Der Selbstmord Europas

Douglas Murray · 2017 · Sachbuch, Politik


Das Werk
Deutscher Titel: Der Selbstmord Europas
Autor(en): Douglas Murray
Originaltitel: The Strange Death of Europe: Immigration, Identity, Islam
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 2017
Schlagwörter: Einwanderung, Identität, Islam, Europa
Sachgebiete: Sachbuch, Politik
Greifbare Ausgabe
Verlag: FinanzBuch Verlag
Serie: Edition Tichys Einblick
Umfang dieser Ausgabe: 384 Seiten
ISBN: 9783959721059
Verweise


Der Selbstmord Europas ist das 2017 in London erschienene Zeitbuch von Douglas Murray über Einwanderung, Identität und Islam; die deutsche Übersetzung von Krisztina Koenen kam 2018 im FinanzBuch Verlag heraus. Der englische Titel spielt auf George Dangerfields The Strange Death of Liberal England von 1935 an. Murray behauptet, die europäische Zivilisation überlebe ihre eigene Politik nicht: Masseneinwanderung bei niedrigen Geburtenraten treffe auf einen Kontinent, der das Vertrauen in die eigene Überlieferung verloren habe. Das Buch stand in Großbritannien auf den Verkaufslisten und erreichte in deutscher Sprache binnen drei Jahren die siebte Auflage. Es ist Streitschrift, nicht Verwaltungsbericht.

Inhalt

Murray schreibt gegen die Auskunft, Vielfalt und Achtung vor dem Fremden ersetzten das geschichtlich gewachsene Selbstverständnis Europas. Herrschaft des Rechts, säkulare Öffentlichkeit und die Gleichheit der Geschlechter seien keine beliebigen Vorlieben, sondern Bedingungen des Zusammenhalts; wer sie relativiere, um niemanden zu verletzen, höhle sie aus. Die etablierten Machtzentren hätten unter den Worten Respekt, Duldsamkeit und Vielfalt eine organisierte Selbstverleugnung betrieben, die ein paar Jahre zu ertragen sei, aber keinen inneren Halt mehr gebe. Parallelgesellschaften und die Scheu, kulturelle Konflikte beim Namen zu nennen, seien keine Randerscheinungen, sondern das Muster. Europa lade Menschen ein, deren Herkunftsgesellschaften die hier geltenden Freiheiten oft nicht teilen, und bestrafe zugleich die eigene Bevölkerung, wenn sie das ausspricht.

Die Belege sind Fälle und Reisen. In Bradford verliert ein Schulleiter Amt und Ansehen, weil er in einer kleinen Zeitschrift beschreibt, dass muslimische Väter ihren Töchtern Tanz, Theater und Sport verbieten und die Behörden schweigen; gerichtlich rehabilitiert, wird er durch Kampagnen in den vorzeitigen Ruhestand gedrängt. Ähnliche Geschichten holt Murray aus Schweden, Frankreich, den Niederlanden und Deutschland: Sexualstraftaten, die statistisch beschönigt oder ethnisch nicht ausgewiesen werden; Terroranschläge, nach denen zuerst der Zusammenhalt beschworen wird; Kirchen, die sich leeren, während Moscheen wachsen. Die Eliten, so die Behauptung, sähen die Zahlen und wählten trotzdem die Fortsetzung, geblendet von der Vision eines neuen europäischen Menschen. Der Titel meint keinen Unfall, sondern eine Entscheidung: Selbstmord, nicht Ermordung von außen.

Unsicher wird die Beweisführung, wo aus Einzelfällen eine Gesetzmäßigkeit des Untergangs wird und wo die Ursachen – Arbeitskräftebedarf, Asylrecht, Kolonialgeschichte, niedrige Geburtenziffern – in eine einzige Absicht zusammengezogen werden. Murray nimmt es mit der sachlichen Richtigkeit nicht immer genau; Paul Simon hat in der Zeit von einer zur Schrift gewordenen geschlossenen Nachrichtenwelt gesprochen. Die Nähe zur Rede vom großen Austausch ist spürbar, auch wo der Autor sie nicht ausdrücklich übernimmt. Der Ton ist journalistisch, oft anklagend, selten abwägend. Die Schrift ist Anklage der Eliten, keine Migrationssoziologie, und sie stellt gleichwohl die Frage, was eine Gesellschaft zusammenhält, wenn sie ihre Überlieferung für verdächtig erklärt.

Einordnung

Rod Liddle nannte das Buch in der Sunday Times brillant und deprimierend; Clive Davis las in der Times eine so reißerische Tirade, dass sie einem überdrehten Leitartikel gleiche. Gaby Hinsliff sprach im Guardian von für die Mittelschicht aufpolierter Fremdenfeindlichkeit, Jonathan Portes von einer abgeschwächten Form der Verschwörungstheorie des großen Austauschs, Pankaj Mishra in der New York Times von einer praktischen Zusammenfassung rechtsextremer Klischees. In Deutschland erschien die Übersetzung in der Edition Tichys Einblick und wurde dort als Analyse gefeiert, in der übrigen Feuilletonlandschaft überwiegend als rechte Streitschrift abgewiesen. Die Wirkung liegt in der politischen Sprache, nicht in der Fachwissenschaft: Sätze über Selbstverleugnung und Parallelgesellschaft sind seither Gemeingut einer Öffentlichkeit, die Murray entweder als Warner oder als Brandstifter führt.

Nachbarschaft hat das Buch zu älteren Untergangsschriften und zu Karl Poppers Die offene Gesellschaft und ihre Feinde nur im Titelwort der offenen Gesellschaft, die Murray verteidigen will und deren Feinde er anders bestimmt als Popper. Das Missverständnis liegt darin, die Schrift für Demographie oder für bloße Islamkritik zu halten; sie ist eine These über den Willen Europas, es selbst zu bleiben. Nach 2015 ist sie der Text, an dem Zustimmung und Widerspruch zur Einwanderungspolitik sich abgearbeitet haben.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.

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