Der Hase mit den Bernsteinaugen

Edmund de Waal · 2010 · Erinnerungsprosa


Das Werk
Deutscher Titel: Der Hase mit den Bernsteinaugen
Autor(en): Edmund de Waal
Originaltitel: The Hare with Amber Eyes. A Hidden Inheritance
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 2010
Schlagwörter: Netsuke, Familie, Wien, Erinnerung
Sachgebiete: Erinnerungsprosa
Greifbare Ausgabe
Verlag: dtv


Umfang dieser Ausgabe: 352 Seiten
ISBN: 9783423142120
Verweise


Der Hase mit den Bernsteinaugen ist keine erfundene Geschichte im engen Sinn, sondern Erinnerungsprosa von Edmund de Waal, 2010 in London erschienen, 2011 deutsch bei Zsolnay. Der Töpfer und Schriftsteller erbt 264 Netsuke, japanische Miniaturschnitzereien aus Holz und Elfenbein, und folgt ihnen durch die Familie Ephrussi von Odessa über Paris und Wien nach Tokio und London. Das Lemma gilt manchen als Roman; der Text selbst ist Familienerkundung, Kunstgeschichte und Bericht vom Verlust. Er wurde ein Bestseller; Wien verteilte 2021 hunderttausend Exemplare. Der Hase mit den Bernsteinaugen, ein Netsuke unter vielen, gibt dem Buch den Namen und der Sammlung ein Gesicht.

Inhalt

De Waal, Ururenkel von Ignaz von Ephrussi, ordnet sich in einem verzweigten sephardischen Geschlecht, das im neunzehnten Jahrhundert von Odessa nach Wien und Paris ging und mit Verbindungen ins Zarenreich Bankgeschäfte machte, den Rothschilds benachbart und nie ganz dasselbe. Im Mittelpunkt steht nicht die Bilanz, sondern der Weg der Netsuke. Charles Ephrussi, Kunstsammler und Vorbild für Marcel Prousts Swann, kauft die Sammlung in Paris, im Japanismus der Zeit. Er schenkt sie dem Wiener Vetter Victor Ephrussi. Die Figuren – Hase, Nussknacker, Wanderer – liegen in Vitrinen des Palais, Kinder dürfen sie anfassen, das Dienstmädchen kennt sie.

1938 beschlagnahmt der nationalsozialistische Staat das Palais, die Bilder, das Silber; die Netsuke sind klein genug zum Verstecken. Das Kindermädchen Anna näht sie in eine Matratze, bewahrt sie durch die Jahre der Arisierung und gibt sie nach 1945 der Familie zurück. Fast alles andere bleibt weg: Renoirs und Monets, die zähe Restitution, das Bankhaus. De Waal fährt nach Odessa, Paris, Wien, Tokio, spricht mit Archiven und Verwandten, zweifelt an der eigenen Rolle. Er stellt je ein Familienmitglied in den Mittelpunkt, das eher kulturellen Einfluss als bloßen Reichtum meint. Die Dinge überleben die Besitzer; die Besitzer sterben, emigrieren, werden ermordet.

Am Ende besitzt der Erzähler die Sammlung in London, töpfert selbst, schreibt, wie Dinge Erinnerung halten, ohne sie zu ersetzen. Die Netsuke sind keine Allegorie, die man abstreift: Man kann sie in die Hand nehmen. De Waal mischt Ich und Chronik, Stammbaum und Zimmerbeschreibung. Historiker haben Zahlen und Personen nachgetragen, die fehlen – den Bankchef Alexander Weiner, die genaue Rangstelle Ignaz' unter den Reichen Wiens –, und gefragt, ob Anna so auffindbar sei. Der Autor nimmt sich die Freiheit der Erinnerung. Das Buch schließt nicht mit einem Urteil über Europa, sondern mit 264 kleinen Körpern, die durch die Katastrophe gegangen sind.

Einordnung

De Waal hat eine Kunstsammlung zum Faden einer jüdischen Familiengeschichte gemacht, näher bei der Essayistik als beim Gesellschaftsroman. Die Feuilletons feierten die Kartografie des Erinnerns; Kritik nannte Ungenauigkeiten und Erfindung. Beides kann nebeneinander stehen, wenn man den Text nicht als Akte des Bankhauses liest. 2019 zeigte Wien eine Ausstellung zu den Ephrussis; ein Musical nahm den Hasen auf die Bühne. Das Verfahren – ein Objekt, fünf Generationen – hat Nachfolger gefunden und bleibt an die Netsuke gebunden.

Als Roman im engen Sinn gilt das Buch nicht, auch wenn es erzählt wie einer. Wer nach 2010 über Restitution, Wien und Dinge, die überleben, sprach, hatte diesen Hasen in der Hand. Die dtv-Ausgabe, übersetzt von Brigitte Hilzensauer, macht die 352 Seiten zum Taschenbuch der Familienerinnerung. Es erhebt Einspruch gegen den Irrwitz der Geschichte, indem es bei Charles' Kauf, Annas Matratze und dem Töpfer in London bleibt, der die Figuren zählt und nicht besitzt, als wären sie nur Geld.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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