Bestrafen der Armen
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Bestrafen der Armen |
| Autor(en): | Loïc Wacquant |
| Originaltitel: | Punir les pauvres. Le nouveau gouvernement de l'insécurité sociale |
| Originalsprache: | französisch |
| Erstveröffentlichung: | 2004 |
| Schlagwörter: | Strafe, Armut, Unsicherheit, Gefängnis |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Soziologie |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Barbara Budrich
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| Umfang dieser Ausgabe: | 359 Seiten |
| ISBN: | 9783847401216 |
| Verweise | |
Bestrafen der Armen. Zur neoliberalen Regierung der sozialen Unsicherheit ist die kriminalsoziologische Untersuchung von Loïc Wacquant, 2004 französisch als Punir les pauvres bei Agone in Marseille erschienen, 2009 deutsch bei Barbara Budrich in der Übersetzung von Hella Beister. Die durchgesehene Ausgabe von 2013 hat dreihundertneunundfünfzig Seiten. Wacquant, Schüler Pierre Bourdieus und Kenner der amerikanischen Stadtsoziologie, zeigt am Beispiel der Vereinigten Staaten, wie Sozialpolitik und Kriminalpolitik unter marktradikalen Vorzeichen zusammenrücken: Je punitiver die Strafe, desto karger die Fürsorge. Die USA erscheinen als Labor einer Zukunft, die Europa bereits nachahmt.
Inhalt
Wacquant schreibt gegen die Rede vom Rückzug des Staates. Der sogenannte Minimalstaat der Marktgläubigen sei, sobald er es mit Verlierern zu tun bekommt, ein strafender Maximalstaat. Zwischen Karl Marx und Émile Durkheim sucht er die Theorie: Herrschaft und die gesellschaftliche Arbeit des Strafens gehören zusammen, sobald soziale Unsicherheit politisch aufgewertet wird. Im ersten Hauptteil, dem Elend des Wohlfahrtsstaates, zeigt er, wie in den USA der Almosenstaat im Namen der Eigenverantwortung zurückgebaut und mit Kontrolle durchsetzt wurde. Der Personal Responsibility and Work Opportunity Act von 1996 unter Präsident Bill Clinton ist das gesetzliche Prunkstück dieser Wende. Wer Hilfe empfängt, wird geprüft, verpflichtet, verdächtigt. Die soziale Frage wird zur Frage der Moral und der Arbeitspflicht.
Der zweite Teil gilt der Größe des Strafrechtsstaates. Die Häftlingszahlen explodieren, ohne dass die Kriminalität im selben Maß steigt; Strafverschärfung bei Bagatellen, privatwirtschaftliche Logik der Gefängnisse und der Ausbau der Polizei tragen die Expansion. Primäre Zielgruppen sind das afroamerikanische Subproletariat der städtischen Ghettos und die Sexualstraftäter. Das Gefängnis, so Wacquant, zementiert die aufgeweichte Kastentrennung zwischen Weißen und Schwarzen neu. Listen entlassener Sexualstraftäter stärkten die soziomoralische Geschlossenheit der Mehrheit, ohne reale Sicherheit zu schaffen, weil Therapie entfalle und ein falsches Täterbild entstehe. Der letzte Teil vergleicht europäische Abwandlungen und findet in Frankreich erschreckende Parallelen: Vorstädte, Härte gegen Armut, die Sprache der Sicherheit.
Unsicher wird das Buch, wo die Vereinigten Staaten zum Modell und Europa zur Nachahmung werden. Kritiker können einwenden, nationale Rechtskulturen und Wohlfahrtstraditionen würden unter das eine Schema des strafenden Neoliberalismus gezwungen. Heinrich Zwicky empfahl den Band und bemängelte die Übersetzung von gouvernement mit Regierung, die im Deutschen zu starr substantiviere. Wacquant ist parteiisch und zornig; dass linksliberale und sozialdemokratische Parteien in den Chor einstimmen, der Arme zu Tätern macht, treibt den Ton. Die Gegenposition ist jede Kriminalpolitik, die Strafe als Antwort auf Tatbestände liest und den Zusammenhang mit dem Abbau sozialer Rechte bestreitet. Michel Foucaults Überwachen und Strafen liefert die Genealogie der Disziplin; Wacquant schreibt die politische Ökonomie ihrer Gegenwart.
Einordnung
Robert Misik las in der Tageszeitung die unsichtbare Hand und die eiserne Faust als ein und dieselbe Politik. Das Buch hat die deutschsprachige Diskussion über massenhafte Inhaftierung, Prekarität und den Umbau des Sozialstaats mit einem Begriffspaar versehen: Elend der Fürsorge, Größe der Strafe. Es steht in der Linie Bourdieuscher Herrschaftsanalyse und der amerikanischen Ghettoforschung, die Wacquant selbst mitgeprägt hat. Auszüge gingen in kriminologische Textsammlungen ein. Die englische Ausgabe Punishing the Poor bei Duke University Press hat den Befund internationalisiert.
Das Missverständnis ist, hier nur eine Amerika-Kritik oder nur eine Gefängnisstudie zu erwarten. Wacquant beschreibt ein Regime sozialer Unsicherheit, in dem Wohlfahrt und Strafe komplementär geschaltet sind. Geblieben ist die These, dass der Staat nicht schwindet, sondern die Armen wegsperrt, während er den Märkten die Mitte überlässt. Wer nach der Jahrtausendwende über Gefängnisse, Hartz-Reformen und Sicherheitspolitik spricht, findet in diesem Buch die soziologische Klammer, auch wenn er die Wut nicht teilt.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.
