Das Geschlecht der Gabe
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Das Geschlecht der Gabe |
| Autor(en): | Marilyn Strathern |
| Originaltitel: | The Gender of the Gift. Problems with Women and Problems with Society in Melanesia |
| Originalsprache: | englisch |
| Erstveröffentlichung: | 1988 |
| Schlagwörter: | Geschlecht, Gabe, Melanesien, Person |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Anthropologie |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | University of California Press |
| Serie: | Studies in Melanesian Anthropology |
| Umfang dieser Ausgabe: | 422 Seiten |
| ISBN: | 9780520072022 |
| Verweise | |
Das Geschlecht der Gabe (englisch The Gender of the Gift) ist die 1988 bei der University of California Press erschienene Untersuchung der britischen Sozialanthropologin Marilyn Strathern über Geschlecht und Gesellschaft in Melanesien. Sie stützt sich auf Forschungen im Hochland von Papua-Neuguinea von den frühen sechziger bis in die achtziger Jahre. Im Zentrum steht die Frage, wie sich Verhältnisse zwischen weiblichem und männlichem Geschlecht in einheimischen Begriffen verstehen lassen, statt sie in westliche Gegensätze von Individuum und Kollektiv, Ausbeutung und Subjekt zu pressen. Eine deutsche Ausgabe fehlt; der Titel folgt der in der Forschung üblichen Übertragung. Das Buch gilt als Klassiker der Ethnologie und der Geschlechterforschung und als schwer zugänglich. Es revidiert Stratherns früheres Women in Between und spielt im Titel auf Marcel Mauss’ Die Gabe an.
Inhalt
Strathern schreibt gegen die westliche Gewohnheit, Gesellschaft aus Einzelnen zusammenzusetzen und Geschlecht als Eigenschaft von Individuen zu behandeln. In Melanesien, so ihre Behauptung, sind Personen eher dividuell: zusammengesetzt aus Beziehungen, nicht deren Ursprung. Was jemand gibt, ist nicht Ware aus einem Besitz, sondern ein Stück jener Beziehungen. Deshalb hat die Gabe ein Geschlecht: nicht weil Dinge männlich oder weiblich „sind“, sondern weil sie in Austauschakten männliche oder weibliche Wirkungen entfalten. Ritual, Garten, Schwein und öffentliche Rede werden lesbar, sobald man aufhört, hinter ihnen ein Subjekt zu suchen, das seine Handlungen besitzt. Die klassisch westlichen Werkzeuge – Ausbeutung der Frau, Gegensatz von Natur und Kultur, das Individuum als Urheber – erklären, warum die Ethnologie der achtziger Jahre an ihren eigenen Fragen erstickte.
Die Behauptung wird an Hochlandgesellschaften durchgespielt, ohne sie zur Illustration einer Theorie zu machen. Sexueller Antagonismus, Männerhaus und Frauengarten, Ansprüche auf Arbeit und Nachkommen erscheinen als Weisen, Beziehungen zu trennen und neu zu knüpfen, nicht als Herrschaft eines fertigen Geschlechts über das andere. Strathern nimmt den Feminismus und die marxistische Analyse ernst und zeigt, wo beide das melanesische Material in ein westliches Problem verwandeln: das Problem mit Frauen, das Problem mit Gesellschaft. Gegen Claude Lévi-Strauss, der Frauen als getauschte Zeichen las, und gegen Mauss, dessen Gabe sie im Titel ehrt und verschiebt, setzt sie eine Sicht, in der Tausch nicht Gesellschaft begründet, sondern Gesellschaft in jeder Gabe anders zusammengesetzt wird. Vergleich und Humor halten den Text vor der Schwärmerei: Melanesien ist kein Gegenparadies, sondern ein Ort, an dem westliche Kategorien versagen.
Unsicher wird das Buch durch eben diese Abstraktion. Wer ethnographische Dichte sucht, findet Umwege; wer eine Theorie der Geschlechtergerechtigkeit sucht, findet die Auflösung des Subjekts, das Rechte tragen könnte. Strathern weiß, dass sie frühere eigene Sätze widerruft. Die Gegenposition, ohne die Sprache von Herrschaft und Ausbeutung bleibe Gewalt unsichtbar, lässt sie als westliche Sorge stehen, die das Feld nicht treffen muss. Der Ton ist dicht, ironisch, oft umständlich. Das Missverständnis der Leser war, Melanesien habe kein Individuum; Strathern sagt, das Individuum sei dort nicht die selbstverständliche Einheit der Beschreibung. Später hat sie denselben Blick auf Technik, Verwandtschaft und Markt im Westen gewendet. Dieses Buch schließt die klassisch-melanesische Periode ab und enthält schon die spätere Methode.
Einordnung
Kaum ein ethnologisches Buch der späten achtziger Jahre hat Begriffe so weit über das Fach hinausgetragen: dividuelle Person, Geschlecht der Gabe, Kritik der westlichen Gesellschaft als heimlichem Maß. Es steht neben Mauss’ Essay und neben der feministischen Anthropologie, die es sowohl speist als auch durchkreuzt. Die Nachbarschaft zu Stratherns späteren Schriften über Wissenschaft und Markt ist innerer als die zu älteren Monographien über das Hochland.
Die Aufnahme schwankt zwischen Ehrfurcht und Klage über die Schwere. Geblieben ist die Warnung, Gesellschaft und Geschlecht nicht als Dinge zu behandeln, die man besitzt. Wer nach 1988 über Gabe, Person und Melanesien spricht, spricht hinter diesem Band oder gegen ihn. Die kalifornische Ausgabe hat den sperrigen Atem bewahrt; eine leichte deutsche Übertragung fehlt, und das gehört zur Wirkungsgeschichte.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.
