Das Museum der Unschuld

Orhan Pamuk · 2008 · Roman


Das Werk
Deutscher Titel: Das Museum der Unschuld
Autor(en): Orhan Pamuk
Originaltitel: Masumiyet Müzesi
Originalsprache: türkisch
Erstveröffentlichung: 2008
Schlagwörter: Istanbul, Liebe, Sammlung, Erinnerung
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Fischer Taschenbuch


Umfang dieser Ausgabe: 592 Seiten
ISBN: 9783596177684
Verweise


Das Museum der Unschuld ist der 2008 erschienene Roman von Orhan Pamuk, im türkischen Original Masumiyet Müzesi. Ein reicher Kaufmannssohn aus Istanbul verliert die Frau, die er nicht heiraten wollte, und sammelt danach jahrelang die Dinge, die sie berührt hat. Pamuk hat die Geschichte und das Haus in Çukurcuma zugleich gedacht: 2012 öffnete in Istanbul ein wirkliches Museum, dessen Vitrinen den Kapiteln entsprechen. Der Band steht neben Schnee und den Istanbul-Büchern als das Werk, in dem die Stadt nicht Kulisse ist, sondern das Material der Leidenschaft. Die deutsche Übersetzung von Gerhard Meier erschien im selben Jahr bei Hanser.

Inhalt

Kemal ist dreißig, Sohn eines Fabrikanten, und steht vor der Verlobung mit Sibel, die aus demselben westlich gesinnten Kreis stammt. In einem Geschäft kauft er für sie eine Handtasche und trifft die achtzehnjährige entfernte Verwandte Füsun, die dort aushilft. Aus den Nachhilfestunden für die Universitätsprüfung wird eine heimliche Liebe in einer leerstehenden Wohnung der Familie. Kemal hält an der Verlobung fest, weil Stand und Anstand das verlangen; nach dem Fest verschwindet Füsun. Er sucht sie in den Straßen von Nişantaşı und Beyoğlu, trinkt, lässt die Arbeit liegen und löst endlich die Bindung an Sibel, ohne dass das die Leere füllt. Die Stadt der siebziger Jahre – Filmplakate, Rakı, der Putsch von 1980 am Rand – wird zum Schauplatz einer Obsession, die sich selbst nicht als solche benennen will.

Jahre später schreibt Füsun. Sie hat den Filmemacher Feridun geheiratet, der Geld für einen Streifen braucht; die Einladung gilt dem Kapital und der alten Zuneigung zugleich. Kemal sitzt Abend für Abend bei der Familie am Tisch, fährt mit Füsun ins Kino und stiehlt bei jedem Besuch Kleinigkeiten: Haarspangen, Salzstreuer, Streichholzschachteln, später Tausende von Zigarettenkippen. Er nennt das Sammeln Treue. Füsun bleibt förmlich, Feridun verliebt sich in seine Hauptdarstellerin, die Ehe zerbricht. Nach dem Tod von Füsuns Vater leben Kemal, Füsun und die Mutter zusammen und planen eine Reise nach Paris. In Edirne verunglückt der Wagen: Füsun stirbt, Kemal überlebt schwer verletzt.

Als er wieder gehen kann, kauft er das Haus der Familie und richtet darin das Museum ein, von dem der Titel spricht. Jede Vitrine entspricht einem Kapitel, jedes Objekt einer Stunde, die er nicht zurückholen kann. Er bittet den Schriftsteller Orhan Pamuk, den Katalog zu schreiben – und dieser Katalog ist der Roman, den der Leser in der Hand hält. Kemal wohnt zuletzt in einer Kammer über den Schaukästen und stirbt, nachdem er die Sammlung der Stadt übergeben hat. Die Unschuld, die das Museum behauptet, ist keine der Figuren: Sie liegt in den Dingen, die niemanden mehr anklagen.

Einordnung

Pamuk hat die europäische Tradition des Sammlers – von Balzac bis zum Fetisch der Moderne – nach Istanbul geholt und mit der Form des Museumsromans verbunden. Kemals Blick auf Füsun ist der Blick einer Klasse, die den Westen nachahmt und die eigene Stadt als Ware betrachtet; zugleich ist er der Blick eines Mannes, der die Geliebte nur noch als Spur erträgt. Gegenüber der Die Liebe in den Zeiten der Cholera bleibt hier keine lange Treue, die sich am Ende erfüllt: Die Erfüllung ist die Vitrine. Das wirkliche Museum in Çukurcuma, 2014 als Europäisches Museum des Jahres ausgezeichnet, macht den Kunstgriff unübersehbar: Wer den Roman gelesen hat, geht durch Kemals Begehren, als wäre es Möbel.

Die Verfilmung als Fernsehserie hat den Stoff 2026 einem anderen Publikum geöffnet, ohne die Langsamkeit der Prosa zu ersetzen. Türkische Leser erkannten Straßen und Marken; deutsche Leser erhielten, in Meiers Übersetzung, einen Roman über das Recht, unglücklich zu sein, ohne daraus eine Lehre zu ziehen. Pamuk hat später gesagt, das Buch enthalte alles, was er in seiner Ecke der Welt gesehen habe. Es bleibt das Werk, in dem die Nobelpreisprosa am dichtesten an Alltagsdingen klebt: nicht am Bosporus als Ansichtskarte, sondern am Lippenstift und am leeren Flakon.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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