Der Mann Moses und die monotheistische Religion
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Der Mann Moses und die monotheistische Religion |
| Autor(en): | Sigmund Freud
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| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 1939 |
| Schlagwörter: | Moses, Monotheismus, Trauma, Geistigkeit |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Psychologie |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Reclam
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| Umfang dieser Ausgabe: | 216 Seiten |
| ISBN: | 9783150187210 |
| Verweise | |
Der Mann Moses und die monotheistische Religion ist die letzte Schrift von Sigmund Freud, 1939 im Amsterdamer Exilverlag De Lange erschienen, im Todesjahr, nach der Flucht aus Wien. Freud nimmt dem Judentum den Mann, den es als größten Sohn rühmt, und nennt Moses einen Ägypter, der den hebräischen Stämmen die Aton-Religion Echnatons gebracht habe. Die Studie bündelt Religionskritik, Archäologie und die Lehre vom Vatermord, die Freud in Totem und Tabu vorgelegt hatte. Lange hielt er das Manuskript zurück, aus Furcht, in Wien die Psychoanalyse zu gefährden; in London schrieb er den dritten Teil zu Ende. Die Angaben der Infobox folgen der Reclam-Ausgabe mit dem Nachwort von Jan Assmann.
Inhalt
Freud schreibt gegen die fromme und gegen die nationale Lesart der Exodusgeschichte. Die Bibel, so die Behauptung, hat einen historischen Kern und hat ihn zugleich unkenntlich gemacht. Moses sei kein Hebräer, sondern ein Ägypter gewesen, vielleicht Priester oder Statthalter unter Echnaton; die Sprachschwierigkeit, derentwegen er Aaron braucht, und der Familienroman der Aussetzung sollen das belegen. Echnaton habe den Amun-Kult und den Totenpracht der Vielgötterei durch den einen Sonnengott Aton ersetzt, eine Religion der Moral ohne Jenseits. Nach Echnatons Tod siegte die alte Priesterschaft; Moses habe die Lehre den semitischen Stämmen mitgegeben und sei mit ihnen gezogen. Freud stützt sich auf James Henry Breasted, Eduard Meyer und Ernst Sellin und weiß, dass er einem Volk den Stifter nimmt. Die Wahrheit, schreibt er, dürfe nationalen Interessen nicht weichen.
Auf der Sinaihalbinsel, so die Konstruktion, vermischten sich die Flüchtlinge mit Midianitern, die den Vulkangott JHWH verehrten. Es kam zu einem Religionskrieg; Moses wurde erschlagen. Die Leviten hielten die Aton-Lehre fest. Über Generationen verwandelte sich das schlechte Gewissen über den Vatermord in ein Trauma und in Mosesverehrung, die die späteren Schriften mystifizierten. Im babylonischen Exil glorifizierten die Propheten die Moseszeiten und hielten den Glauben an den Messias wach. Paulus, ein Jude aus Tarsus, habe das Schuldbewusstsein aufgegriffen und Erbsünde genannt: ein Verbrechen gegen Gott, das nur durch den Tod zu sühnen war. An die Stelle der Erinnerung an den Mord trat die Phantasie der Erlösung; ein Sohn Gottes ließ sich töten, weil der Mord am Vater geschehen war. Christus wird so zum Ersatzmann des ersten Messias, Moses. Die Masse, sagt Freud, braucht eine Autorität, der sie sich beugt: die Sehnsucht nach dem Vater.
Der dritte Teil trägt die Last und die Unsicherheit. Freud nennt das Buch selbst einen historischen Roman und hat Arnold Zweig gegenüber die Schwäche der Konstruktion eingestanden. Die ägyptologische Stütze ist dünn; der Prinz Thotmes von Amarna, den Freud einen Augenblick für seinen Moses hielt, bleibt eine Notiz. Was trägt, ist weniger die Biographie als die Kulturtheorie: der Monotheismus als Fortschritt in der Geistigkeit, das Bilderverbot als Impuls gegen Magie und Götzen, der Antisemitismus als Aufbegehren gegen den Triebverzicht, den diese Religion verlangt. Der Judenhass der Völker, die unter einer dünnen Tünche von Christentum Barbaren des Vielgötterglaubens geblieben seien, sei im Grunde Christenhass, verschoben auf die Quelle, aus der das Christentum kam. Das Gottesbedürfnis bleibt infantil; der Forscher, der nicht glaubt, beneidet den, dem die Welt kein Problem ist, weil ein großer Geist sie eingerichtet hat. Freud heilt diesen Neid nicht.
Einordnung
Kein Buch Freuds ist so lange als Missgriff gelesen worden, und keines hat die kulturwissenschaftliche Rede über Gedächtnis und Tradition später so sehr beschäftigt. Yosef Hayim Yerushalmi und Jacques Derrida haben die Mosesstudie als Theorie des Archivs gelesen; Jan Assmann hat von ihr den Weg zu Moses der Ägypter genommen und die Debatte über Monotheismus und Gewalt mit angestoßen. Neben Totem und Tabu ist dies die Anwendung der Vatertötung auf ein Volk, das Freud das seine nannte, geschrieben unter der Verfolgung, die er erklären wollte, ohne sie zu entschuldigen. Die Kritik hat die ägyptische Konstruktion verworfen und die Kühnheit behalten: dass eine Religion die Spur eines Mordes trägt und der Fortschritt der Geistigkeit teuer ist.
Wer nach 1939 über Judentum, Bilderverbot und den Ursprung des Antisemitismus spricht, kommt an diesem letzten Freud vorbei oder arbeitet gegen ihn. Die Reclam-Ausgabe macht die Abhandlung wieder zum lesbaren Buch, nicht zum Kuriosum des Alters. Geblieben ist weniger der Ägypter Moses als der Satz, dass der Hass gegen die Juden ein Hass gegen die Zumutung des Geistes sein kann.
Ideen
Dieses Buch hängt an diesen Zetteln.
Religion (wichtig)
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.
