Der Vater eines Mörders
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Der Vater eines Mörders |
| Autor(en): | Alfred Andersch |
| Originaltitel: | Der Vater eines Mörders |
| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 1980 |
| Schlagwörter: | Schule, Humanismus, Demütigung, München |
| Sachgebiete: | Erzählung |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Diogenes
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| Umfang dieser Ausgabe: | 139 Seiten |
| ISBN: | 9783257204988 |
| Verweise | |
Der Vater eines Mörders ist die letzte Erzählung von Alfred Andersch, 1980 im Todesjahr erschienen, mit dem Untertitel Eine Schulgeschichte. Im Mai 1928 unterbricht der Rektor des Münchner Wittelsbacher-Gymnasiums eine Griechischstunde; der Rektor heißt Himmler, der Sohn des Rektors wird Heinrich Himmler sein. Andersch erzählt die Stunde nicht im Ich, sondern durch den Schüler Franz Kien, sein Alter Ego, und erklärt im Nachwort, warum: Distanz, Versetzung einzelner Szenen, keine Autobiographie im engen Sinn. Das Buch ist kein Roman von Bernhard Schlink, auch wenn der Titel nach Täterschaft und Vaterschaft klingt; es ist Anderschs Vermächtnis an die Schule, in der Bildung zur Waffe wird. Gewidmet ist es Arno Schmidt.
Inhalt
Noch bevor Studienrat Kandlbinder die Untertertia B in Gang bringt, tritt Oberstudiendirektor Himmler ein, von den Schülern Rex genannt, den Vornamen Gebhard nennt das Buch nicht. Er sagt, man solle sich nicht stören lassen, und übernimmt doch. Er kennt Noten und Schwächen besser als der Lehrer und lässt sich vom Lehrplan nicht beeindrucken. Der Klassenbeste an der Tafel genügt ihm nicht. Mit dem adeligen Konrad von Greiff kommt es zum Streit; die Demütigung trifft am Ende den Rektor, Greiff fliegt von der Schule. Franz Kien beobachtet mit einer Mischung aus Bewunderung und Abscheu: die Haltung, das Griechisch, die Macht, aus Syntax Gericht zu machen.
Dann ist Kien selbst an der Tafel. Er hat nicht gelernt, aus Desinteresse, nicht aus Unfähigkeit. Himmler stellt die Lücken vor der Klasse aus und zwingt den Jungen zuzugeben, dass er faul war. Die Krönung ist der Entzug des Schulgelderlasses: Die Armut der Familie liegt offen. Zu Hause sitzt der Vater, kriegsverwundet, Träger des Eisernen Kreuzes, deutschnational, Ludendorff-Anhänger, körperlich am Ende. Man spricht über den Rektor. Der Vater ist politischer Gegner des katholisch-konservativen Himmler, nicht aber des Sohnes Heinrich, der sich vom Vater gelöst hat und bei Ludendorffs Versammlungen auftaucht. Franz sympathisiert heimlich mit dem jungen Himmler, weil der mit dem Rex zerstritten ist – und lehnt dessen Judenfeindschaft ab. Die Erzählung lässt diesen Widerspruch stehen.
Andersch hat Episoden anderer Stunden in diese eine gelegt und das im Nachwort gesagt. Motto sind Sätze von Bertolt Brecht und Fritz Mauthner. Die Griechischstunde ist kein Stoffkreis mehr, sondern Beherrschung: Wer die Form hat, hat den Menschen. Am Schluss des Nachworts steht die Frage, die das Buch nicht beantwortet: Heinrich Himmler wuchs nicht im Elend auf, sondern in einem humanistisch gebildeten Bürgerhaus. Schützt Humanismus vor gar nichts? Die Erzählung zieht keine Linie vom Vater zum Sohn als Erbe des Bösen; sie zeigt eine Bildung, die schmückt, abgrenzt und erniedrigt. Das Griechische, seines Inhalts beraubt, wird Grammatik als Strafe.
Einordnung
Andersch hat in Berzona geschrieben, fast erblindet, mit übergroßen Lettern, und das Typoskript an Daniel Keel gegeben, bevor er starb. Die Resonanz war ungewöhnlich still und breit: Spiegel-Bestseller, Schullektüre, weniger Polemik als bei früheren Büchern. Heinrich Vormweg hörte darin, wie es zu Hitler und Himmler kommen konnte. Der Mitschüler Otto Gritschneder widersprach scharf: Himmler sei kein Sadist der Pädagogik gewesen, Andersch ein Rufmörder des Vaters; die Familie sei anständig gewesen, Heinrich das schwarze Schaf. Der Streit gehört zum Nachleben, weil das Buch genau diese Entlastung des Milieus nicht erlaubt.
In der Reihe der Schulgeschichten steht die Erzählung neben Robert Musils Die Verwirrungen des Zöglings Törleß und Heinrich Manns Professor Unrat: Internat, Lehrergewalt, die Macht der Anstalt. Anderschs Unterschied ist der Name an der Tür. Sansibar oder der letzte Grund hatte die Flucht vor den Anderen erzählt; hier bleibt der Junge im Klassenzimmer, und die Anderen haben Latein und Griechisch. Der Fernsehfilm von 1985 mit Hans Korte als Rex bekam den Fernsehfilmpreis der Deutschen Akademie. Wer nach Andersch über Bildung und 1933 spricht, spricht hinter dieser Stunde: hinter einem Humanismus, der vor dem Sohn des Rektors nicht schützte.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
