Asyle

Erving Goffman · 1961 · Sachbuch, Soziologie
Gesellschaft
Das Werk
Deutscher Titel: Asyle
Autor(en): Erving Goffman
Originaltitel: Asylums. Essays on the Social Situation of Mental Patients and Other Inmates
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 1961
Schlagwörter: totale Institution, Psychiatrie, Insasse, Selbst
Sachgebiete: Sachbuch, Soziologie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Suhrkamp
Serie: suhrkamp taschenbuch wissenschaft
Umfang dieser Ausgabe: 366 Seiten
ISBN: 9783518276563
Verweise


Asyle. Über die soziale Situation psychiatrischer Patienten und anderer Insassen ist die 1961 erschienene Untersuchung von Erving Goffman, deutsch 1973 bei Suhrkamp. Nach Wir alle spielen Theater verlässt er die Hotelhalle und geht in die Anstalt: Irrenhaus, Gefängnis, Kaserne, Kloster, Schiff – Orte, die er totale Institutionen nennt, weil sie Schlafen, Arbeiten und Freizeit unter einem Kommando zusammenschließen. Goffman hat in einer Klinik in Washington beobachtet; das Buch ist Feldarbeit und Begriffsschärfe, nicht Reformbroschüre.

Inhalt

Die totale Institution bricht die Trennungen des zivilen Lebens. Der Ankömmling wird entkleidet, umbenannt, belehrt, seiner Requisiten beraubt; Goffman nennt das die Zurichtung des Selbst, eine Demütigung, die den Insassen erst herstellt. Die Laufbahn in der Anstalt hat Stufen: Anpassung, Unterwerfung, die kleine Renitenz, die Hinterbühne der Station, auf der Pfleger und Patienten miteinander auskommen, gegen das offizielle Bild. Sekundäre Anpassung ist der Diebstahl der Minute, die Zigarette, der Witz – nicht Revolution, sondern das Überleben einer Person, die offiziell keine mehr sein soll.

Das Personal hat seine eigene Moral: Therapie, Sicherheit, Ordnung, der Glaube, zum Wohl des Insassen zu handeln. Goffman nimmt das ernst und zeigt, wie daraus Herrschaft wird, die sich als Hilfe spricht. Die psychiatrische Anstalt ist der Hauptfall, weil sie die Identität selbst zum Krankheitsort macht: Wer widerspricht, liefert das Symptom. Neben Gefängnis und Lager – ohne sie gleichzusetzen – steht das Asyl als der Ort, an dem die Gesellschaft ihre Abweichung einschließt und als Heilung führt. Der Ton ist kühl, oft ironisch, ohne Anklagepathos. Die Empörung steckt in der Genauigkeit, mit der Aufnahmeprozeduren, Wertsachenlisten, Besuchstage beschrieben sind.

Unsicher ist die Reichweite des Begriffs. Nicht jede Klinik ist tot; die Reformpsychiatrie hat Goffman als Kronzeugen genommen und oft gegen seine Kühle. Er schreibt keine Geschichte der Psychiatrie und keine Theorie des Wahnsinns im Sinne Foucaults; er schreibt die soziale Lage derer, die drin sind. Überwachen und Strafen kommt später und trifft denselben Einschluss von der Disziplin her. Goffman bleibt beim Auftritt, auch hinter Mauern. Wer nur die Bühne des Alltags aus dem Theaterbuch kennt, trifft hier die Bühne, von der man nicht abtritt. Wer nur Foucault kennt, trifft die Ethnographie der Station.

Einordnung

Asyle hat der Soziologie der Institution den Begriff der totalen Institution gegeben und der Antipsychiatrie-Debatte Material, das nicht von Ärzten stammte. Es steht neben Wir alle spielen Theater als das düstere Geschwister: dieselbe Analyse des Auftritts, ohne die Freiheit, nach Hause zu gehen. Wer Einschluss nur als Strafrecht kennt, trifft hier die Hilfe, die einschließt.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.