De vera religione
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | De vera religione |
| Autor(en): | Augustinus |
| Originaltitel: | De vera religione |
| Originalsprache: | lateinisch |
| Erstveröffentlichung: | 390 |
| Schlagwörter: | Wahrheit, Kult, Neuplatonismus, Bekehrung |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Theologie |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Reclam |
| Serie: | Reclams Universal-Bibliothek |
| Umfang dieser Ausgabe: | 247 Seiten |
| ISBN: | 9783150079713 |
| Verweise | |
De vera religione (Über die wahre Religion) ist die um 390 entstandene Frühschrift von Augustinus, drei Jahre nach seiner Taufe und noch bevor er ein kirchliches Amt bekleidete. Sie rechtfertigt vor dem Gönner Romanianus den Bruch mit den Manichäern und die Hinwendung zum Christentum. Augustinus nutzt die neuplatonische Lehre vom Einen und vom Aufstieg des Geistes, zeigt aber deren Grenze im Kult: die Platoniker verehren, was ihrer Einsicht widerspricht. Den Zugang zu einem guten und glückseligen Leben eröffne allein die wahre Religion, die nur einen Gott verehrt. Die Reclamausgabe von Wilhelm Thimme mit dem Nachwort von Kurt Flasch macht den lateinisch-deutschen Text zugänglich.
Inhalt
Das Buch ist gegen zwei Irrwege geschrieben: gegen den Manichäismus, der das Böse zu einer eigenen Macht erhebt, und gegen den gebildeten Götzendienst der Neuplatoniker, die das Eine lehren und die alten Götter weiter verehren. Sokrates und Platon hätten den richtigen Weg eingeschlagen, ihn aber nicht unter das Volk tragen können; erst durch Jesus Christus sei die Lehre Kult geworden. Alles Sein sei gut, weil es vom wahrhaft seienden Gott stammt; das Schlechte sei Mangel an Sein, dem Tod zugewandt, nicht ein zweites Prinzip. Der Mensch sündigt, indem er sich in freiem Willen von Gott abwendet. Gott will nicht um irdischer Güter willen verehrt werden, sondern um seiner selbst willen; wer ihn wie einen Händler um Wohlergehen angeht, hat den Kult schon verfehlt. Augustinus stellt das Judentum hier als Gegenbild dar, das Gott um des irdischen Bundes willen verehre – eine polemische Figur, keine historische Gerechtigkeit.
Der zweite Gedankengang fragt, wie weit die Vernunft vom Sichtbaren zum Unsichtbaren vordringt. Der Geist urteilt über Sinne und Irdisches; das Kriterium des Urteils ist Gleichheit und Einheit, also Wahrheit. Die Wahrheit irrt nicht, der Geist kann irren; also steht die Wahrheit über dem Geist. Gott und die Wahrheit sind dasselbe. Nur der Geist erkennt sie, und nur in ihr wird der Mensch frei, unbesieglich durch die Verehrung dessen, das ihm nicht entzogen werden kann, es sei denn, er wendet sich ab. Hier bricht Augustinus mit der neuplatonischen Theurgie, die den Menschen in der Gottesbegegnung passiv lässt und zwei Wahrheiten erzeugt: die des menschlichen Erkennens und die der göttlichen Werke. Heilige Kultelemente sind für Augustinus nur, was der Vollziehende auch versteht. Der Atheist verehrt nicht nichts; er verehrt das Zeitliche, von dem er Seligkeit hofft, und verfällt damit einem niedrigeren Sein, als seine Vernunft ist.
Unsicher wird die Schrift in der Schärfe gegen andere Kulte und in der Zuversicht, die Vernunft führe eindeutig zu diesem einen Gott. Der frühe Augustinus ist noch Philosoph der Innerlichkeit mehr als Bischof der Gnade; die Härte von De servo arbitrio und die Tiefe der Bekenntnisse liegen vor ihm. Die Abwertung des Leiblichen und die Sorge, irdisches Wohl raube die Glückseligkeit, können als Flucht aus der Welt gelesen werden; Augustinus meint sie als Rangordnung des Seins. Die Gleichsetzung von Gott und Wahrheit rettet den Kult vor der bloßen Rührung und setzt ihn dem Vorwurf aus, Religion in Erkenntnistheorie aufzulösen. Gegen die Manichäer gewinnt er die Güte der Schöpfung; gegen die Akademiker die Möglichkeit gültigen Urteils. Was er noch nicht hat, ist die späte Lehre von der Gnade, die den freien Willen, den er hier noch stark macht, wieder unter Gottes Ratschluss beugt.
Einordnung
Unter den Frühschriften ist De vera religione die klarste Absage an den Manichäismus und die entschiedenste Aneignung Platons durch einen Christen. Sie steht am Weg zu den Bekenntnissen, in denen dasselbe Ich die Zeit und die Erinnerung durchmisst, und vor De civitate Dei, das die wahre Religion in die Geschichte der zwei Städte stellt. Vinzenz von Lérins wird im Commonitorium später gerade die augustinische Gnadenlehre als Neuerung fürchten; der Augustinus von 390 ist noch der Mann der einen Wahrheit und des verständlichen Kultes. Kurt Flasch hat den Text als Dokument des Übergangs gelesen: der Rhetor wird Theologe, ohne die Philosophie zu verabschieden.
Missverstanden wird das Buch, wenn man es als fertige Dogmatik nimmt; es ist Rechtfertigung einer Bekehrung vor einem Freund. Die neuplatonische Leiter bleibt sichtbar, die christliche Spitze ist schon gesetzt. Wer über das Verhältnis von Vernunft und Kult in der Alten Kirche spricht, findet hier die Formel, dass nur verstanden werden darf, was geheiligt, und nur geheiligt, was verstanden wird – eine Zumutung an jede Frömmigkeit, die das Unverständliche für das Heiligere hält.
Ideen
Dieses Buch hängt an diesen Zetteln.
Religion (wichtig)
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
