Der menschliche Makel

Philip Roth · 2000 · Roman


Das Werk
Deutscher Titel: Der menschliche Makel
Autor(en): Philip Roth
Originaltitel: The Human Stain
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 2000
Schlagwörter: Herkunft, Rassismus, Schuld, Neuengland
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Rowohlt


Umfang dieser Ausgabe: 400 Seiten
ISBN: 9783499231650
Verweise


Der menschliche Makel ist der 2000 erschienene Roman von Philip Roth, im Original The Human Stain, 2002 von Dirk van Gunsteren auf Deutsch. Er schließt die »amerikanische Trilogie«, die mit Amerikanisches Idyll und Mein Mann, der Kommunist begonnen hatte. Ein Altphilologe verliert Amt und Frau über ein Wort, liebt eine jüngere Frau und entpuppt sich nach dem Tod als hellhäutiger Schwarzer, der ein Leben lang als weißer Jude gegolten hat. Erzähler ist Nathan Zuckerman, Roths alter Stellvertreter. Der Band erhielt den Preis der amerikanischen Schriftstellervereinigung PEN/Faulkner und den französischen Prix Médicis für übersetzte Literatur; Robert Benton verfilmte ihn 2003.

Inhalt

Nathan Zuckerman hat sich nach einer Operation in die Berkshire Mountains zurückgezogen. Nachbar ist Coleman Silk, sechs Jahre älter, scheinbar ebenfalls Jude, Professor für alte Sprachen am Athena College. Silk hat zwei fehlende Seminarteilnehmer ironisch »dunkle Gestalten« genannt – im Englischen spooks, ein Wort, das auch Schwarze beleidigen kann. Die beiden Studenten sind schwarz; Kollegen nutzen den Satz, um alte Rechnungen zu begleichen. Silk gibt auf. Seine Frau stirbt am Schlaganfall; er gibt den Querelen die Schuld und bittet Zuckerman um ein Buch, das dieser ablehnt. Zwei Jahre später, im Sommer der Lewinsky-Affäre, hat Silk das Manuskript selbst geschrieben und will es nicht mehr. Er hat eine Affäre mit der vierunddreißigjährigen Faunia Farley, Putzfrau am College, Arbeiterin auf einem Milchviehhof. Faunia ist mit vierzehn vor dem Stiefvater geflohen, war mit dem Vietnamveteranen Lester Farley verheiratet, dessen Gewalt und der Tod der Kinder die Ehe zerbrachen. Lester verfolgt sie weiter.

Die Beziehung bleibt nicht geheim. Delphine Roux, einst Silks Schülerin, denunziert ihn anonym, er beute eine wehrlose Analphabetin aus. Silks Kinder wenden sich ab. Lester prügelt; der Anwalt rät zur Trennung, Silk bleibt. Am Vorabend seines zweiundsiebzigsten Geburtstags drängt Lester ihren Wagen von der Straße in den Fluss. Beide sterben. Die Stadt tuschelt von Unzucht am Steuer, die Polizei von überhöhter Geschwindigkeit. Zuckerman ahnt den Dritten, die Kinder wollen den Vater rehabilitieren und die Liebe totschweigen.

Erst an der Bahre erfährt Zuckerman von Silks Schwester Ernestine, dass Coleman ein besonders hellhäutiger Schwarzer war, der sich als weißer Jude ausgegeben hat, vor Freunden, Kollegen und vor der eigenen Frau. Er hat Mutter und Bruder dafür verloren, um frei von Herkunft Karriere zu machen. Auf der Fahrt zum Heimatort begegnet Zuckerman Lester auf dem Eis; Lester droht. Zuckerman, der nun doch schreiben will, weiß, dass er die Gegend verlassen muss, sobald das Buch erscheint.

Einordnung

Roth hat den Makel nicht als Erbsünde und nicht als Fleck auf einem Kleid allein gemeint, obwohl beides mitschwingt. Der englische stain ist Hautfarbe, Scham, Samen, die Spur, die der Mensch am Tier hinterlässt. Jede Figur trägt eine, die sie versteckt: Silk die Herkunft, Faunia die Kindheit, Lester den Krieg, das College die Rache im Gewand der Rechtschaffenheit. Die Lewinsky-Affäre ist der nationale Chor dazu: Amerika läutet über Unzucht, während es Herkunft und Klasse nicht sehen will. Van Gunsteren hat spooks mit »dunkle Gestalten« gerettet; das Wortspiel bleibt eine Narbe der Übersetzung. Roth hat später bestritten, Silk nach Anatole Broyard geformt zu haben; der Auslöser sei ein Satz seines Freundes Melvin Tumin in Princeton gewesen, der dieselbe Falle auslöste.

Die Trilogie hat das Nachkriegamerika durch drei Linsen genommen: den Terror der sechziger Jahre, den McCarthyismus, zuletzt die Sittlichkeit der Universitäten. Benton hat 2003 Anthony Hopkins und Nicole Kidman besetzt und aus dem verschachtelten Erzählen ein Drama zweier Körper gemacht; Zuckermans Stimme, die Silk erfindet, wo sie ihn nicht kennt, kommt im Film zu kurz. Wer nach Roth über Rassismus und Sprache spricht, kommt an diesem Band nicht vorbei: nicht weil Silk unschuldig wäre – er hat eine Familie verraten –, sondern weil die Anklage das falsche Verbrechen trifft. Der Makel bleibt, auch wenn das Wort falsch war.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.

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