Der Butt

Günter Grass · 1977 · Roman


Das Werk
Deutscher Titel: Der Butt
Autor(en): Günter Grass
Originaltitel: Der Butt
Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1977
Schlagwörter: Fisch, Köchin, Danzig, Geschlecht
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: dtv


Umfang dieser Ausgabe: 704 Seiten
ISBN: 9783423144803
Verweise


Der Butt ist ein Roman von Günter Grass, 1977 bei Luchterhand erschienen. Er dreht das Märchen vom Fischer und seiner Frau um: Nicht Ilsebill will immer mehr, sondern der Mann, beraten vom sprechenden Plattfisch, macht Geschichte als Gewalt, während Frauen kochen, sättigen und den Hunger der Welt bearbeiten. Grass erzählt vier Jahrtausende an der Danziger Bucht, neun Köchinnen, einen Erzähler, der in allen Zeiten derselbe Mann ist, und ein Frauentribunal von 1974 in Berlin, das den Butt vor Gericht stellt. Das Buch wurde sein breitester Erfolg nach der Blechtrommel. Es ist derb, gelehrt, geschwätzig und eine Geschichte des Essens als Politik.

Inhalt

Der Erzähler zeugt mit der gegenwärtigen Ilsebill ein Kind und kocht derweil die Weltgeschichte herunter. In der Steinzeit lebt er bei Awa, der urgeschichtlichen Köchin und Mutterrechtlerin; der Butt, ein sprechender Fisch, lehrt die Männer, sich der Frauenherrschaft zu entziehen, Fleisch zu wollen, Herrschaft zu wollen. Anders als im Märchen, wo die Frau zu viel verlangt, ist es hier der Mann, der auf den Rat des Fisches hört und Geschichte als Eroberung begreift. Es folgen Köchinnen an der Weichsel und am Haff: die gotische Wigga, die klösterliche Mestwina, die mittelalterliche Dorothea von Montau, die barocke Köchin des Schwedentrunks, die bürgerliche Amanda Woyke mit der Kartoffel, die sozialistische Lena Stubbe, die kriegszeitliche Billy und andere, bis in die Küche der Gegenwart. Jede steht für eine Lage der Ernährung und der Gewalt: Wer den Löffel führt, führt noch nicht das Schwert, und wer das Schwert führt, lässt kochen.

Der Butt rät den Männern zu Aufstieg, Staat, Krieg, Abstraktion. Grass schont sie nicht: Die Männergeschichte erscheint als Reigen der Schädel, bis zu den Raketen des zwanzigsten Jahrhunderts. Die Frauen sättigen, erfinden die Suppe, die Kartoffel, die Konserve, und bleiben in der männlichen Erzählung Rand. 1974 tagt in Berlin ein Tribunal von Feministinnen; der Butt wird angeklagt, die Männer verführt zu haben, und redet sich heraus, wie ein Fisch redet, der alle Jahrhunderte kennt. Ilsebill, schwanger, will nicht die nächste Köchin in der Reihe sein und nicht die Frau im Märchen, die zu viel verlangt. Der Erzähler kocht, beichtet, dichtet und bleibt unzuverlässig: Er war bei allen, er hat alle verlassen, er ist Grass und der Märchenmann.

Nach neun Monaten, neun Kapiteln, wird das Kind geboren, unbekümmert um die gescheiterte Beziehung der Eltern. Der Butt geht ins Wasser zurück oder in den nächsten Satz. Grass hat keine Versöhnung der Geschlechter als Lehre angehängt, nur die Hoffnung auf ein Drittes, das weder Männergewalt noch bloße Umkehr der Herrschaft wäre – und er hat diese Hoffnung im Kind konkretisiert, ohne es zur Allegorie zu erpressen. Die Rezepte, die der Roman einstreut, sind essbar und historisch; die Derbheit ist Programm. Wer nur die Zoten zählt, hat die Kartoffel nicht verstanden, die Amanda den Hungrigen gibt.

Einordnung

Nach der Danziger Trilogie hat Grass mit dem Butt die Weltgeschichte als Küchengeschichte geschrieben, barocker, umfänglicher, streitbarer. Die Frauenbewegung der siebziger Jahre nahm das Tribunal ernst und nahm Anstoß am Erzähler, der alle Köchinnen gehabt haben will. Beides ist im Text angelegt: die Kritik der Männergeschichte und der Mann, der nicht aufhört, sie zu erzählen. Anthony Burgess pries die Lebensfülle; deutsche Stimmen tadelten die Länge und die Selbstfeier. Neben der Blechtrommel, in der Oskar die Geschichte verweigert, indem er nicht wächst, steht der Butt als Gegenstück: Hier wächst alles, Kochtopf und Krieg.

Grass hat später, in der Nobelpreisrede und in den Debatten um seine Biographie, den moralischen Erzähler gegeben; im Butt ist er der Koch, der nicht unschuldig ist. dtv hält den Band in der Werkausgabe greifbar. Verfilmungen haben dem Stoff nicht beigekommen, zu Recht: Ein sprechender Fisch und neun Köchinnen brauchen die Seite, nicht das Bild allein. Wer nach Grass über Essen, Geschlecht und Danzig spricht, spricht hinter diesem Fisch. Er hat den Männern geraten, und der Rat war ein Unheil, das satt machen sollte und totschlug.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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