Der antike Staat

Numa Denis Fustel de Coulanges · 1864 · Sachbuch, Geschichte
Geschichte
Das Werk
Deutscher Titel: Der antike Staat
Autor(en): Numa Denis Fustel de Coulanges
Originaltitel: La Cité antique
Originalsprache: französisch
Erstveröffentlichung: 1864
Schlagwörter: Polis, Ahnenkult, Familie, Institution
Sachgebiete: Sachbuch, Geschichte
Greifbare Ausgabe
Verlag: Klett-Cotta


Umfang dieser Ausgabe: 532 Seiten
ISBN: 9783129324301
Verweise


Der antike Staat (französisch La Cité antique) ist das 1864 erschienene Buch von Numa Denis Fustel de Coulanges über die griechische und römische Stadt als religiöse Ordnung. Fustel, Lehrer in Straßburg, später an der École normale, schrieb gegen die Gewohnheit, in der Polis schon die moderne Freiheit zu erkennen. Die deutsche Übertragung von Ingrid-Maria Krefft nach Paul Weiss erschien 1981 bei Klett-Cotta, mit einer Einleitung von Karl Christ.

Inhalt

Fustel beginnt nicht beim Markt und nicht bei der Volksversammlung, sondern beim Herd. Die älteste Religion ist der Kult der Ahnen; die Familie ist eine gottesdienstliche Einheit, das Grab der Grund des Eigentums, der Vater Priester vor er Richter ist. Aus Familien werden Geschlechter, aus Geschlechtern Phratrien und Kurien, zuletzt die Stadt. Jede Erweiterung braucht neue Götter, die die alten nicht einfach ersetzen: die Stadtgötter treten neben die Familiengötter, das öffentliche Opfer neben das häusliche. Recht, Ehe, Erbe, das Verbot, den Fremden an den Herd zu lassen – all das folgt aus der Religion, nicht aus einem Vertrag kluger Männer.

Die Geschichte der Antike ist bei ihm die Geschichte, wie diese Ordnung sich lockert. Der Klient, der Plebejer, der Fremde drängen in die Stadt; Solon, Kleisthenes, die römischen Ständekämpfe erscheinen als religiöse Revolutionen, in denen neue Kulte die alten Vorrechte brechen. Die Demokratie ist keine Erfindung der Vernunft, sondern das Ergebnis eines umgebauten Glaubens. Am Ende steht das Christentum, das den Ahnenkult und die Stadtgötter entwertet und damit den antiken Staat unmöglich macht: Wer einen Gott aller Menschen hat, kann die Stadt nicht mehr als geschlossene Kultgemeinde denken. Fustel schließt mit der Warnung, die antike Freiheit sei nicht die unsere; wer sie nachahmen wolle, verkenne, dass sie auf Ausschluss und Sakralrecht ruhte.

Unsicher ist die Einlinigkeit. Fustel führt fast alles auf den Totenkult zurück, wo Wirtschaft, Eroberung und Zufall mitsprachen; die spätere Altertumswissenschaft hat die Quellen gemischt und die These differenziert, ohne sie zu verwerfen. Der Ton ist klar, fast hart, ohne romantisches Griechenland. Gegen Mommsens Staatsrecht und gegen die Schulbegeisterung für Perikles setzt Fustel die Fremdheit: Die Antike ist nicht unser Vorbild, weil ihre Götter nicht unsere sind. Émile Durkheim hat bei diesem Lehrer gelernt, Institutionen als religiöse Tatsachen zu lesen; die Soziologie der Stadt beginnt hier, noch als Alte Geschichte. Das Buch bleibt die Zumutung, Polis und Res publica nicht als frühe Republiken der Vernunft zu missverstehen.

Einordnung

Der antike Staat hat die Altertumswissenschaft und die entstehende Soziologie zugleich verschoben: Stadt als Kult, Recht als Theologie des Herdes. Es steht im Rang neben Mommsen, ohne dessen Reichsgewölbe, und hat Durkheims Blick auf das Heilige vorbereitet. Wer die antike Demokratie als unmittelbare Vorläuferin der modernen sucht, trifft hier den Widerspruch; wer Institutionen nur als Interessen liest, trifft die Religion, die Fustel ihnen unterlegt.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.

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