Der Nachsommer

Adalbert Stifter · 1857 · Roman


Das Werk
Deutscher Titel: Der Nachsommer
Autor(en): Adalbert Stifter
Originaltitel: Der Nachsommer
Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1857
Schlagwörter: Bildung, Rosenhof, Ordnung, Liebe
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Reclam


Umfang dieser Ausgabe: 904 Seiten
ISBN: 9783150183526
Verweise


Der Nachsommer ist der 1857 in drei Bänden erschienene Roman von Adalbert Stifter, im Untertitel eine Erzählung. Ein junger Mann aus Wien wird auf Wanderungen in den Rosenhof eines älteren Gutsherrn aufgenommen, lernt dort Natur, Kunst und Maß und heiratet die Tochter einer Freundin des Hauses; das ältere Paar hat denselben Bund in der Jugend verfehlt und lebt ihn als Nachsommer, ohne Ehe. Stifter hat gegen die beschleunigte Zeit nach 1848 ein Buch der Stetigkeit geschrieben, das Nietzsche später zu den wenigen deutschen Prosawerken zählte, die er immer wieder lese. Wer Handlung als Verwicklung sucht, findet Beschreibung; wer Beschreibung als Leere nimmt, hat den Willen des Buchs nicht gehört.

Inhalt

Der Ich-Erzähler, erst spät Heinrich Drendorf genannt, wächst in einer Kaufmannsfamilie auf, die jedes Zimmer von den Spuren des Gebrauchs freihalten will. Der Vater, selbst aus einfachen Verhältnissen aufgestiegen, verweigert dem Sohn einen nützlichen Stand: Der Mensch sei zuerst seiner selbst willen da; wer zum Maler geschaffen sei, diene der Gesellschaft schlecht als Gerichtsmann. Heinrich studiert Techniken der Arbeit, dann Pflanzen, Tiere, Gestein, zeichnet, vergleicht das Kleine mit dem Großen. Vor einem Gewitter lockt ihn eine Rosenwand in den Asperhof. Der Besitzer, Gustav Freiherr von Risach, nimmt ihn auf, zeigt den ökologisch geführten Betrieb, die Schreinerwerkstatt des Meisters Eustach, die Sammlung alter Geräte, die der Bruder Roland vor dem Verfall rettet, und auf der Marmortreppe eine antike Mädchenskulptur, die Risach in Italien aus Gerümpel gezogen hat. Heinrich kehrt wieder. Zur Rosenblüte kommen Mathilde und ihre Tochter Natalie vom benachbarten Sternenhof. Heinrich erkennt in Natalie das Geschlecht der Statue und der Nausikaa; die Liebe bleibt lange ungesagt.

Risach führt den Gast über Jahre in seine Arbeit ein: Wetter aus Insekten und Vögeln, Boden, Vögel, Kirchenrenovierung, Geräte, die am Alten gelernt und für die Gegenwart gemacht sind. Heinrich steigt im Winter auf einen Gletscher und sieht einen Sonnenaufgang, der die Naturwissenschaft in Ehrfurcht kippt. Vor einer Brunnennymphe aus Marmor in Mathildes Grotte gestehen Heinrich und Natalie einander die Neigung und machen die Ehe von der Zustimmung der Familien abhängig. Erst danach erzählt Risach die Vorgeschichte. Als Hauslehrer auf Heinbach liebte er Mathilde; die Eltern verlangten Aufschub, weil sie jung und er ohne Beruf war; er unterwarf sich und teilte ihr das Gebot mit. Mathilde nahm das als Verrat, rief die Rosen der Hecke zu Zeugen an; Risach presste die Dornen in die Hand. Sie heiratete den Grafen Tarona, er ging in den Staatsdienst, machte Karriere, heiratete vernünftig, erbte, kündigte, weil ihn das Amt vom Wesen der Dinge trennte, und pflanzte die Rosenwand als Denkzeichen.

Mathilde steht eines Tages vor derselben Wand; beide sind allein, alt genug für das, was Risach Nachsommer nennt: Glück und Stetigkeit ohne den Sommer davor. Eine Ehe will Mathilde nicht. Heinrich und Natalie heiraten; die Familien treten zusammen. Risach hat gesagt, auf der Familie ruhten Kunst, Wissenschaft und Staat, und dass ein geordnetes Haus jetzt nötiger sei als Aufschwung. Der Roman endet in dieser Ordnung. Nichts Blutiges geschieht auf der Bühne; das Unheil ist die verfehlte Jugend, und sie wird nicht nachgeholt, nur umgewendet.

Einordnung

Stifter hat den Bildungsroman nach Goethes Wilhelm Meisters Lehrjahre an einen Ort geführt, an dem die Lehre nicht mehr in die Welt, sondern in den Hof zurückgeht. Die Restauration der Möbel ist das Programm: bewahren, reinigen, dem Wesen gemäß handeln, die Maschine der Bedürfnisse nicht zum Herrn machen. Zeitgenossen fanden das Buch langsam und weltfremd; genau diese Langsamkeit ist die Absicht. Nach 1848, nach den Karlsbader Resten und der neuen Industrie, entwirft Stifter eine Enklave, die nicht die Politik ändert, sondern den Umgang mit Dingen und Menschen. Die Gefahr ist erkannt: Die Idylle kostet das Leben, das draußen bleibt, und die Strenge der Väter, die Heinrich zuerst spürt, kehrt als ästhetisches Gesetz wieder.

Friedrich Nietzsche hat den Nachsommer neben Figaro und der Bibel zu den Büchern gelegt, die er nicht missen wollte; später haben ihn die einen als Biedermeier verharmlost, die anderen als Gegenmittel zur Beschleunigung gelesen. Reclam gibt den Text unmodernisiert nach dem Erstdruck. Wer Stifter nur aus den sanften Dorfgeschichten kennt, trifft hier den Willen zur Totalität: Jeder Vogel, jede Fuge, jede Rose ist genannt, weil das Ungenannte die Ordnung gefährden würde. Der Nachsommer ist keine Versöhnung nach einem Sommer der Leidenschaft, sondern die Leidenschaft, die zu spät kam und sich in Pflege verwandelt hat. Heinrich erbt das Gelingen, das Risach und Mathilde sich selbst versagt haben; das ist das Glück des Buchs und seine Kälte.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.

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