Baugesetze der Gesellschaft

Oswald von Nell-Breuning · 1968 · Sachbuch, Gesellschaftstheorie


Das Werk
Deutscher Titel: Baugesetze der Gesellschaft
Autor(en): Oswald von Nell-Breuning


Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1968
Schlagwörter: Solidarität, Subsidiarität, Soziallehre, Gemeinschaft
Sachgebiete: Sachbuch, Gesellschaftstheorie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Herder


Umfang dieser Ausgabe: 156 Seiten
ISBN: 9783451218187
Verweise


Baugesetze der Gesellschaft ist die 1968 erschienene sozialphilosophische Schrift von Oswald von Nell-Breuning. Der Jesuit, der die Enzyklika Quadragesimo anno mitformuliert hatte, zieht darin das Solidaritätsprinzip und das Subsidiaritätsprinzip als tragende Gesetze der menschlichen Gesellschaft zusammen. Die Schrift überarbeitet Thesen, die er mit Franz Prinz in den Werkbriefen der Münchner Werkgemeinschaft christlicher Arbeitnehmer vorgelegt hatte. Nell-Breuning will nicht ein drittes Lager zwischen Kapitalismus und Kommunismus ausrufen, sondern sagen, worin Person und Gemeinschaft einander wechselseitig haften. Die durchgesehene Neuausgabe bei Herder hat den schmalen Band als Lehrstück der katholischen Soziallehre festgehalten.

Inhalt

Nell-Breuning schreibt gegen zwei Verkürzungen der Gesellschaft: gegen den Kommunismus, der das Individuum dem Ganzen unterordnet, und gegen den Wirtschaftsliberalismus, der die Gemeinschaft zur bloßen Funktion der Einzelnen macht und jede Haftung der Gesellschaft für den Einzelnen leugnet. Solidarität und Subsidiarität sind für ihn nicht nur sittliche Wünsche oder Rechtsregeln, sondern Seinsprinzipien: sie wurzeln in dem, was der Mensch wesenhaft ist. Die Person ist von Natur auf Gemeinschaft angelegt, die Gemeinschaft umgekehrt an die Person gebunden. Wer eines der beiden opfert, zerstört das andere mit. Der Band steht in der Linie von Heinrich Pesch, Gustav Gundlach, Pius XI. und Johannes XXIII., will aber die Prinzipien so scharf fassen, dass sie auf Familie, Wirtschaft, Kirche und Staat anwendbar werden.

Das Solidaritätsprinzip begründet die wechselseitige Haftung. Jeder Einzelne steht für das Wohl der Gemeinschaft ein, auch wenn Ämter und Lasten nach Leistungsfähigkeit verteilt sind; jedes Glied haftet als Gesamtschuldner. Umgekehrt haftet die Gemeinschaft für jedes ihrer Glieder. Erst diese doppelte Bindung macht Solidarität vollkommen, sonst bleibt sie Appell oder Zwang. Das Subsidiaritätsprinzip verlangt, dass die übergeordnete Gemeinschaft hilfreichen Beistand leistet, wo die Gliedgemeinschaft aus eigenen Kräften nicht zureicht – und dass sie ihr nichts abnimmt, was diese selbst leisten kann. Subsidiarität heißt also nicht Rückzug des Staates, sondern Hilfe zur Selbsthilfe, mit einer klaren Grenze gegen Bevormundung. Nell-Breuning entfaltet beides an den Institutionen: die Familie darf nicht zur Restgröße der Betriebe werden, die Wirtschaft nicht zum Schlachtfeld bloßer Einzelinteressen, die Kirche nicht zum Ersatzstaat, der Staat nicht zur Allzuständigkeit.

Unsicher wird die Schrift, wo Seinsprinzip und politische Anwendung ineinanderliegen. Nell-Breuning spricht als Theologe und als Sozialethiker der Bundesrepublik, der den Sozialstaat der Nachkriegszeit mitgebaut hat; die Prinzipien sollen zugleich metaphysisch wahr und praktisch steuernd sein. Gegner von links haben ihm vorgeworfen, er zähme den Kapitalismus, ohne die Eigentumsfrage zu stellen; Gegner von rechts, er weiche die Eigentumsordnung durch Haftung und Beistand auf. Er beharrt darauf, dass Personwürde und Gemeinwohl keine Gegensätze sind, und lässt die konkreten Konflikte – Lohn, Mitbestimmung, Lastenausgleich – eher als Probe der Prinzipien denn als deren Erschütterung erscheinen. Der Ton ist lehrhaft, ohne den Jargon der Seminare, und knapp: ein Bauplan, keine Gesellschaftsgeschichte.

Einordnung

Der Band gehört zu den klarsten deutschen Formulierungen der katholischen Soziallehre nach 1945. Nell-Breuning, lange der sichtbare Kopf dieser Schule, hat Solidarität und Subsidiarität aus der Enzyklikensprache in eine Sprache übersetzt, die Juristen, Gewerkschafter und Politiker der Bundesrepublik brauchen konnten. Gegen Karl MarxDas Kapital hält er die Person fest; gegen den Manchesterliberalismus die Haftung des Ganzen. Oswald Spenglers Kulturmorphologie und die Klassenlehre bleiben ihm fremd: Gesellschaft hat Baugesetze, kein Schicksal.

Solidarität und Subsidiarität sind seither Wörter der Verfassungsrede, auch wo der Jesuitename fehlt. Die Herder-Ausgabe von 1990 hat den Text durchgesehen, nicht entschärft. Er ist ein kurzes Buch mit langer Wirkung: vom Grundgesetzartikel über die Menschenwürde bis zum Streit, was der Bund den Ländern und was die Länder den Gemeinden lassen müssen. Nell-Breuning hat die beiden Sätze zusammengehalten; wer nur einen behält, zerlegt das Paar.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.

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