Der Erwählte

Thomas Mann · 1951 · Roman


Das Werk
Deutscher Titel: Der Erwählte
Autor(en): Thomas Mann
Originaltitel: Der Erwählte
Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1951
Schlagwörter: Inzest, Buße, Papst, Legende
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Fischer Taschenbuch


Umfang dieser Ausgabe: 304 Seiten
ISBN: 9783596904136
Verweise


Der Erwählte ist der Roman von Thomas Mann, 1951 bei S. Fischer erschienen, eine Neuerzählung der Gregoriuslegende nach Hartmann von Aue. Der in inzestuöser Geschwisterliebe Gezeugte heiratet die eigene Mutter, büßt siebzehn Jahre auf einem Stein und wird Papst. Mann stieß auf den Stoff, während er den Doktor Faustus schrieb, und wollte nach der Tragödie ein „in Gott vergnügtes Büchlein“, Trost und Heiterkeit bei düsterster Weltlage. Es ist sein kürzester Roman, zuerst als Novelle gedacht, dann gewachsen. Hermann Hesse nannte ihn eine entzückende Dichtung voll Ironie, hinter der Ernst und Frömmigkeit stehen.

Inhalt

In Flandern-Artois sterben Herzog Grimald und Baduhenna nacheinander; die Zwillinge Sibylla und Wiligis, von ausnehmender Schönheit, wachsen in narzisstischer Geschlossenheit auf. Der Vater lehnt alle Freier der Tochter ab. Nach seinem Tod tröstet das Geschwisterpaar sich auf eine Weise, die zur Schwangerschaft führt. Der Berater Eisengrein schickt Wiligis auf den Kreuzzug, wo er vor der Einschiffung stirbt, und lässt das Kind in einem Fass auf den Ärmelkanal setzen, mit Gold und einer Tafel, die Adel und Inzest bezeugt. Fischer finden den Knaben; der Abt eines Inselklosters gibt ihn einer Familie, erzieht ihn später selbst. Gregorius wird klug, schön, belesen. Ein Streit mit dem Ziehbruder bringt die Herkunft ans Licht. Gregorius nimmt Tafel und Ritterrüstung und fährt ans Festland, die Eltern zu erlösen.

Bei Brügge belagert Herzog Roger die Stadt, um Sibylla zur Frau zu zwingen. Gregorius besiegt ihn im Zweikampf. Der Rat drängt die Herzogin zur Heirat mit dem Befreier; sie willigt ein, ohne den Sohn zu erkennen. Die Ehe, aus der zwei Töchter entstehen, währt Jahre, bis eine Magd die heimlich beweinte Tafel findet. Sibylla erkennt ihre Schrift, Gregorius die Mutter. Er ordnet an, sie solle den Armen dienen, er wolle büßen. Ein Fischer kettet ihn auf einem Stein im See fest. Eine Nährlymphe aus dem Gestein erhält ihn siebzehn Jahre, er schrumpft zum hutzeligen Wesen, überwintert, verbrennt im Sommer.

Nach dem Tod eines Papstes erscheint zwei Römern, einem Geistlichen und einem Laien, die Vision eines Lammes: Der Büßer auf dem flandrischen Stein sei der nächste Papst. Sie finden den Schlüssel zu seiner Fessel im Leib eines Fisches, den der spottende Fischer einst versprochen hat. Auf dem Stein sitzt ein borstiges Tierlein, das grammaticam, divinitatem und legem studiert hat. Auf der Rückfahrt wird Gregorius wieder Mensch, in Rom Papst, klug und glanzvoll. Jahre später pilgert die gealterte Sibylla nach Rom. Mutter und Sohn stellen sich erst fremd, dann fallen sie einander in die Arme und bekennen, bei der Hochzeit die Identität geahnt zu haben. Die Gnade schließt den Kreis, ohne die Schuld zu tilgen.

Einordnung

Mann hat den christlichen Ödipus als Sprachkunststück erzählt: der „Geist der Erzählung“ schiebt den Iren Clemens vor, Stilhöhen wechseln, das Murmeltier auf dem Felsen ist Spott und Wunder zugleich. Der Inzest, den Mann schon in Wälsungenblut behandelt hatte, wird hier durch Einschachtelung und Legendenton erträglich und komisch, ohne leicht zu werden. Schuld erscheint als Selbstliebe, Erwählung als Schwere. Michael Maar hat das Buch das kostbarste unter den Spätwerken genannt, den Autor den Papst der komischen Prosa.

Nach dem Doktor Faustus ist Der Erwählte das Satyrspiel: dort der Pakt und Deutschland, hier die Gnade, die kein Verdienst voraussetzt. Neben den Joseph-Romanen steht die heitere Gelehrsamkeit, die Humanität als Form. Wer Mann nur als Ironiker des Bürgerhauses kennt, findet hier Mittelalter, Wunder und eine Frömmigkeit, die lacht. Die Fischer-Klassik-Ausgabe folgt der Großen kommentierten Frankfurter Ausgabe. Das Büchlein, das trösten sollte, tröstet, indem es die Ungeheuerlichkeit der Gnade ernst und die Ungeheuerlichkeit der Zeugung leicht nimmt.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.