Der Fall Charles Dexter Ward

H. P. Lovecraft · 1943 · Roman


Das Werk
Deutscher Titel: Der Fall Charles Dexter Ward
Autor(en): H. P. Lovecraft
Originaltitel: The Case of Charles Dexter Ward
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 1943
Schlagwörter: Providence, Ahne, Totenbeschwörung, Wahnsinn
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Suhrkamp


Umfang dieser Ausgabe: 227 Seiten
ISBN: 9783518382820
Verweise


Der Fall Charles Dexter Ward ist die 1927 geschriebene, 1941 gekürzt und 1943 vollständig erschienene Erzählung von H. P. Lovecraft, im Original The Case of Charles Dexter Ward, sein längster abgeschlossener Prosatext. Lovecraft hat ihn zu Lebzeiten nicht als Buch gesehen; August Derleth und Donald Wandrei holten ihn nach. Der Schauplatz ist Providence, Rhode Island, Lovecrafts Stadt, mit Gassen, Friedhöfen und dem Gerücht der Kolonialzeit. Es ist kein reines Ungeheuerbuch: Der Schrecken sitzt in der Genealogie, im Porträt, das den Enkel anstarrt, und in der Chemie der Gräber. Die Suhrkamp-Ausgabe der Phantastischen Bibliothek bindet den Text oft mit Schatten über Innsmouth.

Inhalt

Charles Dexter Ward, junger Altertumsfreund aus gutem Haus in Providence, stößt auf den Ahnen Joseph Curwen, einen Kaufmann des achtzehnten Jahrhunderts, den die Stadt einst als Zauberer und Leichenräuber vertrieb oder zu töten glaubte. Ward treibt die Ähnlichkeit um: das Gesicht im Bild, die Handschrift, die Experimente. Er schreibt an europäische Gelehrte, beschafft Staub und Salze, mietet Gehilfen, gräbt. Der Hausarzt Marinus Bicknell Willett und der Vater Theodore Howland Ward sehen den Verfall: Charles meidet das Licht, spricht in einer älteren Stimme, führt Gespräche hinter verschlossener Tür. Aus dem Grab Curwens und aus Schächten unter dem Haus steigt, was Ward gerufen hat. Lovecraft erzählt als Fallakte, mit Briefen, Tagebuchblättern, dem Ton einer Untersuchung, die zu spät kommt.

Willett begreift, dass Curwen nicht tot war in dem Sinn, den die Stadt meinte. Der Ahne hat ein Verfahren, aus den wesentlichen Salzen eines Toten den Menschen zurückzurufen, zu befragen, wieder aufzulösen; er hat in den Kolonien und in Europa Komplizen, Namen, die in Lovecrafts späterem Kreis wiederkehren. Ward wird Gefäß. Der Körper des Jünglings bleibt, der Wille ist der des Alten. In den Katakomben unter Pawtuxet stößt Willett auf Gruben, Gehege, halbfertige Wesen, den Gestank der Lehre. Er spricht Formeln, die er nicht ganz versteht, und kehrt mit einer Erkenntnis zurück, die der Roman nicht als Triumph ausstellt: Man kann den Gerufenen zurückschicken, wenn man den Namen und das Pulver kennt.

Der Schluss ist ärztlich und grausam. Willett sorgt dafür, dass das, was als Charles spricht, nicht weiterlebt. Der junge Ward ist zu diesem Zeitpunkt bereits verloren; was man begräbt, ist die Entwendung. Providence bleibt stehen, die Giebel, die Universität, der Fluss. Lovecraft hat die Stadt nicht zur Kulisse gemacht: Wer die Straßen kennt, die er selbst abschritt, liest den Fall als Nachbarschaftsgeschichte. Die Ungeheuer sind weniger Tentakel als der Gedanke, dass Abstammung ein Vertrag mit den Toten sein kann. Willett überlebt als Zeuge, nicht als Held.

Einordnung

Unter Lovecrafts Texten ist der Fall der am ehesten romanhaft gebaute: Untersuchung, Dokument, Arzt gegen Ahne. Er gehört zum Kreis um Cthulhu, ohne dass der Name die Mitte hält; Curwen reicht an Yog-Sothoth und an das Necronomicon, aber die Angst bleibt bürgerlich – das Haus, der Sohn, das Porträt. Verglichen mit der kurzen Feinheit von The Call of Cthulhu ist dieser Text breit, manchmal umständlich, genau darin ein Roman der Nachforschung. Derleth hat den Mythos später systematisiert; Lovecraft selbst lässt die Ränder offen.

Verfilmungen und Hörspiele haben aus Willett oft einen Detektiv gemacht und aus Curwen ein Monster mit Maske. Der Text ist kälter: Die Wissenschaft des achtzehnten Jahrhunderts und die des zwanzigsten treffen sich in derselben Hybris, den Toten als Material zu nehmen. In der Suhrkamp-Tradition der Phantastischen Bibliothek stand der Band neben den Innsmouth-Schatten als Einfuhr des amerikanischen Schreckens in die deutsche Nachkriegsliteratur. Wer Lovecraft nur als Verfasser von Tentakeln kennt, findet hier den Genealogen, der Providence liebte und ihr die Toten unter die Fundamente legte.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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