Der Trotzkopf

Emmy von Rhoden · 1885 · Jugendroman


Das Werk
Deutscher Titel: Der Trotzkopf
Autor(en): Emmy von Rhoden
Originaltitel: Der Trotzkopf
Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1885
Schlagwörter: Pensionat, Trotz, Mädchen, Erziehung
Sachgebiete: Jugendroman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Anaconda


Umfang dieser Ausgabe: 304 Seiten
ISBN: 9783730602232
Verweise


Der Trotzkopf ist der Mädchenroman von Emmy von Rhoden, 1885 bei Gustav Weise in Stuttgart erschienen, kurz nach dem Tod der Autorin. Die fünfzehnjährige Ilse Macket wächst wild auf einem pommerschen Gut auf, wird ins Pensionat geschickt, lernt sich zu fügen und verlobt sich am Ende mit dem Landratssohn. Das Buch gilt als Muster des Backfischromans: Erwachsenwerden als Zähmung des Eigensinns, Freundschaft, Krankheit, Heirat. Generationen von Leserinnen haben mit Ilse getrotzt und sich am Schluss versöhnt. Die Tochter Else Wildhagen und andere haben Fortsetzungen nachgeliefert, bis zur Großmutter Ilse.

Inhalt

Ilse Macket lebt mit dem Vater, einem Oberamtmann, auf Gut Moosdorf; die Mutter starb nach der Geburt. Ilse benimmt sich jungenhaft, vertreibt Gouvernanten und widersetzt sich der Stiefmutter Anne und dem Pfarrer Wollert, die sie zur standesgemäßen Dame machen wollen. Der Vater gibt nach und schickt sie ins Pensionat der Fräulein Raimar. Dort gewinnt Ilse die Freundschaft der Lehrerin Charlotte Güssow und der englischen Waise Ellinor Grey, genannt Nellie, die Gouvernante werden soll, was Ilse lebhaft bedauert. In der Handarbeitsstunde stellt Raimar sie bloß; Ilse wirft das Strickzeug an die Wand und riskiert den Ausschluss.

Güssow erzählt zur Warnung das Leben der Luzie, die durch Trotz den Bräutigam Kurt verlor und fortan als Lehrerin ihr Brot verdienen muss. Die Erzählung ist Güssows eigene. Ilse entschuldigt sich, bleibt und lernt nähen, stricken, zeichnen, tanzen. Sie pflegt die jüngere, schwerkranke Mitschülerin Lili, die an Hirnhautentzündung stirbt; die berufsbedingte Abwesenheit von Lilis Mutter, einer Schauspielerin, wird als Lieblosigkeit gelesen. Auf der Heimreise gefällt Ilse der Landratssohn Leo Gontrau. Zu Hause wartet ein kleines Brüderchen, und Onkel Kurt entpuppt sich als Güssows verschwundener Verlobter. Die beiden heiraten; Nellie findet den Lehrer Dr. Althoff und muss nicht Gouvernante werden. Ilse und Leo verloben sich.

Der Roman erzählt die Zähmung nicht als bloße Niederlage. Ilse behält Temperament; sie lernt, es zu richten. Die Warnung Güssows wirkt, weil sie kein fremdes Exempel ist, sondern ein mögliches Ich. Rhoden lässt die Pension als Ort der Freundinnen und der Hierarchie erscheinen, nicht als Kerker allein. Der Tod Lilis dunkelt das Lehrstück. Der Schluss verteilt Ehen wie Belohnungen: Die Lehrerin darf aufhören zu arbeiten, die Waise muss nicht dienen, Ilse muss nicht trotzen. Wer darin nur Unterwerfung sieht, hat Ilses Entschuldigung als erste selbstgewählte Tat nicht ernst genommen. Wer nur die wilde Ilse sucht, hat das Pensionat überschlagen.

Einordnung

Rhoden hat den Backfischroman – so nannte man damals Bücher für Mädchen im Übergang zum Erwachsenenalter – auf einen Ton gestimmt, der strenger ist als manche Nachfolgerinnen und wärmer als die bloße Etikettenfibel. Die Fortsetzungen der Tochter drehen an der Schraube der Ehelehre, bis Ilse in späteren Bänden die allzu fügsame Freundin kritisiert und eine Sängerinnenkarriere der Tochter zulässt. Plagiatsstreite um weitere Fortsetzungen zeigen, wie begehrt die Figur war. Neben Little Women und Heidi steht der Trotzkopf in der Reihe der Mädchenbücher, die aus Wildheit Anstand machen; Rhoden ist deutscher im Gut, im Pensionat, in der Sorge, standesgemäß zu heiraten.

Verfilmungen und Fernsehfassungen haben Ilse oft herzlicher und weniger klassenscharf gemacht. Heutige Lektüre stößt sich an der Berufsangst der Schauspielerin-Mutter und am Glück, das nur als Verlobung kommt; sie findet trotzdem eine Protagonistin, die zornig bleiben darf, solange sie sich entschuldigt. Wer nach 1885 über deutsche Mädchenromane spricht, spricht hinter diesem Buch; wer es für bloße Züchtigung hält, hat Güssows Geständnis und Lilis Sterben nicht gelesen. Die angegebene Anaconda-Ausgabe gibt den Text ungekürzt.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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