Der philosophische Diskurs der Moderne

Jürgen Habermas · 1985 · Sachbuch, Philosophie


Das Werk
Deutscher Titel: Der philosophische Diskurs der Moderne
Autor(en): Jürgen Habermas


Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1985
Schlagwörter: Moderne, Vernunft, Subjekt, Verständigung
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Suhrkamp
Serie: stw 749
Umfang dieser Ausgabe: 450 Seiten
ISBN: 9783518283493
Verweise


Der philosophische Diskurs der Moderne. Zwölf Vorlesungen ist das 1985 bei Suhrkamp erschienene Buch von Jürgen Habermas, hervorgegangen aus Vorlesungen 1983 und 1984 am Collège de France, an der Cornell University und am Boston College. Habermas fragt, ob die Moderne sich aus sich selbst begründen kann, ohne die Religion als Stabilisator zurückzurufen. Das Prinzip, das Georg Wilhelm Friedrich Hegel dafür fand – die subjektzentrierte Vernunft –, erzeugt Aporien, sobald es sich selbst kritisiert. Die Vorlesungen zeichnen den Weg von Hegel über die Linkshegelianer und Friedrich Nietzsche bis zu Heidegger, Derrida und Foucault nach. Das Gegenmodell, die kommunikative Vernunft, bleibt hier überwiegend negative Kritik; es steht in der Theorie des kommunikativen Handelns.

Inhalt

Habermas schreibt gegen die Verabschiedung der Vernunft, die sich als radikalste Vernunftkritik ausgibt. Hegel hat die Moderne auf den Begriff gebracht, indem er die subjektive Freiheit zum Prinzip machte; dasselbe Prinzip verabsolutiert Zweckrationalität und die jeweils erreichte Reflexionsstufe. Eine Dialektik der Aufklärung ist nötig, die Selbstkritik erlaubt, ohne den Vernunftbegriff zu zerstören. Die neokonservative Antwort begrüßt den Verlust und will die kulturelle Moderne samt Demokratie und Gleichheit abstoßen. Die Praxisphilosophie gibt der gesellschaftlichen Arbeit den Vorrang vor dem Einzelnen und bleibt doch Kind der Subjektphilosophie. Beide Wege lösen die Paradoxie nicht, sie umgehen sie.

Den anderen Ursprung bildet Nietzsche. Er verkürzt Vernunft auf den Willen zur Macht und hält zugleich eine philosophische Kritik der Metaphysik für möglich, die sich nicht als Philosophie ausgeben muss. Martin Heidegger und Jacques Derrida folgen diesem zweiten Programm und überwinden die Metaphysik nicht; sie führen, so Habermas, in den Fatalismus und ebnen den Unterschied zwischen Welterschließung und Problemlösung ein. Michel Foucaults Genealogie tritt als gelehrte Gegenwissenschaft auf und kann Macht nicht kritisieren, ohne sich in der Selbstbezüglichkeit ihres Machtbegriffs zu fangen. Habermas teilt Foucaults Blick auf Normalisierung und Wissenshierarchien, führt sie aber nicht auf den Humanismus als philosophischen Fehler zurück, sondern auf soziale Pathologien spätkapitalistischer Gesellschaften. Der Humanismus bleibt Maßstab der Kritik, nicht deren Ursache.

Unsicher wird das Buch, wo die Rettung der Moderne die Gegner zu Figuren einer Verfallsgeschichte macht. Habermas weiß, dass er Nietzsche, Heidegger und Foucault nicht schulgerecht abfertigt, und beharrt darauf, dass ohne einen Begriff kommunikativer Vernunft die Kritik an Herrschaft selbst haltlos wird. Die Vorlesungen sind polemisch und genau in der Rekonstruktion der Weichenstellungen: Hegel, die Junghegelianer, Nietzsche als Drehscheibe. Das Schlusskapitel behauptet, eine Selbstbegründung der Vernunft aus hegelschen Prinzipien sei möglich, wenn das Subjekt durch Verständigung ersetzt wird. Wer hier das ausgeführte Modell sucht, wird auf 1981 verwiesen. Die Stärke des Bandes ist die negative Arbeit: zu zeigen, warum die Flucht aus der subjektzentrierten Vernunft in Mythos, Seinsgeschichte oder Genealogie die Aporie wiederholt, statt sie zu lösen.

Einordnung

Der Band ist Habermas’ Abrechnung mit dem, was er die Nietzsche-Nachfolge nennt, und ein Haupttext der Debatte mit Foucault. Die französische Theorie las ihn als restaurative Vernunftfrömmigkeit; die deutsche Diskussion als Selbstbehauptung der Frankfurter Schule nach der Dialektik der Aufklärung. Max Horkheimer und Theodor W. Adorno hatten die Aufklärung in Mythos umschlagen sehen; Habermas will denselben Umschlag als vermeidbare Pathologie, nicht als Schicksal. Neben der Theorie des kommunikativen Handelns ist dies die philosophiehistorische Auskunft: Die Moderne hat ein unvollendetes Projekt, kein erledigtes.

Die Kritik hat die Schärfe gegen Derrida und Foucault als Ungerechtigkeit und als produktive Zuspitzung gelesen. Geblieben ist die Frage, ob Verständigung das Prinzip abgibt, das Hegel dem Subjekt zumutete: immanent, vernünftig, gesellschaftlich stabilisierend. Die Frage, ob nach dem Subjekt noch Kritik möglich sei, ohne in Mythos oder Seinsgeschichte zu flüchten, bleibt die der achtziger Jahre und ist nicht erledigt. Die stw-Ausgabe hat den polemischen Atem jener Debatte bewahrt.

Ideen

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Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.

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