Atlas der abgelegenen Inseln

Judith Schalansky · 2009 · Sachbuch, Essay


Das Werk
Deutscher Titel: Atlas der abgelegenen Inseln
Autor(en): Judith Schalansky


Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 2009
Schlagwörter: Insel, Karte, Abgeschiedenheit, Utopie
Sachgebiete: Sachbuch, Essay
Greifbare Ausgabe
Verlag: Fischer Taschenbuch


Umfang dieser Ausgabe: 249 Seiten
ISBN: 9783596190126
Verweise


Atlas der abgelegenen Inseln. Fünfzig Inseln, auf denen ich nie war und niemals sein werde ist das 2009 im Mareverlag erschienene Buch von Judith Schalansky, 2011 als Taschenatlas bei Fischer, 2021 um fünf Inseln erweitert. Jeder Insel gehört eine Doppelseite: geographische und demographische Angaben, anekdotische Bruchstücke der Geschichte, eine Karte im Maßstab 1:125000. Schalansky hat Text und Gestalt selbst entworfen. Das Vorwort heißt: Das Paradies ist eine Insel. Die Hölle auch. Der Maßstab folgt der Osterinsel, die eine ganze Seite füllt; größere Eilande wie Jan Mayen fielen deshalb aus der Neuausgabe. 2010 erhielt das Buch den Preis der Stiftung Buchkunst als schönstes deutsches Buch.

Inhalt

Schalansky schreibt gegen den Atlas als Besitzwissen und gegen die Reise als Nachweis, dass man dort gewesen ist. Abgelegen heißt: weit von den Zentren, oft unbewohnt, oft nur als Name, Gefängnis, Testgelände oder Sehnsuchtsort vorhanden. Die fünfzig, später fünfundfünfzig Inseln liegen in allen Ozeanen, von der Arktis bis zur Antarktis. Die Karten sind gleichförmig, die Geschichten nicht: Entdecker, die landen und sterben; Kolonien, die scheitern; Atome, die gezündet werden; Einsiedler, die wahnsinnig werden; Vögel, die nur hier brüten. Die Autorin war auf keiner dieser Inseln und wird auf keiner sein. Das ist keine Koketterie, sondern Methode. Entfernung erzeugt Erzählung; Anwesenheit würde sie durch den Zufall des Wetters ersetzen.

Jedes Blatt verbindet Zahlen mit Prosa. Koordinaten, Einwohner, Zugehörigkeit zu einem Staat stehen neben einem Text, der eine Episode isoliert, oft gewalttätig, oft lächerlich, oft beides. Die Insel ist Utopie und Strafort in einem: Wer das Festland verlässt, findet keine unschuldige Natur, sondern die Fortsetzung der Macht mit anderen Mitteln. Schalansky zitiert fremdsprachige geographische Namen und gibt am Ende ein Glossar. Der gleichbleibende Maßstab macht aus Winzigkeit und Weite eine vergleichbare Fläche; was auf der Karte groß wirkt, ist ein Felsen. Die Typographie der Schrift Sirenne und das Beige der Karten gehören zum Argument: Wissen über Ferne ist immer gestaltet, nie roh.

Unsicher wird das Buch, wo die Schönheit der Seite die Härte der Episode überglänzt. Felix Schürmann hat in einer Kritik festgehalten, wie sehr der Atlas vom Festland aus träumt. Die Anekdote verkürzt Geschichte auf die zugespitzte Szene; Bewohner, wo es sie gibt, sprechen selten selbst. Schalansky weiß das und setzt die eigene Abwesenheit als Ehrlichkeit gegen den Reisebericht, der Teilhabe vortäuscht. Die Neuausgabe hat Zahlen aktualisiert und fünf Inseln ergänzt; der Satz, niemals dort zu sein, bleibt. Das Buch ist Atlas, Essay und Künstlerbuch, keine Geographie im Fachsinn. Seine Genauigkeit ist die der Auswahl, nicht der Vollständigkeit.

Einordnung

Der Atlas hat die Grenze zwischen Sachbuch und Literatur verschoben und eine Reihe von Büchern angestoßen, die Listen, Karten und abgelegene Orte als Form nutzen. Die Auszeichnungen galten der Gestalt ebenso wie dem Text; beides ist bei Schalansky nicht zu trennen. Spätere Werke der Autorin – über den Hals der Giraffe, über Verzeichnis und Verlust – haben die Methode fortgesetzt: Kataloge als Erzählung des Verschwindens. Wer Inseln nur als Urlaub denkt, trifft hier Strafkolonie, Atomversuch und ausgestorbene Art. Wer Atlanten nur als Nachschlagewerk denkt, trifft den Satz, dass jede Karte eine Behauptung ist.

Die Fischer-Taschenausgabe hat das Mare-Buch verbreitert, ohne die Doppelseite zu zerstören. Ein Hörstück von Thom Luz ist Bearbeitung, nicht der Atlas. Geblieben ist die Nüchternheit, mit der Schalansky das Paradies und die Hölle denselben Koordinaten gibt. Abgelegenheit ist keine Unschuld. Sie ist eine Lage, in der die Welt ihre Extreme ausprobiert, während das Festland zusieht und Karten malt.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.