkmalsturz aus dem Hörensagen, sondern aus dem Werk, gegen das Werk.
Unsicher wird das Buch, wo die Anklage die Abwägung ersetzt. Élisabeth Roudinesco, Historikerin und Freud-Biographin, nannte den Text voller sachlicher Fehler, alt bekannter Gerüchte und ohne zureichende Belege, kurz: eine Fabel des Autors, und fragte nach so viel Hass. Onfray weiß, dass er zerstört, und beharrt darauf, dass das Idol die Zerstörung verdient. Der Ton ist der des französischen Moralisten nach Nietzsche, schneidend und öffentlich, ohne die Schulpsychoanalyse von innen zu reformieren. Die Grenze, die er zieht – Freud war Philosoph, keine Wissenschaft –, trifft eine Schwäche der Begründungen und unterschlägt, was die Kur an Unglück gebunden hat.
Einordnung
Als Streitbuch gegen Freud steht Anti Freud in einer langen Reihe der Entzauberung, von den zeitgenössischen Gegnern bis zu späteren Wissenschaftskritikern der Psychoanalyse. Nachbarschaft hat es zu Nietzsches Jenseits von Gut und Böse, aus dem Onfray die Geste des Idolssturzes nimmt, und zu Freuds eigenen kulturkritischen Schriften, die das Buch gegen ihren Verfasser wendet. Der Spiegel-Gesprächston – Hirngespinste, Desinteresse an Menschen, Legende vom Ödipuskomplex – hat die deutsche Aufnahme geprägt. Roudinescos Gegenschrift bleibt die gewichtigste Zurückweisung.
Geblieben ist der Skandal, dass ein Verkaufserfolg der Freud-Kritik in Frankreich den Konsens der Zunft nicht geteilt hat. Wer nach 2010 über die Wissenschaftlichkeit der Psychoanalyse spricht, spricht hinter diesem Angriff oder gegen ihn. Die btb-Ausgabe hat die Polemik ins Taschenbuch geholt; die Fehler, die Roudinesco zählt, sind damit nicht erledigt, die Fragen an das Idol nicht verstummt.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
