Der goldene Handschuh

Heinz Strunk · 2016 · Roman


Das Werk
Deutscher Titel: Der goldene Handschuh
Autor(en): Heinz Strunk
Originaltitel: Der goldene Handschuh
Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 2016
Schlagwörter: Hamburg, Kneipe, Gewalt, St. Pauli
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Rowohlt


Umfang dieser Ausgabe: 256 Seiten
ISBN: 9783499271274
Verweise


Der goldene Handschuh ist ein Tatsachenroman von Heinz Strunk, 2016 bei Rowohlt erschienen. Er erzählt Jahre aus dem Leben des Hamburger Mörders Fritz Honka, dessen Opfer in der Kneipe Zum Goldenen Handschuh am Hamburger Berg saßen, und stellt ihnen eine erfundene Reederfamilie gegenüber, die auf der Elbchaussee denselben Hass in anderem Porzellan austrägt. Strunk hat Prozessakten gelesen und die Kneipe oft besucht; der Wilhelm-Raabe-Preis würdigte den Band im Erscheinungsjahr. Es ist kein aufklärender Krimi, sondern eine Studie des Suffs, der Demütigung und der Stadt, die beides gewähren lässt.

Inhalt

Fritz Honka, genannt Fiete, sitzt 1974 am kurzen Schenkel des Tresens, das Gesicht eingedrückt, die Hände riesig, und trinkt Fanta mit Korn. Im Goldenen Handschuh, den der ehemalige Boxer Herbert Nürnberg führt, hängen Stammgäste mit Beinamen, Tote werden für Schlafende gehalten. Honka nimmt die obdachlose Gerda Voss mit in die Mansarde in der Zeißstraße, schließt sie ein, nimmt ihr den Ausweis, führt Buch über Kosten und Nutzen. Gerda kocht für den Bruder Siggi, unterschreibt, dass sie keinen freien Willen mehr habe, arbeitet in der Fischfabrik, das Geld geht an ihn. Als Honka im Krankenhaus liegt, macht sie die Wohnung zum Durchgang; ein Freier holt sie nach Hannover, dann ist sie weg. Parallel speist die Familie von Dohren an der Elbchaussee: der Patriarch, der Sohn, der Enkel Wilhelm Heinrich, der Mädchen nicht nahekommt und später denselben Tresen sucht. Das Vermögen stammt aus der Enteignung eines jüdischen Reeders; die Firma ist bereits verloren, der Hass untereinander nicht.

Honka wird Wachmann bei Shell in der City Nord, trägt Uniform, trinkt weniger, verliebt sich in die Putzfrau Helga Denningsen. Er erzählt von der Flucht aus der DDR und vom Bauern, der ihn mit dem Traktor zugerichtet hat. Helga weist ihn zurück; er fällt in den alten Rausch. Der dritte Teil holt die Gewalt zurück: Honka nimmt Frauen mit, die niemand sonst mehr nimmt, verwahrt in der überhitzten Wohnung, was von früheren Taten blieb, und erklärt den Gestank mit den Nachbarn. Anna stirbt durch seine Hände, Frieda und Ruth folgen. Ein Postskriptum gibt den Brand vom Juli 1975, die Funde in der Zeißstraße 74, das Urteil unter verminderter Schuldfähigkeit und Honkas Tod 1998 unter anderem Namen in einem Heim an der Ostsee in den Worten der Akten.

Die von Dohren und der Schwager Karl von Lützow, ein Kieler Anwalt, spiegeln Honkas Trieb auf der anderen Seite der Stadt: Beherrschung, Alkohol, Verachtung. Sie betreten denselben Handschuh, ohne ihn zu verstehen. Strunk lässt die Milieus nicht zur Moral fabeln; er zeigt, dass Geld den Suff nicht adelt. Die Kneipe bleibt der Ort, an dem die Stadt ihre Ausgestoßenen versammelt und nicht hinsieht, bis das Feuer die Leichen sichtbar macht. Honka ist Täter und Produkt, und das Buch weigert sich, das eine gegen das andere aufzurechnen.

Einordnung

Strunk, bekannt durch Kabarett und frühere Prosa, hat den Fall Honka nicht als Rätsel erzählt, sondern als Ton: plattdeutsche Reste, Beinamen, der Witz, der die Gewalt nicht mildert. Er hatte zuerst über Jürgen Bartsch schreiben wollen und wählte Honka, weil der Stoff den schwarzen Humor noch trug. Die Kritik sah eine Milieustudie St. Paulis und eine Anklage des Wegsehens; der Raabe-Preis machte den schmalen Band zum literarischen Ereignis. Fatih Akin verfilmte 2019 mit Jonas Dassler, hart am Elend, und trug den Titel zurück an den Hamburger Berg.

Rowohlt hält den Text als Taschenbuch. Gegen den klassischen Täterroman, der erklärt, setzt Strunk die Wiederholung: derselbe Tresen, derselbe Korn, dieselbe Verachtung der Frauen, die tiefer fallen als er. Die Reederfamilie verhindert, dass der Leser das Elend nur unten sucht. Wer nach 2016 über Honka spricht, spricht hinter diesem Buch; wer es für eine Zote vom Kiez hält, hat die Aktenzeilen am Schluss nicht gelesen.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.