Bottroper Protokolle
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Bottroper Protokolle |
| Autor(en): | Erika Runge
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| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 1968 |
| Schlagwörter: | Arbeit, Ruhrgebiet, Protokoll, Kohle |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Soziologie |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Suhrkamp |
| Serie: | edition suhrkamp |
| Umfang dieser Ausgabe: | 163 Seiten |
| ISBN: | 9783518419885 |
| Verweise | |
Die Bottroper Protokolle sind die 1968 in der edition suhrkamp erschienene Sammlung von Tonbandgesprächen, die Erika Runge mit Menschen aus der Bottroper Arbeiterschaft geführt und verschriftlicht hat. Martin Walser schrieb das Vorwort: hier kämen die bisher übergangenen Arbeiter zu Wort, die von keiner Partei und keiner Zeitung vertreten seien und noch nach minderem Recht lebten. Acht Stimmen erzählen – Betriebsratsvorsitzender, Pfarrer, Hausfrau, Rektor, Verkäufer, Putzfrau, Musiker, kaufmännische Angestellte – von Nationalsozialismus, Wiederaufbau und Kohlekrise. Das Buch zählt als Anfang einer dokumentarischen Literatur, die das Tonband für die Klasse benutzte, die sonst nur gezählt wurde. 1968 liefen die Gespräche auch im Südwestfunk und im Norddeutschen Rundfunk.
Inhalt
Runge schreibt gegen die glatte Erzählung vom Wirtschaftswunder und gegen die Stummheit, die den Ruhrbergbau zur Kulisse machte. Das Protokoll ist keine freie Rede und kein Roman: das Gerät läuft, die Sätze werden geglättet, die Stimme bleibt erkennbar. Der Bergbau steht im Mittelpunkt, auch wo niemand mehr unter Tage arbeitet. Familien hängen an einer kollektiven Herkunft, die Abhängigkeit geblieben ist. Die Kohlekrise der sechziger Jahre ist nicht nur Betriebsschließung, sondern Bruch einer Lebensform, die Väter und Söhne an denselben Schacht band. Runge tritt hinter das Gerät zurück und bleibt als Auswahl, Schnitt und Reihenfolge gegenwärtig.
Die Behauptung entfaltet sich an den einzelnen Leben. Clemens Kraienhorst, Betriebsratsvorsitzender, fuhr jung an, wurde wegen seiner politischen Haltung in der nationalsozialistischen Zeit verhaftet und musste auch in der Haft schwere Bergarbeit tun; später kehrte er heim und blieb bis zur Entlassung im Rat der Belegschaft. Seine Frau erzählt denselben Zeitraum von der anderen Seite der Wohnung. Andere Stimmen sprechen von Schule, Gemeinde, Verkauf und Putzarbeit, von einem Pfarrer zwischen Kanzel und Revier, von einem Rektor zwischen Aufstieg und Herkunft, von einem jungen Musiker, der den Takt wechselt, während die Zechen sterben. Der Nationalsozialismus ist in diesen Erzählungen nicht Lehre, sondern Verhaftung, Denunziation, Durchhalten. Die Nachkriegszeit ist Schicht, Wohnungsnot, allmählicher Wohlstand und die Angst, dass beides mit der Kohle endet. Walser nannte die Stücke Berichte aus der Klassengesellschaft; sie sind es, weil niemand die Klasse erklärt, sondern sie in Sätzen über Lohn, Staub und Familie vorkommt.
Unsicher wird das Buch, wo das Protokoll zur literarischen Gattung wird und die Bearbeitung unsichtbar bleibt. Spätere Kritik hat gefragt, wie viel Runge geglättet, angeordnet, weggelassen hat, und ob die Authentizität des Tonbands nicht selbst eine Inszenierung sei. Runge hat das Verfahren später in weiteren Protokollbänden fortgesetzt und ist als Autorin der Dokumentarliteratur geführt worden, nicht als Soziologin mit Fragebogen. Der Ton der Stimmen ist mundartnah, dann hochdeutsch geglättet, oft lang, wie gesprochenes Erinnern. Gegenposition bleibt jede Arbeiterdichtung, die typisiert, und jede Sozialstatistik, die ohne Stimme auskommt. Das Buch ist kurz, acht Leben, und behauptet nicht, Bottrop zu vertreten; es behauptet, dass diese acht bisher nicht zu hören waren.
Einordnung
Kaum ein Suhrkamp-Band von 1968 hat so direkt in die literaturpolitische Debatte über Wirklichkeit und Fiktion gegriffen. Die Bottroper Protokolle stehen am Beginn einer Welle von Werkstattgesprächen, Betriebsreportagen und Tonbandbüchern, die der Studentenbewegung die Klasse hörbar machen wollten, von der sie sprach. Walser lieferte die Deutung, Runge das Material. Die germanistische Forschung hat den Protokollstil später als eigene Textsorte beschrieben, zwischen Aussage, Erzählen und Montage.
Geblieben ist die Stimme Kraienhorsts und der Satz Walsers vom minderen Recht. Wer über Dokumentarliteratur, über das Ruhrgebiet der Kohlekrise und über die Grenze zwischen Gespräch und Literatur spricht, stößt auf dieses schmale Buch. Es hat das Tonband in die edition suhrkamp geholt und die Arbeiter nicht zu Symbolen gemacht. Die späteren Auflagen haben den dokumentarischen Atem bewahrt; er ist älter geworden und in jeder Debatte über das Sprechenlassen lesbar, die vergisst, dass jemand das Gerät anstellt.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
