Der schwarze Obelisk

Erich Maria Remarque · 1956 · Roman


Das Werk
Deutscher Titel: Der schwarze Obelisk
Autor(en): Erich Maria Remarque
Originaltitel: Der schwarze Obelisk
Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1956
Schlagwörter: Inflation, Grabstein, Anstalt, Nachkrieg
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Kiepenheuer & Witsch


Umfang dieser Ausgabe: 592 Seiten
ISBN: 9783462051476
Verweise


Der schwarze Obelisk. Geschichte einer verspäteten Jugend ist ein Roman von Erich Maria Remarque, 1956 bei Kiepenheuer & Witsch erschienen. Er spielt 1923 in der fiktiven Stadt Werdenbrück, hinter der Osnabrück steht, und erzählt, wie Überlebende des Ersten Weltkriegs in der Inflation leben, ohne eine bürgerliche Ordnung zurückzugewinnen. Der Untertitel nimmt ernst, was die Figuren verloren haben: nicht nur Geld, sondern die Jahre, in denen andere erwachsen wurden. Thematisch schließt das Buch an Im Westen nichts Neues und Der Weg zurück an, ohne eine unmittelbare Fortsetzung zu sein. Der erste Druck fand in der frühen Bundesrepublik wenig Gnade: zu sarkastisch, zu wenig versöhnlich gegenüber der Heimat.

Inhalt

Ludwig Bodmer, Ich-Erzähler und ehemaliger Lehrer, verkauft Grabsteine in der Firma seines Kameraden Georg Kroll. Das Geschäft rechnet in Stunden, weil die Papiermark über Nacht wertlos wird; Kunden, die morgens einen Stein bestellen, können ihn abends nicht mehr bezahlen. Ludwig spielt nebenbei Orgel in der Irrenanstalt, wo er Geneviève Terhoven kennenlernt, die sich meist Isabelle nennt und ihn Rolf oder Rudolf heißt. Mit ihr spricht er über Gott, den Tod und die Frage, wer hier eigentlich wahnsinnig sei; die Gespräche erscheinen ihm vernünftiger als die der Gesunden draußen. Der Titelstein, ein polierter schwarzer Obelisk aus hartem Gestein, das im Handel „SS“ abgekürzt wird, steht unverkauft vor der Werkstatt. Der monarchistisch gesinnte Feldwebel a. D. Knopf pinkelt regelmäßig daran; später geht der Stein an eine Bordellbesitzerin. Ludwig und Kroll halten sich mit Vorkriegsessenmarken über Wasser und treiben den Wirt Eduard Knobloch in die Enge, der Gedichte schreibt und später den Nationalsozialismus begrüßen wird.

Um Ludwig gruppieren sich die Kameraden der „verlorenen“ Jugend: Trinker, Kriegsversehrte, Spekulanten, Frauen, die reiche Männer suchen, weil Liebe keine Währung mehr ist. Die Tänzerin Gerda verlässt Ludwig zum Restaurantbesitzer Knobloch; Ludwig nimmt den Verlust mit demselben Sarkasmus hin, den er im Krieg gelernt hat. Ein Kriegerverein, der nach 1918 noch pazifistisch sprach, dreht sich ins Nationale. Ludwig beobachtet das, ohne Held zu werden: Er bleibt Grabsteinverkäufer, Organist, gelegentlicher Dichter ohne Erfolg. Isabelle wird „geheilt“, erinnert sich nicht mehr an ihn und kehrt in die bürgerliche Identität der Geneviève zurück. Der Schlag trifft härter als der Verlust Gerda, weil mit Isabelle eine Sprache verschwindet, in der sich nach dem Sinn des Lebens noch fragen ließ.

Gegen Ende nimmt Ludwig eine Stelle bei einer Zeitung an, bezahlt in Roggenmark, während die Papiermark den Weg in die Billionen genommen hat. Das letzte Kapitel blickt von 1955 zurück: Die meisten Weggenossen sind im Zweiten Weltkrieg oder in Lagern umgekommen; Ludwig sieht niemanden aus Werdenbrück wieder. Der Roman schließt nicht mit einer Lehre, sondern mit einer Bilanz der Abwesenheit. Werdenbrück hat überlebt, die Menschen, die 1923 darin herumgingen, nicht. Der Obelisk bleibt das Bild einer Gesellschaft, die ihre Toten teurer verkauft als ihre Lebenden und den Finger, der in den Himmel zeigt, an die nächste Käuferin weiterreicht.

Einordnung

Remarque hat den Inflationsroman nicht als volkswirtschaftliches Lehrstück geschrieben, sondern als Sittenbild einer Stadt, in der der Krieg nicht aufgehört hat, weil niemand ihn begraben kann. Grabstein, Anstalt und Kriegerverein sind keine Kulissen: Sie zeigen, wie Tod, Wahnsinn und Aufrüstung denselben Alltag teilen. Gegenüber Im Westen nichts Neues, das den Stellungskrieg in der ersten Person erzählt, ist der Obelisk ein Buch der Nachzeit: Dieselben Männer können leben, aber nicht ankommen. Zeitgenossen in Osnabrück lasen den Band als Schlüsselroman und warfen Remarque vor, den Hass zu konservieren; genau diese Unversöhnlichkeit hält das Buch lesbar. Die Figuren tragen Züge wirklicher Bürger, Knobloch etwa die des Wirts Eduard Petersilie, ohne dass der Roman zur Abrechnung mit Namen wird.

Die Verfilmung von 1988 und ein späterer Dokumentarfilm haben den Stoff nicht aus dem Schatten der Kriegsbücher geholt. Wer Remarque nur als Verfasser von Im Westen nichts Neues kennt, verpasst, dass er die Weimarer Jahre als Fortsetzung des Schützengrabens erzählt hat: dieselbe Ironie, dieselbe Weigerung, aus Überleben eine Tugend zu machen. Der schwarze Stein vor der Werkstatt ist Warnung und Ware zugleich. In der Reihe der Nachkriegsromane der fünfziger Jahre steht der Band näher bei der unruhigen Erinnerung als bei der restaurativen Idylle. Er bleibt das Buch der verspäteten Jugend, die keine zweite Chance bekommt, weil die erste im Krieg verbraucht wurde.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.