Der Treppenwitz der Weltgeschichte. Geschichtliche Irrtümer, Entstellungen und Erfindungen
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Der Treppenwitz der Weltgeschichte. Geschichtliche Irrtümer, Entstellungen und Erfindungen |
| Autor(en): | William Lewis Hertslet
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| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 1882 |
| Schlagwörter: | Irrtum, Anekdote, Weltgeschichte, Zitat |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Geschichte |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Ullstein
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| Umfang dieser Ausgabe: | 448 Seiten |
| ISBN: | 9783548356679 |
| Verweise | |
Der Treppenwitz der Weltgeschichte. Geschichtliche Irrtümer, Entstellungen und Erfindungen ist das 1882 bei Haude & Spener in Berlin erschienene Buch von William Lewis Hertslet. Der Bankier aus Memel, in Berlin tätig, sammelte Aussprüche und Szenen, die so nicht stattgefunden haben oder erst auf der Treppe einfielen, wenn die Szene vorbei war: das Wort, das man hätte sagen sollen, und das Wort, das die Nachwelt dem Toten in den Mund legt. Die erste Auflage zählte sechzig Seiten; die vierte von 1895 schon über vierhundert. Nach Hertslets Tod führten Hans Ferdinand Helmolt, Friedrich Wencker-Wildberg und andere das Buch durch das zwanzigste Jahrhundert. Der Titel hat dem Deutschen das Wort Treppenwitz als historischen Fachausdruck geschenkt.
Inhalt
Hertslet schreibt gegen die schöne Geschichte, die Schulbücher und Festreden brauchen. Der Treppenwitz, nach dem französischen esprit de l'escalier, ist hier nicht nur der nachträgliche Einfall, sondern die ganze Klasse der entstellten Überlieferung: Cäsars Würfel, die so nicht fielen; das »l'État, c'est moi«, das Ludwig XIV. so nicht gesagt hat; das Brot, das Marie-Antoinette den Armen nicht empfahl. Hertslet trägt Belege und Gegenbelege zusammen, oft aus älteren Historikern, und urteilt als gebildeter Laie, nicht als Archivare. Der Reiz liegt im Entzaubern berühmter Szenen, ohne die Geschichte selbst für nichtig zu erklären. Was bleibt, ist oft kleiner und genauer: ein Brief statt eines Diktums, eine spätere Erfindung statt eines Schlachtfeldspruchs.
Die späteren Bearbeiter haben den Bestand zur Hausenzyklopädie des historischen Irrtums gemacht. Helmolt und Wencker-Wildberg ergänzten, modernisierten, dehnten aus; aus dem schmalen Band wurde ein Nachschlagewerk, das man neben den Konversationslexika aufstellte. Gegenposition ist jede Quellenkritik, die dasselbe Geschäft strenger treibt, und jede Geschichtsschreibung, die die Legende selbst als Quelle der Wirkung nimmt: dass das Wort nicht fiel, ändert nicht, dass Generationen danach gehandelt haben. Hertslet will berichtigen; die Nachwelt hat oft nur die Berichtigung als neue Anekdote behalten. Der Ton bleibt der des neunzehnten Jahrhunderts: patriotisch gebildet, amüsant, sicher, dass Wahrheit und Anstand zusammengehören.
Unsicher wird das Buch, wo die Berichtigung selbst zur Legende wird und wo nationale Vorlieben entscheiden, welche Mythen fallen dürfen. Ein deutsches Hausbuch der achtziger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts hat andere Feinde als ein Band nach zwei Weltkriegen; die Bearbeiter haben das gespürt und nicht immer ausgewiesen, was noch Hertslet ist. Wer den Treppenwitz nur als Witzkiste liest, verfehlt die Behauptung, dass Weltgeschichte zum großen Teil aus nachträglichen Einfällen besteht. Wer nur die Entlarvung will, verfehlt, dass Hertslet die große Geschichte voraussetzt, deren Zitate er kürzt. Die vielen Auflagen haben den Titel bekannter gemacht als den Verfasser.
Einordnung
Hertslet hat dem Deutschen ein Wort und ein Genre gegeben: die Sammlung geschichtlicher Entstellungen als unterhaltsame Kritik der Überlieferung. Das Buch steht neben den Anekdotenschätzen des Historismus und neben einer späteren Mythenforschung, die denselben Stoff theoretisch nimmt. Es ist keine Geschichtsschreibung, die das Fach verschoben hätte, aber es hat die öffentliche Rede über »wie es eigentlich gewesen« populär gemacht, bevor das Fach den Satz selbst in Anführungszeichen setzte. Wer nach Hertslet ein geflügeltes Wort hört, darf nach der Treppe fragen. Die Bearbeiter haben das Hausbuch am Leben gehalten; der Name des Bankiers ist dahinter zurückgetreten, das Wort Treppenwitz nicht.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
