Das Ende des Glaubens

Sam Harris · 2004 · Sachbuch, Religionswissenschaft


Das Werk
Deutscher Titel: Das Ende des Glaubens
Autor(en): Sam Harris
Originaltitel: The End of Faith
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 2004
Schlagwörter: Glaube, Terror, Vernunft, Religion
Sachgebiete: Sachbuch, Religionswissenschaft
Greifbare Ausgabe
Verlag: Edition Spuren


Umfang dieser Ausgabe: 336 Seiten
ISBN: 9783905752065
Verweise


Das Ende des Glaubens. Religion, Terror und das Licht der Vernunft ist das 2004 in New York erschienene erste Buch von Sam Harris, 2007 deutsch bei Edition Spuren in der Übersetzung von Oliver Fehn. Harris schrieb es unter dem Eindruck der Anschläge vom 11. September 2001 und gegen das Wiedererstarken religiöser Gewissheiten in den Vereinigten Staaten. Er untersucht den Zusammenhang von Religion und Gewalt, vor allem im christlichen und islamischen Erbe, unterscheidet Glauben von Spiritualität und verlangt, religiöse Sätze derselben Prüfung zu unterwerfen wie andere Behauptungen über die Welt. Das Buch verkaufte sich in den USA in großer Zahl, erhielt 2005 den PEN/Martha-Albrand-Preis für Sachbücher und löste scharfe Gegenreden aus.

Inhalt

Harris schreibt gegen die Schonung, die der religiöse Glaube in liberalen Gesellschaften genießt: dass man ihn nicht öffentlich als falsch bezeichnen dürfe, weil er Gewissen sei. Glauben heißt hier, Sätze ohne Beleg für wahr zu halten und sie gegen Einwand zu immunisieren. In sieben Kapiteln geht er durch historische und gegenwärtige Gestalten der Religion. Am Christentum nennt er Kreuzzüge, Hexenverbrennung, die Verfolgung von Juden und Andersgläubigen und den Anteil christlichen Judenhasses am Weg in den Judenmord. Dem Islam wirft er vor, Stellen des Korans und der Überlieferung als Todeskult lesbar zu machen, und bestreitet, dass die Gewalt nur eine Entstellung durch Extremisten sei. Die Tabuisierung fundamentaler Kritik am Glauben selbst – nicht bloß an seinen politischen Missbräuchen – hält er für gefährlicher als die Beleidigung, die solche Kritik erzeugt.

Die Argumentation ist essayistisch, parteilich und auf Beispiele der Gegenwart bezogen: Selbstmordattentate, die Politik des Nahen Ostens, die religiöse Rechte in Amerika. Harris verlangt, dass auch Offenbarungssätze an der Erfahrung und am Widerspruch gemessen werden. Wo sie Unsichtbares behaupten, das keine Prüfung zulässt, seien sie nicht tief, sondern leer. Spiritualität, Meditation, die Untersuchung des Bewusstseins will er vom Glauben an personhafte Götter und an heilige Bücher trennen; Vernunft und Innenschau gelten ihm nicht als Feinde. Der Ton ist der der Streitschrift, nicht der Religionsgeschichte: Harris zitiert, um zu treffen, nicht um Konfessionen gerecht zu werden. Die Schonung der Gemäßigten erscheint ihm als Schild der Unversöhnlichen, weil der Kern – unbegründete Gewissheit – geteilt bleibe.

Unsicher wird das Buch, wo aus der Kritik am Glauben eine Theorie ganzer Kulturen wird. Die Zuspitzung auf den Islam nach 2001 hat Harris den Vorwurf der Einseitigkeit eingetragen; die christliche Gewaltgeschichte dient oft als historische Folie, die islamische als gegenwärtige Gefahr. Gegner haben die Vernachlässigung politischer, sozialer und kolonialer Ursachen des Terrors festgehalten und die Gleichsetzung von Schrift und Praxis. Harris antwortete 2006 mit Brief an ein christliches Land und hat die Linie nicht verlassen: Religiöse Mäßigung sei intellektuell unredlich, wo die Schriften Unmäßiges verlangen. Der Neurowissenschaftler, der später über Geist und Moral schrieb, ist hier noch der Polemiker. Die Stärke ist die Weigerung, Glauben als Privatgeschmack zu behandeln; die Schwäche ist die Neigung, Religion auf ihre tödlichsten Sätze zu reduzieren.

Einordnung

Zusammen mit den Büchern von Richard Dawkins, Daniel Dennett und Christopher Hitchens gehört der Band zu der Welle öffentlicher Religionskritik der zweitausender Jahre, die in den Vereinigten Staaten den Streit um Vernunft und Offenbarung neu aufbrach. In Deutschland blieb die Aufnahme kühler; die religiöse Rechte ist schwächer, die islambezogene Zuspitzung traf auf andere Fronten. Religionswissenschaftlich ist das Buch schwach, als Zeitdiagnose scharf: Es macht sichtbar, welches Tabu die liberale Höflichkeit um den Glauben gelegt hatte. Friedrich Nietzsches Der Antichrist hatte denselben Kampf mit anderen Mitteln geführt; Harris ersetzt die Genealogie durch das Argument der Belegpflicht.

Die Edition Spuren hat einen amerikanischen Streit nach Europa geholt, ohne ihn zu entschärfen. Geblieben ist die Zumutung, religiöse Behauptungen nicht milder zu prüfen als physikalische, und die Frage, ob man Gemeinschaften nach ihren heiligsten Texten oder nach dem Leben ihrer Frommen richtet. Zu Religion, Terror und den Grenzen der Toleranz gibt der Band die ungeduldigste Auskunft des englischsprachigen Atheismus jener Jahre: nützlich als Widerspruch, unzureichend als Geschichte der Religionen.

Ideen

Dieses Buch hängt an diesen Zetteln.

Religion (wichtig)

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.