Die 120 Tage von Sodom
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Die 120 Tage von Sodom |
| Autor(en): | Marquis de Sade |
| Originaltitel: | Les 120 Journées de Sodome ou l’École du libertinage |
| Originalsprache: | französisch |
| Erstveröffentlichung: | 1904 |
| Schlagwörter: | Bastille, Libertins, Manuskript, Macht |
| Sachgebiete: | Roman |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Anaconda
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| Umfang dieser Ausgabe: | 480 Seiten |
| ISBN: | 9783866470477 |
| Verweise | |
Die 120 Tage von Sodom ist der unvollendete Roman von Marquis de Sade, 1785 in der Bastille auf einer schmalen Papierrolle begonnen und in wenigen Wochen niedergeschrieben. Vier vermögende Libertins schließen sich mit einem festen Personal in einem abgelegenen Schloss ein und lassen sich vier Monate lang Ausschweifungen erzählen, deren Schwere nach einem Plan steigt; ausgeschrieben ist nur der erste Monat, der Rest blieb Entwurf. De Sade hielt das Manuskript nach dem Sturm auf die Bastille für verloren. Es tauchte wieder auf und erschien 1904 in Paris, herausgegeben von Iwan Bloch; die erste deutsche Übertragung folgte 1909. Der Text ist kein erotisches Lesebuch, sondern das Modell einer geschlossenen Gewaltordnung, kalt gezählt bis zur Schlussabrechnung der Überlebenden.
Inhalt
Vier Männer in den mittleren Jahren – der Herzog Blangis, sein Bruder, ein Bischof, der Präsident Curval und der Steuerpächter Durcet – haben sich durch Erpressung und Hofdienst bereichert und beschließen, die äußerste Freiheit als Herrschaft über andere zu leben. Sie tauschen die Töchter untereinander, nehmen Erzählerinnen, Diener und Gefangene mit und beziehen das Schloss Silling, dessen Zugänge sie zumauern. Eine Hausordnung legt fest, wer wann das Kommando hat, welche Räume wem gehören, welche Strafen auf Verstöße stehen. Jeden Tag trägt eine der vier Frauen – Duclos, Champville, Martaine, Desgranges – Geschichten vor, nach Graden geordnet: zuerst die sogenannten einfachen Leidenschaften, dann die verwickelten, die verbrecherischen, zuletzt die mörderischen. Der Rahmen erinnert an Boccaccios geschlossene Gesellschaft, kehrt die Geselligkeit aber ins Unentrinnbare.
De Sade hat nur den November vollständig ausformuliert. Die übrigen Monate existieren als nummerierte Skizzen, Namen, Zählungen. Der Text wechselt zwischen erzählter Szene, Verzeichnis und philosophischer Einlage, in der die Libertins Tugend, Mitleid und Religion als Vorurteile abtun, die der Starke nicht braucht. Was die Vorträge häufen, ist nicht Abwechslung um der Lust willen, sondern eine Steigerung, die das Opfer zur Sache macht und die Tat zur Regel. Der Roman führt das Personal durch Zuweisungen, Strafen und eine Buchhaltung, die am Ende festhält, wer vor dem ersten März starb, wer danach, und wer – die vier Herren, die Erzählerinnen, ein Rest von Helfern – übrig bleibt. Die letzte Geste ist eine Summe, kein Schicksal.
Die Rolle, zwölf Meter lang und mit bloßem Auge kaum zu lesen, wanderte durch private Hände, galt zeitweise als verschollen und wurde 2017 in Frankreich zum nationalen Kulturgut erklärt. 2021 erwarb sie der Staat für die Bibliothèque de l’Arsenal. Der literarische Kern ist diese Materialgeschichte selbst: ein Gefängnismanuskript, das die Welt draußen für vernichtet hielt, und ein Innenraum, der die Welt draußen als Lüge behandelt. Die Unfertigkeit der späteren Monate gehört dazu; das Verzeichnis holt die ausgeschriebene Prosa ein. Wer den Text als Anleitung liest, verfehlt die Form; wer ihn nur als Skandal kennt, verfehlt die Kälte, mit der hier eine Gesellschaft auf Zeit gegründet, reglementiert und zu Ende gezählt wird.
Einordnung
De Sade hat in der Bastille nicht nur Phantasien notiert, sondern eine Institution erfunden: Schloss, Kalender, Hierarchie, Protokoll. Spätere Leser, von den Surrealisten bis zur kritischen Theorie, haben darin die Kehrseite der Aufklärung gesehen – Vernunft, die nichts mehr schont als den Willen der Herren. Andere haben den Text als pathologisches Dokument gelesen oder als unlesbar verworfen. Beides streift ihn. Die Unabgeschlossenheit gehört zur Sache: Das Verzeichnis holt die ausgeschriebene Prosa ein und zeigt, dass die Steigerung kein Ende in der Darstellung hat, nur in der Zahl. Pier Paolo Pasolini hat 1975 in Salò oder die 120 Tage von Sodom den Rahmen in die Republik von Salò gelegt und aus dem Ancien Régime den Faschismus gemacht; der Film ist eine Deutung, nicht der Roman.
Deutsche Leser treffen den Text meist in der älteren Übertragung Karl von Haverlands, nachgedruckt unter anderem bei Anaconda. Eine unbefangene Schulausgabe gibt es nicht, und sie wäre ein Missverständnis. Neben den späteren Romanen de Sades, die Dialog und These breiter führen, bleibt Die 120 Tage das extremste Formexperiment: Erzählen als Verordnung. Wer nach diesem Buch über Literatur und Grausamkeit spricht, muss die Rolle, das Unfertige und die vier Herren nennen, nicht einen Katalog von Taten. Wer den Titel für den Film hält, hat die Bastille nicht mitgelesen.
Essays
Dieses Buch kommt in diesen Essays vor.
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Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
