Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats

Friedrich Engels · 1884 · Sachbuch, Gesellschaftstheorie


Das Werk
Deutscher Titel: Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats
Autor(en): Friedrich Engels


Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1884
Schlagwörter: Familie, Eigentum, Staat, Matriarchat
Sachgebiete: Sachbuch, Gesellschaftstheorie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Dietz Verlag


Umfang dieser Ausgabe: 184 Seiten
ISBN: 9783320002114
Verweise


Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats ist die 1884 in Hottingen bei Zürich erschienene Untersuchung von Friedrich Engels, im Anschluss an Lewis H. Morgans Ancient Society und an Exzerpte, die Karl Marx hinterlassen hatte. Der Erstdruck schrieb noch Privateigenthum; die vierte, erweiterte Auflage von 1892 bei Dietz in Stuttgart wurde der kanonische Text. Engels will zeigen, dass Familie, Eigentum und Staat keine ewigen Ordnungen sind, sondern Produkte der Produktionsweise. Über die marxistische Schulmeinung hinaus hat das Buch die frühe Familien-, Wirtschafts- und Staatssoziologie mitgeformt.

Inhalt

Engels schreibt gegen die bürgerliche Selbstverständlichkeit, die monogame Familie, das Privateigentum und den Staat als Natur des Menschen zu nehmen. Die Produktion und Reproduktion des unmittelbaren Lebens, heißt es im Vorwort, ist der fundamentale Vorgang der Geschichte: einmal die Erzeugung von Nahrung und Werkzeug, einmal die Erzeugung der Menschen selbst in der Familie. Alte Gesellschaften ruhen auf Geschlechtsverbänden; der Staat tritt an ihre Stelle, indem er Ortsverbände schafft, die durch Familien und Eigentum strukturiert sind. Morgan liefert die Stufen: Wildheit, Barbarei, Zivilisation, jede nach dem Wechsel der Lebensgewinnung. Pfeil und Bogen sind für die Wildheit, was das Eisenschwert für die Barbarei und das Feuerrohr für die Zivilisation ist. Engels übernimmt das Schema und weiß, dass es ein Schema ist.

Die Familie durchläuft vier Formen. In der Blutverwandtschaftsfamilie bilden die Generationen Ehegruppen; in der Punaluafamilie, der Gruppenfamilie, heiratet eine Gens in die andere, die Kinder gehören der Muttergens, die Ordnung ist mutterrechtlich. Die Paarungsfamilie bindet ein Paar, lässt dem Mann Vielweiberei, der Frau die Möglichkeit, den Mann zu verstoßen. Die monogame Familie entsteht mit dem Privateigentum: der Mann häuft Reichtum an, die gemeinschaftliche Haushaltung der Gens zerfällt, die Frau wird ökonomisch abhängig, die Haushaltsführung ins Innere verschoben und damit gesellschaftlich entwertet. Engels folgt der irokesischen, griechischen und römischen Gens, der Entstehung des athenischen und des römischen Staats, den Kelten und Germanen. Der Staat ist die Maschine der besitzenden Klasse; er tritt auf, wo die Gentilordnung die Gegensätze nicht mehr binden kann.

Die vierte Auflage baut ein, was 1884 noch fehlte: Maxim Kowalewskis Hausgenossenschaft, eine Kritik an Theodor Mommsens römischer Gentilordnung, zehn Seiten über die gegenwärtigen Formen der Ehe und die individuelle Geschlechtsliebe. Genau dort wird das Buch unsicher. Morgan und Engels teilen den Evolutionismus des Jahrhunderts, die Annahme einer einheitlichen Höherentwicklung; spätere Ethnologie hat Blutverwandtschaftsfamilie und Punaluafamilie als Konstruktion verworfen. Engels selbst schwankt zwischen der Behauptung, die Monogamie sei der Sieg des Privateigentums über das alte Mutterrecht, und der Hoffnung, die kommende Gesellschaft werde die Frau wieder frei machen, weil sie ökonomisch unabhängig wird. Die Liebe, die er 1891 nachträgt, sitzt unruhig auf dem ökonomischen Gerüst. Das Buch ist Materialismus und Prognose in einem; die Prognose hat die Familiensoziologie nicht bestätigt, der Materialismus hat sie nicht losgelassen.

Einordnung

Neben dem Kapital ist dies Engels' eigenster Wurf: nicht Erläuterung von Marx, sondern Anwendung auf ein Feld, das die Ökonomie lange als Natur stehen ließ. Die Arbeiterbewegung nahm die Schrift als Beweis, dass die Unterdrückung der Frau mit der Klasse fällt; die Frauenbewegung hat denselben Zusammenhang später gegen die Vereinfachung gelesen. Eleanor Leacock hat Morgan und Engels ethnologisch verteidigt; die Kritik nannte das Stufenmodell Darwinismus der Gesellschaft und das Matriarchat eine Wunschgeschichte. Claude Lévi-Strauss verschob die Verwandtschaft von der Produktion auf den Tausch der Frauen; damit war Engels' Reihenfolge angreifbar, nicht die Frage, die er gestellt hatte.

Wer nach 1884 über Ursprung von Familie und Staat spricht, spricht hinter diesem Buch, oft ohne es zu nennen. Die Dietz-Ausgabe der Marx-Engels-Werke hat den Text der vierten Auflage festgesetzt. Geblieben ist die Unruhe: dass das Privateigentum die Geschlechterordnung umgebaut hat – und dass keine Ökonomie allein sagt, was danach kommt.

Ideen

Dieses Buch hängt an diesen Zetteln.

Eigentum (wichtig) · Familie (wichtig)

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.

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