Der Fall

Albert Camus · 1956 · Roman


Das Werk
Deutscher Titel: Der Fall
Autor(en): Albert Camus
Originaltitel: La Chute
Originalsprache: französisch
Erstveröffentlichung: 1956
Schlagwörter: Amsterdam, Beichte, Schuld, Anwalt
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Rowohlt


Umfang dieser Ausgabe: 128 Seiten
ISBN: 9783499001697
Verweise


Der Fall ist der 1956 bei Gallimard erschienene letzte vollendete Roman von Albert Camus, im Original La Chute. Ein ehemaliger Pariser Anwalt redet in Amsterdam ununterbrochen auf einen stummen Zuhörer ein und macht aus der Beichte ein Gericht, in dem er selbst Ankläger und Angeklagter ist. Camus hatte den Text zuerst für den Novellenband Das Exil und das Reich vorgesehen; er wuchs über die Form hinaus und kam einzeln heraus, ein Jahr vor dem Nobelpreis. Wer den Titel mit Franz Kafka verwechselt, liest den falschen Fall: Hier stürzt niemand durch ein Verfahren von außen, sondern durch ein Lachen, das von der Brücke kommt. Grete Osterwald hat die neuere deutsche Fassung geschrieben.

Inhalt

In der Bar Mexico City, im ehemaligen Judenviertel, dessen Bewohner »Platz gemacht« haben, spricht Jean-Baptiste Clamence einen Landsmann an, übersetzt die Bestellung und beginnt. Er sei in Paris ein gefeierter Anwalt der Witwen und Waisen gewesen, habe Blinden über die Straße geholfen und sich auf Gipfeln wohlgefühlt, wo die Tugend sich selbst belohnt. Eine Nacht auf der Pont Royal: Eine Frau beugt sich über das Geländer, fällt oder springt, Clamence geht weiter. Er lebt wie zuvor, bis ihn auf der Pont des Arts ein Lachen trifft, das nicht vergeht. Ein Streit an einer Ampel, ein Motorradfahrer, ein Schlag ins Gesicht, den er nicht zurückgibt: Das Bild des Helfers bricht. Er merkt, dass er den Hut vor Blinden zog, damit die Sehenden ihn sahen.

Clamence versucht, das Lachen auf seine Seite zu ziehen, indem er den Ruf zerstört, fällt unmögliche Sätze, gilt als Witzbold. Er schließt die Kanzlei, flüchtet in Ausschweifungen, weil niemand in seinen Lüsten heuchelt, und landet in Amsterdam, unter dem Meeresspiegel, in konzentrischen Grachten, die er mit Dantes Höllenkreisen vergleicht. Der innerste Kreis ist das Viertel der Bordelle und die Bar. Er nennt sich Bußrichter: Er klagt die Menschheit an, indem er sich anklagt, und zwingt den Zuhörer, mitzuschuldig zu werden. In seiner Wohnung hängt eine Tafel der gerechten Richter vom Genter Altar, das 1934 gestohlene Stück; wer sie besitzt, trägt eine strafbare Schuld und kann endlich büßen, wo die Gesellschaft die unterlassene Hilfe nicht ahndet.

Der Krieg kommt in der Erzählung als Feigheit vor: Clamence erwägt die Résistance, flieht nach Afrika, wird interniert. Die Beichte hat fünf Gänge, vom Mexico City bis zur Kammer, und keinen Gegensprecher. Der Zuhörer, den wir nur aus Clamences Anreden kennen, soll am Ende selbst fallen, selbst beichten, selbst Richter werden. Clamence wartet auf Wiederholung der Brückennacht, auf eine zweite Frau, einen zweiten Sprung, den er diesmal nicht versäumen würde – und fürchtet, dass der Wunsch Lüge bleibt. Der Roman endet im Konjunktiv der Tat, die nicht geschieht. Der Fall ist vollständig, die Buße eine Methode, andere mit hinabzuziehen.

Einordnung

Camus hat nach Der Fremde und Die Pest die Stimme gewechselt: nicht mehr die flachen Sätze Meursaults, nicht die Chronik der Stadt, sondern den unendlichen Monolog eines Mannes, der das Gute als Machtmittel durchschaut hat. Clamence steht in der Reihe von Dostojewskis Aufzeichnungen aus dem Kellerloch und Michail Lermontows Held unserer Zeit: der moderne Mensch, der sich selbst zum Fall macht, um nicht von anderen gerichtet zu werden. Amsterdam unter Null, die geraubten Richter, das Lachen auf der Brücke – das sind Bilder, keine Lösungen. Jean-Paul Sartre nannte den Roman den vielleicht schönsten und am wenigsten verstandenen.

Die Neuübersetzung von 2023/24 und Iris Radischs Nachwort haben den Text wieder in die Mitte gerückt, weg vom Schulklischee des Absurden. Wer Camus nur als Moralisten der Revolte kennt, findet hier den Verdacht gegen die eigene Wohlanständigkeit. Der Bußrichter predigt keine Umkehr; er organisiert Komplizenschaft. Neben dem Kellerloch und dem Fremden bleibt Der Fall das Buch, in dem Hilfe unterlassen wird und das Leben danach aus dieser Unterlassung besteht. Franz Kafka hat Verfahren und Türhüter; Camus hat eine Bar, einen Stummen und einen Mann, der nicht aufhört zu reden.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.

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